Frauenkirchenforum: Was will das Volk ?

In der Frauenkirche wurde die Frage diskutiert, was das Volk will. Der Ablauf der Veranstaltung war angesichts der Besetzung des Podiums vorhersehbar. Selbstverständlich wurde die „besondere Geschichte“ Deutschlands bemüht. Einig war sich die Runde, dass plebiszitäre Formen der Demokratie „gestärkt“ werden müssten.

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In Dresden wird derzeit viel diskutiert. Die Gründe dafür sind weltweit bekannt. So kam es ganz gut zupass, dass auch die Frauenkirchenstiftung ein ständiges Diskussionsforum unterhält, das jetzt auf aktuelle Ereignisse eingehen kann. Unter der Frage „Was will das Volk“ diskutierten hier am Dienstagabend Bundesinnenminister Thomas de Maiziere, Landesbischof Jochen Bohl, Professor Hans Vorländer und Bascha Mika, die Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau. Die erlauchte Runde wurde moderiert von Alexandra Gerlach, die zusammen mit ihrem Mann, Prinz zur Lippe, nahe Meißen das Weingut Schloß Proschwitz betreibt. Die Veranstaltung war zweigeteilt. Im knapp einstündigen ersten Teil diskutierten nur die Podiumsgäste untereinander. Dieser Teil wurde auch für den MDR-Hörfunk aufgezeichnet. Erst im zweiten Teil durfte dann das Volk zu der Fragestellung was es will, das dargebotene Mikrofon ergreifen. Bei diesem Aufbau war relativ vorhersehbar, was kommt. Politiker de Maiziere und Journalistin Mika trösteten sich gegenseitig, dass sie missverstanden und als untätig wahrgenommen würden, während die armen Journalisten als Lügenpresse geschmäht würden. Doch die traute Zweisamkeit währte nur kurz. In der Asyldebatte war selbst das Podium gespalten. De Maiziere kündigte Gesetzesänderungen an, die wohl im Frühsommer greifen werden.

Im Gegenzug zu einer Wahlpflicht, die später ein Zuhörer in der offenen Debatte forderte, hätte man lieber für eine Schweigepflicht von Journalisten ohne Sachkenntnis plädieren sollen. Die ehemalige Chefredakteurin der Taz konnte wohl nicht raus aus ihrer Haut und stellte den Dresdner Pegidaanhängern wieder eine Ferndiagnose, deren Gehalt inzwischen selbst bei Pegidagegnern als obsolet gilt. So kam es, dass selbst in der gediegenen Atmosphäre des 2005 neu errichteten Gotteshauses Murren laut wurde als Mika sagte, in Dresden werde gegen Menschen demonstriert, „die eine andere Hautfarbe hätten und eine andere Sprache sprächen“. Auch solle Deutschland nicht unterscheiden zwischen tatsächlichen Asylsuchenden und Wirtschaftsflüchtlingen. Denn es sei legitim, dass Menschen in diesem „überaus reichen Land“ ein besseres Leben suchten. Wir sollten das akzeptieren und hätten dazu auch eine Pflicht. Und dann kam, was in diesem Zusammenhang nie fehlen darf: „Aufgrund unserer besonderen Geschichte“. Kann es Zufall sein, dass die Zeitung, der Mika jetzt publizistisch vorsteht, schon pleite war und nur durch ein Konstrukt mit der Stiftung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Leben gehalten wird? In diesem reichen Land? Auch Hans Vorländer, der auf dem Podium saß, hat sich bereits an Pegida herangewagt. Streng wissenschaftlich, wie suggeriert wird. Diese Studie wird derzeit gern durch die Medien gereicht. Allerdings wird immer klein dazugesetzt, dass nur 123 Personen daran teilgenommen haben. Jeder, der sich ansatzweise mal mit statistischen Erhebungsmethoden beschäftigt hat, wird feststellen, dass diese Studie den Aussagewert einer typischen, kurzen Straßenumfrage hat wie sie Radioleute zu allen möglichen Sachen gern machen. Immerhin kam heraus, dass die Pegidagänger im Durchschnitt gut verdienen, gut ausgebildet sind und eine ganze Menge an Problemen zu Pegida schleppen. Dass sich eine tiefgreifende Rechtsradikalität der Protestanten nicht aus Vorländers Studie herauslesen lässt, wird vor allem von Kritikern moniert, die Pegida lieber optisch beurteilen. Interessant wäre, ob es diese Kritik auch gäbe, wenn Vorländer jene rechtsradikalen Einstellungen bei seinen 123 Befragten herausdestilliert hätte. Einig war sich die Runde, dass plebiszitäre Formen der Demokratie „gestärkt“ werden müssten. Auch eine der Pegida-Forderungen. Aber die Frage, ob Asylbewerber aufgenommen werden sollen „dann doch wohl nicht“, wie de Maiziere mit Betonung und ruckartig nach vorn geworfenem Oberkörper in Richtung Vorländer festhielt. Will heißen: Volksentscheide ja, aber nur bei belanglosen Sachen.

In der Fragerunde mit Volksbeteiligung wurde es dann zunächst sehr emotional. Eine Frau, die sich aus Kanada stammend bezeichnete, beklagte die Ablehnung von Fremden in Dresden generell. Das sei schon lange vor Pegida so gewesen. Man wolle hier unter sich bleiben. Deshalb werde sie die Stadt verlassen, obwohl sie Dresden liebe. Eine Aussage, die betroffen mache, sehr sogar, wie Moderatorin Gerlach sagte. Dabei ließ die Klagende aber offen wie sich diese Fremdenfeindlichkeit konkret zeige, da man ihr das Fremdsein nicht ansieht. Landesbischof Bohl verkörperte die Rolle der Kirche in der gegenwärtigen Situation ungewollt genau. Ja, Kirche sollte, müsste, könnte, antwortete er schlapp auf die Frage eines Bürgers, ob es nicht an dieser Institution sei, hier stärker moderierend einzugreifen. Aber wie wird man Moderator, wenn man in Dresden und Leipzig auf der Seite der Regierung bei Gegendemonstrationen steht? Mit tobenden, schwarz vermummten Massen vor sich? Einig war er sich mit de Maiziere, dass es unerträglich sei, wenn Pegidademonstrierer beleuchtete oder mit den deutschen Nationalfarben bemalte Kreuze hochhielten. Das erinnere an den Ku-Klux-Klan. Bohl, der von sich behauptete bei Pegida mitgelaufen zu sein, um sich ein Bild zu machen, konstatierte eine „wachsende Aggressivität“. Bei diesen Worten wurde es im Publikum laut. „Von welcher Seite?“, wurde gerufen und die Unruhe wollte nicht verebben. Da war es gut, dass Moderatorin Gerlach das rettende Ufer fast erreicht hatte und das Volk nach einer letzten Frage nach Hause verabschiedete. Wegen der fortgeschrittenen Zeit.

Zuerst erschienen auf castorfiberalbicus.wordpress.com

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Karin Weber

Politische Klasse, Kirche, Gewerkschaften und Linksterroristen stehen als Block dem mündigen Bürger/Wähler mit diametralen Interessen gegenüber. Aus dem Grund muss man auch diese Veranstaltung der Frauenkirche als Lobbyarbeit und Propaganda bezeichnen.

Man informiere sich mal unter dem Begriff "Asyl-Barone" bei Kopp über die Hintergründe und Interessen der Migrationsindustrie. Von denen werden solche linken Chaoten als Garanten für dicke Auftragsbücher und Gewinne genutzt. Die Migrationsindustrie ist ein sicherer Wirtschaftszweig, der ausschließlich aus Steuergeldern finanziert wird. Darüber sollte man einmal öffentlich diskutieren und die entsprechenden Zahlen offenlegen. Gegen eine sachliche Diskussion habe ich überhaupt nichts und der Bürger sollte zweifelsfrei diese Zahlen kennen. Er finanziert das Ganze nämlich.

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