Erklärung der relativ geringen Inflation

Die FAZ fragt: „Wo bleibt die Inflation?“ Die Konjunktur zieht an und die Notenbanken pumpen weiter Geld in die Märkte (wenngleich die Fed inzwischen weniger stark als die EZB). Eigentlich sollte beides, insbesondere in Kombination, zu mehr Inflation führen, die aber zumindest bei den Verbraucherpreisen immer noch unter dem offiziellen Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent liegt, welches die EZB für Preisstabilität hält, was wiederum die lockere Geldpolitik bis hin zur monetären Staatsfinanzierung rechtfertigen soll. Angeblich können die Wirtschaftswissenschaftler das nicht erklären, was ich bezweifle.

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Ich bin zwar kein Makroökonom, aber die Erklärung, warum die Inflation bislang nicht stärker anzieht, ist doch relativ einfach, wenn man keine ganz simplen deterministischen Zusammenhänge unterstellt, wonach Inflation und Wirtschaftswachstum immer zusammen aufträten oder jede Erhöhung der Zentralbankgeldmenge sofort preiswirksam würde. Letzteres ist schon deshalb nicht (mehr) der Fall, weil die relevante Geldmenge nicht nur aus Zentralbankgeld (M0) besteht, sondern auch von Geschäftsbanken geschöpftem Geld (M1 bis M3). Was die EZB als Zentralbank an zusätzlichem Geld schafft, sammelt sie als Bankenregulierer wieder ein. Günstigstenfalls wird das Bankensystem dadurch sicherer, wahrscheinlicher ist eine Verschlechterung der EZB-Bilanz, doch ein inflationärer Impuls ergibt sich dadurch nicht.

Auch Inflation und Wirtschaftswachstum sind keineswegs notwendig miteinander verknüpft. Am ehesten ist Inflation bei einem konjunkturellen Aufschwung zu erwarten, bei dem bestehende Kapazitäten überausgelastet werden. Insbesondere wenn die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt das Angebot an Arbeitskräften übersteigt, sollten erst die Löhne und dann die Preise steigen, weil höhere Löhne sowohl die Arbeitskosten als auch die Konsumgüternachfrage steigern. Aber die Wirtschaft kann auch anders wachsen, z. B. durch Produkt- und Prozessinnovationen. Bei steigender Produktivität können die Lohnstückkosten und Preise sogar fallen, selbst wenn die Löhne steigen. Hinzu kommt die Globalisierung mit der immer noch nicht abgeschlossenen Integration von Milliarden Arbeitskräften in den Weltmarkt, deren Qualifikation zunimmt. Dabei lassen sich auf dem Weltmarkt Größenvorteile nutzen, ohne dass der Wettbewerbsdruck gleich abnimmt.

Im Grunde sind die realwirtschaftlichen Umstände günstig. Die größten Sorgen bereiten neben der allgemeinen Politik die Zentralbanken, die vielleicht wirklich nicht mehr wissen, was sie da eigentlich weshalb tun. Die Inflationsrate für Verbraucherpreise erscheint jedenfalls nicht zu niedrig, Deflationsgefahren bestehen kaum noch, für Vermögensgüter ist hingegen die Inflation gerade wegen der Notenbankpolitik gefährlich hoch. Die Rettung des Euro ist schließlich kein sinnvolles Ziel und auch nicht vom Mandat der EZB gedeckt.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Karl Napp

Nachdem meine Großeltern in der Inflation nach dem 1. Weltkrieg sehr viel verloren und gelitten haben und meine Eltern mit uns Kindern in der 2. Inflation nach dem 2. Weltkrieg, frage ich mich, wie man sich als denkender Mensch Inflation wünschen kann, und seien es auch "nur" 2%! Inflation nützt immer nur den Besitzenden, nie den Arbeitnehmern. Den Arbeitnehmern nützen sinkende oder zumindest gleichbleibende Preise, nicht steigende. Was faseln da Draghi und Kollegen eigentlich herum?

Gravatar: die Vernunft

Das neugeschaffene Luftgeld landet ausnahmslos bei den Zockern und Spekulanten. Alles, was vom größeren Wert ist, wird gekauft. Für den kleinen Mann und ehrlich wirtschaftende solide Firmen werden Investitionen immer teurer.

Reiche Griechen haben bei der Euroumstellung ein Vermögen gemacht, auf Kosten der deutschen Steuerzahler und Sparer. Eine beispiellose Aufwertung aus dem Nichts! Jetzt investieren diese Griechen, dieses Geld, das eigentlich unserem Volk gehört, in deutsche Immobilien! ...

Eigentlich gehört dieses Geld wieder umgebucht und enteignet, sowie Deutschland oder Griechenland vom Euro ausgeschlossen! Diese Rettungen auf unsere Kosten müssen aufhören, der Umtauschkurs war sowieso zu hoch!
Unsere Kanzlerin ist leider nur Meister im Verschenken/ Ausgeben unseres (noch nicht verdienten) Geldes!

Gravatar: Hand Meier

Ich halte die absichtliche Verquickung von Währungspolitik des Euro mit der Haushaltspolitik der EU-Länder für völlig falsch.
Die DM war durch die Währungspolitik der deutschen Bundesbank, stets eine stabile Währung, weil man die Beobachtung der Wirtschaftszahlen, in monatlichen Heften der Bundesbak mit den statistischen Zahlen und Veränderungen, als volkswirtschaftliche Gesamtrechnung betrieb.
Wobei die Geldmenge in verschiedenen Kategorien, stets im realen Verhältnis zu den Bereichen des Sozialproduktes in der Erzeugung, der Entlohnung der Faktoren Kapital, Boden und Arbeit, bzw. im Volkseinkommen, zu sehen war.
Stark vereinfacht, wurden x Millarden DM an Bargeld, zwölf mal für Löhne, Gehälter, Pachten und Zinsen, im Jahr gebraucht.
Oder mit diesem Bargeld an DM wurde monatlich eingekauft und wenn die Nachfrage stieg wurden die Waren und Güter oder Dienste teuerer, bzw. war das Geld weniger wert, wir hatten dann Inflation, aber wer sich Geld lieh musste Zinsen dafür bezahlen und darauf nahm die Bundesbank Einfluß, in dem sie den leihenden Geschäftsbanken einen Grund-Zins in Rechnung stellte, um die Balance zwischen der Währung DM und der wirtschaftlichen Realität Deutschlands auszutarrieren.
Und an dieser Schnittstelle stimmt beim Euro nichts mehr. Der Verleih des Euro wird durch die EZB zur Finanzierung von staatlihen Konsumhaushalten betrieben, es findet keine Balance zwischen Währungsgeld was im Umlauf ist und einem Bruttosozialprodukt der EU statt, weil die EZB Euros aus dem Hut zaubert, für die noch gar keine Werte je in Sicht kommen werden, und sie hat diese ungedeckten Target-Salden nicht in der EZB-Bilanz, sondern kurioser Weise in die Bilanz der Deutschen-Zentral-Bank verschoben, wo sie mit fast einer Billion gegenüber der Summe sämtlicher deutscher Sparer stehen und im Krisenfall „glattgezogen“ wird, was einer Enteignung deutscher Sparervermögen gleichkommt.
Mario Draghis Währungspolitik besteht darin, Geld in Umlauf zu setzen, was in Krediten von Geschäftsbanken zu wirtschaftlichen Aktivitäten führt, wobei die Tilgung dieser Kredite, bei Null-Zinsen wohl auch nicht ernsthaft beabsichtigt ist, sondern die Amtszeit unfallfrei zu überstehen, man kauft sich so Zeit, bläst den ungedeckten Euro immer weiter auf und gewöhnt sich daran in kippeligen Zeiten eine fiese Währung zu haben und noch fiesere Politiker, denen alles am Gesäß vorbei geht, wobei dann die Mainstream-Medien auch noch de-sinformieren.

Gravatar: PeWi

Das Angebot ist größer als die Nachfrage. Das beeinflusst auch die Inflation. Es wird zwar immer davon gefaselt, dass die Löhne steigen, aber eben nicht sehr und die winzigen Lohnerhöhungen werden durch steigende Gebühren u.ä. aufgefressen. Die Unternehmen wollen aber ihre Produkte absetzen und haben deshalb preislich nicht so einen riesigen Spielraum. Letztendlich befinden wir uns in einer Phase der Stagnation.

Gravatar: R o d a g o n

@ Karl Napp
Ich übereinstimme.

Bei der amtlichen Ermittlung der Preissteigerung wird ein sog. Warenkorb zu Grunde gelegt. In diesem befindet sich immer auch Elektronik aller Art, die durch ihre andauernde Verbilligung den Querschnitt verfälscht.

Neben den Mieten sollten insbesondere die Grundnahrungsmittel im Fokus stehen; gibt es dafür eine Tabelle?

Gravatar: Björn Klein

Eigentlich ist es ganz einfach. Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe dafür, dass die Inflation noch nicht so spürbar steigt. Erstens: Der bei Weitem grösste Teil der Geldschöpfung geschieht nicht bei der Zentralbank, sondern bei den Geschäftsbanken dadurch, dass sie Kredite vergeben. Die Zentralbank hat trotz der grenzenlosen Gelddruckerei nur sehr begrenzten Einfluss auf die effektive Geldmenge. Zweitens: Die offizielle Inflationsstatistik ist gefälscht ohne Ende. Das nennt man "hedonistische Methoden", die die offizielle Inflationsrate drücken.
Fazit: Durch die Geldvermehrung werden die Menschen immer mehr enteignet, die Hyperinflation ist aber noch nicht da. Der entscheidende Punkt ist der, dass die Menschen merken, wie sie enteignet werden und dann massenhaft in Sachwerte gehen. Wenn die Masse einen Ausweg aus dieser Enteignung sucht und das offizielle Geld in Sachwerte umtauscht, dann beginnt die Hyperinflation.

Gravatar: Ede Wachsam

Warum, wer, wie, und wie lange schon am Geld herumdreht, hat nur einen einzigen Grund, nämlich die Masse der Menschen arm zu machen, zu enteignen und wenn die ihre Verbindlichkeiten nicht mehr zahlen können, sei es Miete, Bekleidung, Essen oder Transport etc. dann kommt vielleicht die geniale Lösung eines Supermannes, so eine Art Längsstrich* (engl. Macron) mit einem bedingungslosen Einheitseinkommen unter der einzigen „doch Bedingung“, dass man sich registrieren lassen muss, mit dem Nümmerchen am rechten Patschhändchen oder an der Stirn, zur totalen Kontrolle durch den diktatorischen EU Schweinestaat.
Angefangen hat das zwar schon viel früher, aber der Paukenschlag zum letzten Akt war die Einführung des Eurofalschgeldes, wo schon nach kurzer Zeit dessen Wert zumindest hier bei uns um 50 % gefallen war. D.h. durch die rasanten Preisangleichungen, die 1:0,5 Wertumstellung wäre genauer, von DM in Euro, war die Kaufkraft nur noch die Hälfte der DM wert, denn auch Löhne, Gehälter und Renten wurden ja halbiert. Der Rest mit den europaweiten Manipulationen durch den Drachen in der EZB, welcher dort Dinge tut, die er gar nicht tun dürfte, wächst die Gefahr des plötzlichen Total-Chrashs der Finanzen bereits ins Uferlose und dies stündlich. Da der Euro ja nur luftgeneriertes Papier, ohne jede Deckung-, also im Grunde Falschgeld ist, wird dies einfach zu einem Stichtag so wertlos sein wie eine alte Zeitung. Und wer diesem EU Schweinestaat immer noch das Wort redet und gar die USE haben will, dem ist nicht mehr zu helfen, denn nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.
*Längsstriche sind z.B. die senkrechten EAN Striche auf den Waren, Macron aber bedeutet aus dem Englischen übersetzt "Längsstrich" Wie steht noch in Offenbarung 13,16-18
16 Und es (das [hohe] Tier) macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn
17 und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.
18 Hier ist Weisheit! (nötig) Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig (666)

Gravatar: Hans von Atzigen

Die Inflation läuft schon lange, nur eben das schnallen die wenigsten. Der nicht ausschalbare Grundmechanismus, der sich aus einer übermässigen Geldmengenausweitung unabwendbar ergibt ,hat sich längst neue ,,Ventile,, gesucht. Das muss sich NICHT zwingend an der Suppermarktkasse bemerkbar machen.
Hier einige Faktoren die hier wirken.
Null Zins an sich ist schon ein Inflationsfaktor= der Realwert / Kaufkraft des Geldes / Kapitals sinkt, resp. Zins ist nicht mehr oder nur noch bedingt realwirtschftlich erwirtschaftbar. Mehr als die vermeidung roter Zahlen in den Bilanzen bewirkt die horrende Geldschöpfung NICHT mehr. Wenn da von Wachstum schwadroniert wird, ist das schlicht ein Witz, das ergibt sich aus der horrenden Geldmengenausweitung. Ein weiteres Inflationselement findet sich in den explodierenden Immobilienpreisen, die immer weniger mit den durchschnittlichen Einkommen bezahlbar sind, die Ursache stagnierende oder sinkende Realeinkommen.
Warum läuft bis auf weiteres der ganze Murks NOCH?
Da sind zum einen Rationalisierungseffekte, die, die
Konsumpreise nominell stabil halten. Dann eine Nebenerscheinung der sog. Globalisierung sehr viele
Konsumgüter kommen aus dem Asiatischen Raum vorrangig aus China.Hier wirken die Nominell tieferen Löhne und zunehmend die hoch automatisierte Produktion.
Die Zusammenhänge sind deutlich komplexer und vielschichtiger als die Meisten auch nur erahnen.
Einen auch nur annähernd brauchbaren Überblick, kann und hat inzischen schlicht KEINER, irgendwie läuft das noch, fragt sich bloss wie lange noch, denn die Kernfaktoren laufen längst aus dem Ruder.
Die EZB sollte da NICHT zuviel von Inflation an der Suppermarktkasse träumen und anstreben.
Das ist eine Lehrmeinung ein Mechanismus Erfahrungswert aus der Vergangenheit, der mit der innzischen horrend ausgeweiteten Geldmenge so wie vormals nicht mehr funktioniert.
Eine Frage der Zeit dann wird sich der Wunsch der EZB
sehr wahrscheinlich erfüllen, nur eben damit wird dann das Finale eingeleitet, angekündigt, der Finale Zusammenbruch der Wirtschaft, mit einer explodierenden Inflation.
Letztlich entscheidet sich ALLES an den Realwirtschaftsdaten, Brutorealergebnis zu Brutorealkonsum. Über das Medium Geld kann man sehr vieles anstellen jedoch nie und nimmer Wohlstand erzeugen. Geld ist ein Hilfsmittel das man sinnvoll einsetzen kann oder, mann kann es missbrauchen.
Leider läuft der missbrauch schon lage, und zunehmend verheerender wirkend, bis zum finalen Kollaps.
Freundliche Grüsse

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