Drei Gedanken zur Reformation

Heute ist der 500. Jahrestag der Reformation, da Martin Luther seine „95 Thesen“ am 31. Oktober 1517 veröffentlichte, auch wenn er sie wohl nicht wortwörtlich an die Kirchentür nagelte. Dazu möchte ich drei Gedanken formulieren:

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Erstens ist die Reformation kein so großartiges Ereignis, wie heute oft suggeriert wird. Die Kritik am Ablasshandel der katholischen Kirche, durch den u. a. der Bau vom Petersdom in Rom finanziert wurde, war sicherlich berechtigt. Aber die nachfolgende Kirchenspaltung war ein weitaus größere Übel, die zu etlichen grausamen Religionskriegen führte. Luther hat diese nicht gewollt, lieferte aber trotzdem den Anlass dazu. Die Trennung von Kirche und Staat wurde durch ihn und andere Protestanten abgeschwächt bis aufgehoben. Er war antisemitisch und islamfeindlich sowie ein Befürworter der Hexenverfolgung und Ermordung von behinderten Kindern.

Zweitens ist die Ansicht verfehlt, der Islam benötige eine Reformation (mit Luther als Vorbild). Der Islam befindet sich eher in einem reformierten Zustand ohne einheitliche Kirche und Papst, dafür mit direktem Bezug auf die ursprünglichen Schriften. Was der Islam hingegen braucht, sind Aufklärung, die Trennung von Kirche und Staat bzw. Religion und Politik sowie ein Westfälischer Friede.

Drittens würde eher die Europäische Union von einer Reformation profitieren, wie ich schon vor drei Jahren zum ‚Reformationstag‘ bemerkte. Eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ziele wäre sinnvoll und ein Ende des Ablasshandels in Form der Eurorettungspolitik. Wie bei der kirchlichen Reformation besteht jedoch die Gefahr, dass ein zu vehementer Kampf gegen die Exzesse aus Brüssel noch mehr Unheil bringen könnte. Deshalb wäre auch hier Aufklärung aller Seiten besser, also „der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (siehe „Immanuel Kant: ‚Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?'“).

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Catilina

Nicht wahr, Herr Dilger, Sie sind katholisch?
Erlauben Sie sich bitte kein Urteil über Martin Luther und verkneifen Sie sich bitte auch Bemerkungen, die dem Mann nicht gerecht werden. Ein paar hingeworfene Sätze, und der Mann ist diskreditiert. Keine Quellenangaben, mit denen man das "was" und das "warum" nachvollziehen könnte. Gerade Martin Luther hat seine Meinungen nicht spontan getwittert, sondern es ging bei ihm immer ein geistiges Ringen voraus. Also bitte etwas weniger "Klaus Kleber" von Ihnen.

Gravatar: Gipfler

Der Artikel offenbart wenig historische Kenntnisse.

Luther war zu der Überzeugung gekommen, dass ein Mensch, der fest an Gott und sein Seelenheil durch den Opfertod Christi glaube, nicht nur die Freiheit des Willens besitze, sondern auch zur Freiheit von seiner eigenen fleischlichen Natur und von allen bösen Mächten gelangen könne. Ja, er werde auch frei von der Bindung, die priesterliche Regeln und Dogmen ihm auferlegen wollen. Denn jeder Christ werde durch die Taufe selbst ein Priester mit einem eigenen unmittelbaren Verhältnis zu Gott. Und da jeder Christ Priester sei, besitze er auch das Recht, die Heilige Schrift nach seiner eigenen Erleuchtung auszulegen. Das war offene Rebellion der freien Individualität gegen den mittelalterlichen Herrschaftsanspruch der katholischen Kirche über die gläubig-untertanen Seelen.
Vgl.:
https://fassadenkratzer.wordpress.com/2017/01/05/luthers-rebellion-und-die-protestanten-heute/

Gravatar: Herbert Lachenal

Das Naheliegenste seinerzeit wäre eine Reform der römisch-katholischen Kirche gewesen aus Anlass nicht nur der 95 Thesen von Luther. Denn, wie aus der Sendung des ZDF „Luther-Tribunal in Worms“ hervor ging, auch die Reichsstände haben erhebliche Klagen über die vom Papst und seiner Administration betriebene Politik in Deutschland geführt. So wäre die Spaltung der christlichen Kirche und die nachfolgenden Religionskriege mit dem Höhepunkt „Dreißigjähriger Krieg“ den Menschen hier erspart geblieben.

Gravatar: Eckhard

Dilgner, bereue Deinen Artikel öffentlich, sag " es waren keine Gedanken sondern Auswürfe" oder schweig für immer!

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