Entwicklung steigert Migration aus armen Ländern

Zufällig habe ich heute einen wissenschaftlichen Beleg („Does Development Reduce Migration?“) für meine hier schon häufiger zumindest in den Kommentaren vertretene These gefunden, dass die Bekämpfung absoluter Armut gar nicht gegen Massenmigration hilft, wie unsere Politiker mit der Bundeskanzlerin an der Spitze behaupten.

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Das Hauptergebnis lautet:

The most basic economic theory suggests that rising incomes in developing countries will deter emigration from those countries, an idea that captivates policymakers in international aid and trade diplomacy.

A lengthy research literature and recent data suggest something quite different: that over the course of a “mobility transition”, emigration generally rises with economic development—at least until countries reach upper-middle income level, like Algeria or El Salvador. Only thereafter, as countries become even richer, do emigration rates typically fall.

Die Emigration ist seit Jahrzehnten am größten bei einem Bruttosozialprodukt von ca. 5.000 bis 7.000 US-Dollar (real nach Kaufkraftparitäten in US-Preisen von 2005) pro Kopf (siehe auch „Think Development in Poor Countries Will Reduce Migration? The Numbers Say Otherwise“). Darüber führt steigender Wohlstand zu weniger Auswanderern, darunter jedoch zu mehr, weil sich die Ärmsten der Armen internationale oder gar transkontinentale Migration kaum vorstellen oder gar leisten können.

Daraus folgt natürlich nicht, dass die Menschen insbesondere in Afrika nicht der Armut entkommen sollten (wobei klassische Entwicklungshilfe ihnen jedoch kaum hilft oder sogar schadet). Doch ein Mittel gegen Migration ist das erst einmal nicht, sondern im Gegenteil ein Verstärker derselben. Ähnliches könnte für „humanitäre Kampfeinsätze“ gelten, die Fluchtursachen beseitigen sollen, in der Realität aber häufig zu mehr Flüchtlingen führen.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: karlheinz gampe

Logisch, denn wer reisen will braucht Geld ! Geld für Transportmittel, Unterkunft, Verpflegung, ortskundige Schlepper, Schmartphone usw. Die deutschen Hartzer können sich keinen Urlaub in Afrika leisten, die Migranten schon ! Die machen oft zwischendurch einmal Heimaturlaub.

Gravatar: Dirk S

Der Autor hat sich lobenswerter Weise Mühe gemacht, aber er operiert mit Zahlen bis zum Jahr 2000. Es stellt sich also die Frage, in wieweit die Ergebnisse auf unsere heutige Situation übertragbar ist.
Auffällig ist schon, dass es quasi einen Berg bei einem bestimmten BIP-Bereich gibt und dass der für die Dekaden weiter zugenommen hat. Und er kritisiert zurecht, dass die Gleichung "steigender Wohlstand = weniger Migration" zu einfach ist. Das mag zwar politikergeignet sein, muss aber nicht die ganze Realität abbilden.

Was ich aber vermisse ist die Betrachtung des Bevölkerungswachstums, der wirtschaftlich-sozialen-politischen Entwicklung, Dürren bzw. Missernten und folglich der persönlichen Zukunftsaussichten, der Bildung und der Migrationsziele. Ich sehe da keine Drittvariablenanalyse.
Wobei ich die von mir genannten Faktoren als durchaus einflussreich vermuten würde. Waren sie schließlich in verschiedenen Teilkombinationen auch schon bei der europäischen Auswanderung.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass in einem bestimmten Bereich der finanziellen Möglichkeiten die Migration von Abwanderungswilligen zunimmt. Nur werden die Leute auch ohne hinreichende finanziellen Mittel bereits Abwanderungswillig gewesen sein. Dass der Abwanderungswille ab einem bestimmten Wohlstand abnimmt ist einleuchtend, denn dann haben die Menschen eine persönliche Zukunftsperspektive vor Ort.

Folglich ist der Ansatz des Artikels gut, die Erkenntnis nicht völlig überraschend und zeigt, dass man mit einfachen Formeln bei Politikern ankommt, aber die Realität nur unzureichend beschreibt. Eines kann man aber schon aus den Zahlen ableiten: Um die Migration zu minimieren muss man die Zukunftsaussichten Migrationswilliger verbessern. Und da muss man einen bestimmten Wohlstandsbereich schnell durchfahren, damit möglichst viele ihre Zukunft in ihrem Herkunftsland sehen. Da gilt es zusätzlich anzusetzen.

Sollte sogar dem einen oder anderen Politiker einleuchten.

Zitat:"Daraus folgt natürlich nicht, dass die Menschen insbesondere in Afrika nicht der Armut entkommen sollten"

Armut ist nur ein Teilproblem. Die Leute brauchen Zukunftsaussichten. Und damit sieht es in Afrika meist mau aus. Gerade in den armen Staaten.

Zitat:"wobei klassische Entwicklungshilfe ihnen jedoch kaum hilft oder sogar schadet"

Klassische Entwicklungshilfe hilft vor allem den "Helfern". Was anderes soll die auch gar nicht. Sonst wäre sie anders, denn der zweifelhafte Nutzen ist spätestens seit den 1990er Jahren bekannt.

Zitat:"Doch ein Mittel gegen Migration ist das erst einmal nicht, sondern im Gegenteil ein Verstärker derselben."

Es geht darum, den Menschen vor Ort Zukunftsperspektiven zu bieten. Viel Migration findet genau aus dem Grund statt.

Da hilft ein Blick in die eigenen Geschichte: Wann sind Europäer aus ihrer Heimat gezogen? Wenn es keine persönlichen Zukunftsaussichten vor Ort gab, egal ob nun durch zu kleine Felder, Missernten, Überbevölkerung, Kriege bzw. deren Folgen, relgiöse Konflikte etc. Unsere eigene Geschichte lehrt uns, was zu tun ist. Perspektiven schaffen. Für alle.

Zitat:"Ähnliches könnte für „humanitäre Kampfeinsätze“ gelten, die Fluchtursachen beseitigen sollen, in der Realität aber häufig zu mehr Flüchtlingen führen."

Nicht vergleichbar, denn die eigentliche Fluchtursache, also der Krieg ist ja üblicherweise bereits am laufen, bevor ein humantärer Einsatz stattfindet. Der soll eigentlich ja eher einen Frieden absichern, bzw. Kriegsparteien davon abhalten, Zivilisten zu massakrieren. Kriegsflüchtlinge würde ich extra betrachten, da deren Migartionsgrund ein völlig anderer als bei anderen Migranten ist. Eigentlich kommen wir wieder bei der Unterscheidung nach Flüchtlingen, Asylanten und klassischen Arbeitsmigranten an. Und der Artikel dürfte sich in erster Linie auf Arbeitsmigration beziehen.
Ergebnisse von dort lassen sich nicht einfach auf Asylanten oder Kriegsflüchtlinge übertragen. Deren Migrationsgrund ist ganz einfach eine akute Lebensgefahr. Ein Mangel an persönlicher Zukunftsperspektive ist erst einmal nicht deren Hauptproblem, denn wenn die umgelegt (oder im Geheimknast eingeknastet) werden, erledigt sich das mit deren Zukunft von alleine.

Migrationsfreie Grüße,

Dirk S

Gravatar: Duffy

@Dirk S: traurig, aber Fakt: nach einer verheerenden Katastrophe ist wieder viel Platz im Land - und jede Menge Perspektive für die, welche übrig geblieben sind.
Erinnern wir uns an die apokalyptischen Reiter: Krieg, Seuchen, Hungersnot und ihrer aller Chef, der Tod. In regelmäßigen Abständen haben sie Europa heimgesucht; wir ("der weiße Mann") haben immer wieder versucht, Hungersnöte zu verhindern durch Ertrags-Steigerung in der Landwirtschaft; Seuchen zu bekämpfen durch Impfkampagnen und Erziehung zu mehr Hygiene; Kriege zu vermeiden durch Völkerverständigung und mehr Kooperation.
Letztlich haben wir nur dafür gesorgt, daß mehr Menschen auf Mutter Erde umhertrampeln als je zuvor und ich höre schon wieder ungeduldiges Hufescharren. Egal ob Islam-Keule oder Globalisten-Utopie: es ist ein Naturgesetz, daß Überpopulation zum Zusammenbruch führt, da bilden wir Menschen keine Ausnahme.

Gravatar: Thomas Waibel

Die Reduzierung der Armut und der Bevölkerung wird nicht die Massenmigration verhindern.
Dagegen gibt es nur ein effektives Mittel: die totale Schließung der Grenzen für Scheinasylanten.

Gravatar: H.M.

Entwicklungshilfe an sich ist gut und richtig – vorausgesetzt, dass sie gezielt und intelligent eingesetzt wird, also zu positiven Ergebnissen führt. Anstatt Geld massig zu versenken, das in der Korruption verschwindet, oder die Eigeninitiative der Menschen zu betäuben, sollte man evaluieren, was wirklich funktioniert und was nicht. Und die funktionierenden Maßnahmen weiterführen. Statt großspurig vom „Fluchtursachen bekämpfen“ zu sprechen sollte man etwas kleiner auftreten und sagen, dass man einen Beitrag zur Hilfe und Entwicklung leistet, nicht mehr und nicht weniger. Und dass dieser Beitrag ein Argument dafür ist, möglichst KEINE Migranten aufzunehmen, weil das weder wirtschaftlich, noch sozial, noch kulturell funktionieren wird. Denn die (moralische) Pflicht zur Solidarität wurde schon erfüllt, weswegen man keine Leute mehr aufnehmen muss, die tendenziell Probleme mit sich bringen. Es kann nicht Sinn der Sache sein, dass durch Entwicklungshilfe der Druck zur Auswanderung wächst, die wir dann neben der Entwicklungshilfe auch noch zu stemmen haben.

Gravatar: Dirk S

@ Duffy

Zitat:"nach einer verheerenden Katastrophe ist wieder viel Platz im Land - und jede Menge Perspektive für die, welche übrig geblieben sind."

Na ja, kommt auf die Bedingungen und die Katastrophe an.

Zitat:"In regelmäßigen Abständen haben sie Europa heimgesucht;"

In den meisten Fällen haben wir die selbst extra laut gerufen.

Zitat:"wir ("der weiße Mann") haben immer wieder versucht, Hungersnöte zu verhindern durch Ertrags-Steigerung in der Landwirtschaft; Seuchen zu bekämpfen durch Impfkampagnen und Erziehung zu mehr Hygiene;"

Eigentlich ist "weiß" eine Einstellung: Wenn sich das Ziel lohnt, dann gibt man nach einem Rückschlag nicht auf, sondern legt noch eine Schippe nach. Das ist das, wass den "Weißen Mann" weltweit so bestimmend gemacht hat. Nicht die Hautschattierung. (Wobei wir die überlegene Waffentechnik nicht vergessen wollen.)

Zitat:"Kriege zu vermeiden durch Völkerverständigung und mehr Kooperation."

Das ist allerdings recht neuen Datums. Ehren wir die Gefallenden aller Seiten mit Frieden und Freiheit in Europa.

Zitat:"Letztlich haben wir nur dafür gesorgt, daß mehr Menschen auf Mutter Erde umhertrampeln als je zuvor"

"Wir" eigentlich nicht, das waren die anderen. Die europäischen Völker haben sich in ihrer Geburtenrate angepasst an die heutige technisch-medizinische Leistungsfähigkeit. Andere Völker haben das nicht und das wächst zu einem Problem heran.

Zitat:"es ist ein Naturgesetz, daß Überpopulation zum Zusammenbruch führt, da bilden wir Menschen keine Ausnahme."

Was vielen nicht klar ist. Früher konnte dies noch durch Abwanderung ausgeglichen werden, was derzeit nicht mehr möglich ist, weder auf diesem Planeten, noch auf einem anderen. Die alten Lösungsstrategien funktionieren nicht mehr, neue müssen her.
Wobei, eigentlich nicht, es müssen nur die der Europäer von den anderen übernommen werden, dann würde man das Problem in den Griff bekommen. Nur, wie macht man Menschen klar, dass sie ihre Reproduktion reduzieren müssen, weil sie nicht mehr 10 Kinder zeugen müssen, damit 2 das Erwachsenenalter erreichen? Auf Vernunft kann man da nur hoffen, aber man sollte sich nicht darauf verlassen. Vielleicht helfen Bildung und steigender Wohlstand. Was zumindest in Europa ein Faktor war (was woanders nicht zwangsläufig den selben Effekt haben muss).
Auf jeden Fall sind solche Untersuchungen wie diese wichtig, um die einzelnden Faktoren besser zu verstehen. So kann man bessere Lösungsstrategien erarbeiten.

Lösungsorientierte Grüße,

Dirk S

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