Das Glaubwürdigkeits-Problem der Medienindustrie

„…Mäusekötel im Milchpulver? Chef hat seine Meinung direkt gesagt? Farbeimer umgefallen und Chemiealarm ausgelöst? Würmer im Weihnachtslachs? Wer für Unternehmen arbeitet oder in der Politik, weiß: Jetzt greift der Krisenkommunikator in die Schublade „Notfallplan“. Transparenz, Schuldeingeständnis, Abläufe überprüfen, Verantwortliche feuern, Besserung geloben. So in etwa. Eine Branche hat es besonders getroffen: die Medien selbst.

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Alles „Lügenpresse“, sagt Pegida. Zunächst fiel es den Sachsen auf, die seit DDR-Zeiten TV-Bilder kritisch betrachten, dass da was nicht stimmt: Immer ist die Rede von flüchtenden Frauen und Kindern – aber man sieht nur knackige, junge Männer? Eine Text-Bild-Schere der neuen Art. Die Folge: Nur die Hälfte der Medienkonsumenten glaubt noch, was geschrieben und gefunkt wird. Bemerkenswert: Je höher der Bildungsstand, umso kritischer sehen die von Allensbach Befragten die Medien. Eskalation: Ausgerechnet der Borderliner Akif Pirinçci schleift wegen erkennbar falscher Berichterstattung 30 der angesehensten Medien vor Gericht. Wäre man in PR oder Politik tätig: Krisenstimmung, Notfallplan, Schuldeingeständnis, Besserung.Bei den Medien? Nichts davon.

Die notorisch dummen Zuschauer und Leser begreifen nicht, was ihnen serviert wird, ist der Tenor der meisten Reaktionen aus den Redaktionen. Schuldzuweisungen folgen: Die Filterblase der sozialen Medien sei dafür verantwortlich, dass die darin eingeschlossenen Leichtgläubigen ihrer eigenen Wahrnehmung mehr glauben als der erhabenen Einsichtsfähigkeit der weltbesten Journalisten.Aber ist der Zweifel des Misstrauens erst gesät, krallen sich seine Widerhaken an jeder Meldung fest: Alles Akademiker, die aus Syrien kommen – aber wie passt das zur Meldung der Behörden, dass es zur Hälfte Analphabeten sind? Nicht nur im Fall der Flüchtlinge klaffen Widersprüche. Wieso steigen Strompreise und stinkender Braunkohleverbrauch, wenn laut Jubelmeldungen die Solarenergie superbillig ist und in rauen Mengen produziert wird? Wieso ist es ok, wenn Putin in Syrien Krankenhäuser bombardieren lässt – aber wehe, eine US-Bombe geht daneben? Wie kann es sein, dass die Wirklichkeit so widersprüchlich ist, aber Nachrichten und Kommentare oft so einheitlich schwarz-weiß?

Offenbar haben meine verehrten Kollegen/ innen nicht begriffen: Es gibt Google (diese Datenkrake), jede Behauptung wird von den Lesern sofort gecheckt. Sie tauschen sich aus – über die nicht-kontrollierbaren Kommunikationskanäle im Netz. Da hilft es nichts, wenn man dem Justizminister und seiner chinesischen Methode der Facebook-Kontrolle zujubelt. Die Konsumenten haben sich von den Gatekeepern emanzipiert, die einst Sichtweisen dominierten.Das Beste: Weil die Leser nicht glauben, haben viele Redaktionen die Kommentarfunktionen abgeschaltet. Stellen wir uns vor, VW würde jedem, der nach Dieselgate fragt, Hausverbot erteilen. Medien machen es so. Wer nicht glaubt, ist rechtsradikal, klaro? Leute, in Eurer gedruckten Filterblase: Wir haben ein Problem. Das sind nicht nur Kötel, da sind schon komplette Mäuseköpfe in unserem Milchpulver.

Beitrag zuerst erschienen auf ortneronline.at

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: K.Becker

Da unsere "Regierung" herrscht, unter Missachtung von Grundgesetz und Gesetz, kann auch die willfährige Presse ihre Suppe ohne Moral kochen, in gottähnlicher Selbstherrlichkeit.
Eine freie Meinungsbildung der Bürger muss verhindert werden, da nicht "linientreu" zu erwarten.
Unisono, Hasstiraden gegen die Wortnutzung "Lügenpresse" und die "Elite"-Politiker machen zum Sebsterhalt mit.
Wann werden sie endgültig demaskiert? Es ist überfällig für unseren Sebsterhalt.

Gravatar: P. Krumstaab

Volle Zustimmung, nur hier ist es genau andersrum:
"Wieso ist es ok, wenn Putin in Syrien Krankenhäuser bombardieren lässt – aber wehe, eine US-Bombe geht daneben? "

Gravatar: KritischeStimme

In Deutschland ist alles unter Kontrolle. Hierzulande befinden die Medien sich in nur wenigen Haenden,Deutschland hat das groeste europaeische Medienkartell. Grosse Medien setzen sich regelmaessig zusammen um die Strategie zu besprechen. Dementsprechend wenige regierungsunfreundliche Meinungen kann man in den deutschen Medien finden und umsomehr bashing Artikel ueber Russland,die Nation die die Hegemonietraeume Deutschlands im Wege stehen. Das Wort Luegenpresse kommt nicht so von ungefaehr. Die Medien welche zu sehr uebertreiben leiden unter einen grossen Leser/HoererSchwund

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