Das Kreuther Phantom spukt mal wieder

Dass in Internetforen und Leserbriefen der Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel gefordert wird, ist Alltag. Die Intensität, mit der es augenblicklich geschieht, ist neu.

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Das Agieren dieser sonst so machtbewussten Frau an der Spitze unserer Regierung in Bezug auf den Zustrom von Flüchtlingen stößt inzwischen auf harsche Kritik in großen Teilen der Bevölkerung. Da ist mächtig Dampf auf dem Kessel. Manch einer setzt darauf, die Kanzlerin werde sich bald von selbst verabschieden, um das Amt einer UN-Generalsekretärin zu übernehmen. Wie intensiv das diskutiert wird, ohne dass Merkel jemals öffentlich die Absicht geäußert hätte, diesen Job im Hochhaus am Hudson River anzustreben, ist erstaunlich.

Noch erstaunlicher jedoch ist, wie laut auf einmal zumindest in unionsnahen und konservativen Kreisen, eine Ausdehnung der CSU aufs ganze Bundesgebiet geradezu beschworen wird. Horst, komm und rette uns, ist – mit anderen Worten – in vielen Foren und Netzwerken zu lesen. Allein, da wird der Wunsch Vater des Gedankens sein und bleiben. Der große CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß hatte es einst versucht, als auf seine Initiative hin am 19. November 1976 die CSU-Landesgruppe des Bundestages bei ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth beschloß, die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aufzukündigen. Groß war die Aufregung seinerzeit, als diese politische Sensation bekannt wurde. Doch in Bonn saß einer, der kühl blieb, frostig sogar. Oppositionsführer Helmut Kohl, der Mann aus der Pfalz, Vorsitzender der Schwesterpartei, stellte klar: eine Ausdehnung der CSU auf die Bundesrepublik werde den sofortigen „Einmarsch“ der CDU nach Bayern bedeuten. Aus zwei CSU-Bezirksverbänden signalisierte man Kohl Unterstützung für diesen Fall. Und in der CSU begann das Rechnen. Eine CDU in Bayern, selbst wenn sie nur 10 Prozent der Stimmen erränge, würde absolute Mehrheiten und viele Direktmandate gefährden – Abgeordnete, Bürgermeister und Landräte kosten. Am 12. Dezember, nach nur gut drei Wochen, brach die Revolution zusammen. Die CSU besann sich auf ihre Kernkompetenz als DIE Partei der Bayern, die aus dem Freistaat ein Erfolgsmodell sondergleichen geformt hat. Kaum anzunehmen, dass man in München Lust verspürt, sich jetzt erneut auf ein großes Abenteuer dieser Art einzulassen.

Beitrag erschien auch auf: denken-erwuenscht.com 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Gernot Radtke

Mit Bayern als wirtschaftlichem „Sondermodell“ Deutschlands dürfte es bei weiterer Migrantenüberflutung bald vorbei sein. Mein Vorschlag: Bayern sollte mit dem Austritt aus der Bundesrepublik drohen und seine Souveränität zunächst einmal an den eigenen Grenzen wiederherstellen. So wie man ins ‚Reichsgebiet‘ eintreten konnte, muß man es auch wieder verlassen können, wenn die alte „Reichsordnung“ in Chaos und Anarchie zerfällt. Bayern, zunächst konföderiert mit Österreich, Ungarn und Südtirol – fände ich nicht die schlechteste aller denkbaren Welten. Man könnte sich dann bei derselben Gelegenheit auch der EU und Griechenlands entledigen, diesen Quellen ewigen und sich immer nur noch weiter intensivierenden Verdrusses. Den Finanzausgleich für impotente Bundesländer, die den Stützungssozialismus gerne beibehalten möchten, wäre man auch endlich los. Und der Vorteile wären noch mehr zu erwähnen …

Gravatar: H.Roth

Die Bayern tun gut daran, die CDU nicht in den Freistaat zu lassen. Sich ganz von dieser zu lösen wäre in der aktuellen Lage sinnvoll. Zu groß wird die Kluft, wenn die CSU ihren Kurs in Richtung konservativ weitergeht. Aber wird die CSU einer neuen Drohung standhalten, dass dann die CDU - mit Angela Merkel voran - in Bayern einmarschiert?
Gefangen im Freistaat kann sie nicht zu einer deutschlandweiten Opposition zu der CDU werden. Aber wir haben ja noch die AfD, liebe Nichtbayern!

Gravatar: H.Roth

@ Gernot Radtke

Ich sehe es ebenso. In Spanien will sich gerade die wirtschaftlich stärkste Region, Katalonien, vom Rest abspalten. Bayern ist in derselben Situation als wirtschaflich stärkstes Bundesland. Es würde noch stärker sein ohne den Länderfinanzausgleich. Zudem war Bayern - historisch gesehen - immer näher an Österreich als an Preußen. Und dann entwickeln sich in Österreich die Konservativen (FPÖ) gerade besonders gut.
Es würde mich daher nicht wundern, wenn Bayern sich dieser Tage mehr und mehr an die Hochzeit von "Sissi und Franz Joseph" erinnert.

Gravatar: MM

Eine nette Alternative wäre ja, mit Bayern komplett aus der BRD auszutreten, wie auch H. Roth vorschlägt. Vielleicht folgen dann ja Sachsen und evlt. Thüringen oder BW. Dann ist Merkel endlich weg und die CDU kann trotzdem nicht nach Bayern. Recht und Gesetz interessieren eh niemanden mehr. Wer also will Bayern daran hindern, seine Grenzen selbst zu sichern?

Gravatar: Gernot Radtke

@ H. Roth
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Eine Pointe meines Vorschlags wäre ja, daß es in einem souveränen Bayern keinen „Einmarsch“ der CDU mehr geben könnte. Bayern fungierte dann, wie derzeit Österreich, nur noch als Durchreiche der bedrängten Muslimvölker an das verbliebene deutsche ‚Rumpfreich‘, das dann seine Integrationsfähigkeiten noch voller und ‚nachhaltiger‘ unter rotgrünem Willkommensgesängen ausleben könnte. Die CDU hätte dann nur noch zu bedenken, ob sie der deutschen Muslimifizierung hinterherlaufen oder sie anführen will. Als neuen Namen schlüge ich ‚MDU‘ vor, muslimisch deutsche Union. Die ev. Kirche würde da sofort mitmachen und den muslimischen Gebetsbräuchen bei Bedarf ihre bilderlosen Backstein-Kirchen zur Verfügung stellen. In Bayern, in Ehingen am Nördlinger Ries, teilen sich Katholiken und Protestanten – im Schichtbetrieb – schon seit langem dasselbe schöne Kirchlein mit herrlichem Blick in Gottes zwar nicht mit Muslimen-, aber mit Meteoritenfleiß geschaffenes und jedes Gemüt für die Unendlichkeit öffnende Ries. Soll Bayern erst noch einen weiteren Rumsdiwums in der Uckermark abwarten, damit Protestantismus und Islam miteinander endlich das von Gott erflehte gemeinsame Maultier zeugen und gebären können?

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