Gehören liberale Euro-Kritiker noch in die AfD?

Der Rücktritt der Pressesprecherin Dagmar Metzger gilt als Zeichen dafür, dass Liberale in der AfD an Boden verlieren. Zugleich distanziert sich Parteichef Bernd Lucke beim Euro von einer Fundamentalopposition. Kann die Partei lieberale Euro-Kritiker wieder stärker einbinden.

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“AfD-Chef Lucke: ‘Ich bin kein Liberaler’”, titelt heute merkur-online.de. Im Grunde ist das keine Neuigkeit, war Bernd Lucke doch 33 Jahre lang CDU-Mitglied und ist ziemlich konservativ. Doch es ist vielleicht kein Zufall, dass ebenfalls gerade heute Dagmar Metzger als Pressesprecherin und kooptiertes Bundesvorstandsmitglied zurückgetreten ist (siehe “Nach Rücktritt: Bundesvorstand der AfD dankt Dagmar Metzger”). Damit ist die liberale Richtung im Bundesvorstand kaum noch vertreten, während sie auch auf der Europawahlliste nur durch Hans-Olaf Henkel deutlich wahrnehmbar ist.

Rechte AfD-Mitglieder frohlocken sowohl über den Rücktritt als auch das Interview. Doch beides könnte sich noch als Phyrrussieg für sie erweisen, denn die Titelfrage ist ganz ernst gemeint. So antwortet Bernd Lucke auf die Frage “Soll Deutschland trotzdem im Euro bleiben?” mit “Ja, aber wir sollten aufhören, die Südländer zu finanzieren.” Deshalb bin zumindest ich nicht in der AfD, sondern weil ich gegen diesen Euro bin und die Wiedereinführung der DM kein Tabu sein darf, wie es im Bundestagswahlprogramm stand. Wenn die ganze AfD demnächst auch grundsätzlich für den Euro sein sollte und nur noch Details der Eurorettungspolitik kritisiert, ist sie nicht besser als die FDP oder die Freien Wähler. Für mich als Liberalen ist sie dann sogar schlechter, weil sie in anderen Politikfeldern weniger liberal ist. Auch innerparteilich droht sie, weniger demokratisch und rechtsstaatlich zu werden als andere Parteien (siehe ‘Detailkritik am Satzungsentwurf’).

Gehören dann liberale Euro-Kritiker wie Dagmar Metzger und ich noch in die AfD? Noch gibt es die Chance, dass die AfD ihrem ursprünglichen Kurs treu bleibt, also ernsthaft den Euro kritisiert und integrativ sowohl konservative als auch liberale Wähler und Mitglieder anspricht. Dazu müssen in Erfurt erstens der undemokratische Satzungsentwurf abgelehnt, zweitens das Europawahlprogramm vernünftig beschlossen (siehe ‘Umfrage zu den Europawahlthesen’) und drittens die Nachwahlen dazu genutzt werden, auch liberale Positionen im Bundesvorstand angemessen zu repräsentieren. Sollte sich hingegen die AfD zu einer autoritären rechten Partei, die den Euro für Deutschland befürwortet, entwickeln, wird sie nicht nur ihre liberalen Mitglieder verlieren, sondern auch das Potential von vielen Millionen Wählern, die ihre gemäßigt konservativen und liberalen Positionen durch CDU und FDP nicht mehr vertreten sehen und in dem Fall leider auch nicht von der AfD.

Beitrag erschien auch auf: alexanderdilger.wordpress.com

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Stellmacherei

Klar, Lucke will, wie er selbst im letzten Jahr geschrieben hatte, das Erbe von Kohl und Genscher verwalten. Und dieses Erbe heißt nun einmal totalitäre Demokratie = EUdSSR!
Für Liberale und auch für Konservative ist ein Lucke unwählbar!
Leider haben gerade Liberale keine Alternative, die sie wählen könnten; denn der NRW-Lindner ist ein lupenreiner Etatist, und damit das Gegenteil von liberal; seine sozialdemokratistische FDP ist gar nicht wählbar!

Gravatar: netseal

Ein Haufen Dilettanten!

Gravatar: Melzer

Ist ist schon auffällig , dass die fundamentale AfD-Forderung
zur Abschaffung des Euro nicht mehr im Parteiprogramm vorhanden ist.
Damit ist diese Partei für viel nicht mehr wählbar.

Gravatar: Michael Limburg

Ich stimme Ihnen völlig zu lieber Herr Dilger. Sollte sich die AfD zu einer Pro-Euro Partei mit einem "Ja aber" entwickeln, braucht sie keiner mehr. Das machen die anderen besser. Dasselbe gilt für die liberale Ausrichtung. Aber noch ist nicht aller Tage Abend.

Gravatar: Paul

Zuviel Liberalala schadet der AfD.

Gravatar: FDominicus

Jeder "Liberale" in der AfD muß sich verlaufen haben. Punkt. Die AfD ist nicht liberal, war es nie und wird es nie werden.

Gravatar: Hofmann,M

Was ist denn für einen Liberalen liberal????!
Ein Liberaler steht doch für Kompromisse und ausgewogene Lösungen. Man kann doch die EURO-Politik kritisieren und einige Lösungsvorschläge vorbringen ohne gleich ALLES abzuschaffen.
Und es ist ja nicht der EURO an sich, der als Währung kritisiert wird und am Pranger steht, sondern die verfehlte politische Entscheidung, den Maastrich Vertrag aufzukündigen und einen ESM einzuführen.
Die AfD ist meiner Meinung nach mehr Liberaler als manchen Liberalen lieb ist.

Gravatar: Waldgänger aus Schwaben

Also Herr Prof. Dr. Dilger,
wenn Deutschland nicht mehr die Südländer finanziert, d.h. nicht mehr für ESM / EZB-Kredite an diese haftet, dann ist dies das Ende des Euros. Die Südländer werden dann nur die Wahl haben zwischen Staatsbankrott oder Euro-Ausstieg mit begleitenden Hilfen.

Es mag ja sein, dass dann Deutschland am Ende noch mit Holland, Österreich, den Benelux-Staaten und ein paar anderen soliden Staaten eine gemeinsame Währung hat, diese ist dann aber nicht mehr der Euro, auch wenn sie sie so heissen mag.

Gravatar: Kitsch

Die AfD ist durch und durch etatistisch, genau wie der Lucke, also überhaupt nicht liberal.

“Ein Liberaler steht doch für Kompromisse und ausgewogene Lösungen.“ – Tatsächlich? Dann ist ein Liberaler, nach dem 12. Komporomiss mit einem etatistisch-sozialisitsch-faschistisch-kommunistischem Menschheits- und Freiheitsverächter auch zu einem solchen Ungeheuer mutiert!

Gravatar: Melanie

So verstehe ich das auch. Diesen "Nordeuro" hat die AfD doch nie ausgeschlossen.

Gravatar: FDominicus

Kitsch bringt es sehr auf den Punkt:
"“Ein Liberaler steht doch für Kompromisse und ausgewogene Lösungen.“ –"

Wenn das der Kern von liberal sein sollte, dann möchte ich in meinem Leben nie mehr als Liberaler betitelt werden.

Liberal bedeutete für den Einzelnen einzutreten und EBEN nicht jeden (Nicht)Kompromiss zu tragen. Liberal zu sein bedeutet, dafür zu stehen, daß Einzelne für Ihr Leben Entscheidungen treffen und nicht durch staatliche Stellen getroffen werden.

Selbst auf Wikipedia wird liberal nicht in dem oben angeführten Weg benutzt. Die AfD ist durch und durch etatistisch und wächst sich zu einer weiteren Systempartei aus. Ich werde die AfD vorraussichtlich niemals wählen und ganz bestimmt nicht am 25 Mai.

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