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28.05.2012
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     Friedrich Görtz
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Die Schuldenbombe tickt

Seit Jahrzehnten läuft die Politik in Bund, Ländern und Kommunen dem Phänomen hinterher, dass die Ausgaben nicht durch die Einnahmen gedeckt sind. Konsequenz: Die Schulden steigen.

Die Zahlen sind erschreckend: Zum Jahresende wird Deutschland - auch dank fragwürdiger Konjunkturprogramme - mit 1,7 Billionen Euro (1.700.000.000.000) in der Kreide stehen. Somit trägt dann jeder Bürger - vom Säugling bis zum Greis - 20.700 Euro Schulden mit sich herum. Dass die Ausgaben des Staates von Legislaturperiode zu Legislaturperiode steigen, scheint für unsere Politiker ein Naturgesetz zu sein, dem man hilflos ausgeliefert ist. Ein Ende dieser Schuldenpolitik ist nicht in Sicht, die Schuldenbombe tickt weiter.

Daran ändert sich auch durch den schwarz-gelben Regierungswechsel nichts. Wie bei jeder neuen Regierungsbildung wird über die ‚Erblast’ der Vorgängerregierung geklagt. Wie üblich zeigt die Politik großes Erstaunen über die Haushaltslage, die sie jetzt vorfindet. Einziger Hintergrund: Die Erwartungen der Wähler, die im Wahlkampf durch das Versprechen von Steuersenkungen erst geweckt wurden, sollen nach der Wahl vor dem Hintergrund der Staatsverschuldung möglichst weit heruntergefahren werden. Ein guter Trick, würde er sich nicht alle 48 Monate wiederholen.

Für Politiker scheint es vor Wahlen nichts Schöneres zu geben als vom süßen Gift der Verschuldung zu naschen, denn mit dem Kater nach dem Schuldenrausch müssen ja sowieso die Anderen, vor allen Dingen die Jüngeren und die noch Ungeborenen, fertig werden. Würde ich als Familienunternehmer genauso verantwortungslos mit Geld umgehen, wäre mein Unternehmen längst bankrott. Für uns wäre es schlicht undenkbar, Wachstum ausschließlich auf Pump zu finanzieren. Unternehmerisches Risiko und Eigenhaftung sind für uns zwei Seiten einer Medaille. Dieses Prinzip stände auch der Politik gut zu Gesicht. Will ein Unternehmen gesunden, muss es von den Schulden runter. Auch der Staat muss einen bedeutenden Schritt in Richtung Schuldenabbau tun. Es muss in dieser Legislaturperiode endlich gelingen, sich auf die Senkung der Staatsausgaben zu konzentrieren. Der andere Weg, den der Steuererhöhungen, haben wir bereits vor vier Jahren beschritten – mit dem Ergebnis, dass wir heute mehr Schulden haben als zuvor.

Die aktuellen Buchungstricks im Bundeshaushalt, also der Plan, 50 Milliarden Euro neue Schulden für die Bereiche Arbeit und Gesundheit in einem Schattenhaushalt zu verstecken, lassen nichts Gutes erahnen. Die Bundesregierung macht lieber zusätzliche Schulden, als Geld zu sparen und das wieder einmal auf Kosten künftiger Generationen. An der These, mit der neuen Koalition habe zwar ein Personal- aber kein Politikwechsel stattgefunden, ist offensichtlich etwas dran.

Es wird höchste Zeit, dass Bund, Länder und Kommunen Konsequenzen für ihr Handeln tragen. Damit meine ich nicht die lasche und spät einsetzende Schuldenbremse. Wie wäre es, wenn öffentliche Einrichtungen hinsichtlich ihrer Bonität bewertet würden? Auf Basis dieser Bewertungsverfahren werden die Haushalte mit niedrigen Zinsen belohnt, also solche, die solide gewirtschaftet haben. Schlechte Haushaltsführung hingegen hat hohe Zinsen zur Folge und verteuert das Schulden machen. Das diszipliniert.

Die Zeit drängt, in jeder Sekunde wachsen die Schulden um mehr als 4400 Euro. Soll die Schuldenbombe nicht platzen, muss jetzt gehandelt werden. Deutschland hat nicht mehr viel Zeit.

Der Hamburger Familienunternehmer Friedrich Görtz ist geschäftsführender Gesellschafter der Ludwig Görtz GmbH. Das Schuhhaus beschäftigt 3.400 Mitarbeiter in über 200 Filialen in Deutschland, Österreich und Polen.



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Kommentare (9)




 
  Kommentare (9)

nk, 01.12.2009 18:29
Ich denke, dass wir auf eine Währungsreform zusteuern. Der Punkt, an dem diese Schulden mit Haushaltsdisziplin in den Griff zu kriegen waren, ist längst überschritten.

Das das ganze ein frecher Diebstahl ist, ist natürlich klar.


Friedrich Dominicus, 17.11.2009 08:41
Sehr geehrter Herr Oberdörfer, auch ich habe FDP gewählt aber gleich nach der Wahl den Koaltionsvertrag gelesen. Der lässt nichts gutes Erwarten. Auf einem anderen Blog oder vielleicht auch in meinem habe ich vorgeschlagen eine LDP zu gründen. Der Weg wäre ziemlich einfach, dem Eigentum und Verträgen darauf wieder den gebührenden Stellenwert zu geben. Abschaffung aller Subventionen und ja es wäre wohl nur noch ein Nachtwächterstaat. Ich denke von der Gegenrichtung haben wir lange genug "gekostet". Und auf den Weg in die DDR 2.0 muß man sich nicht mit aufmachen.

Ich wäre schonn ausgewandert, wenn meine Frau dazu bereit wäre.....


Freidenker, 23.10.2009 09:13
Die Vernunft ergibt sich dem Irrsinn. Und diese Gesellschaftsklempner machen dann andere für jeden regierungsseitig verantworteten Hirnschiss verantwortlich. Kein Risiko, keine Verantwortung! califax hat eine gute Idee: "Man summiere also den Schaden, den die Veruntreuung durch Abwrackprämie, Bankenverstaatlichung, Landesbankenrettung, Opelhilfen und Quellehilfen (und sonstiger verschwendeter Steuergelder, Anm. d. Freidenker) verursacht haben, addiere zeitnah die aus Verträgen und Bürgschaften noch folgenden Schäden hinzu und lege die Tilgung dieses Schadens innerhalb einer fünfjährigen Frist allen Abgeordneten auf, die für diesen Unsinn gestimmt haben. Die Kreditzinsen sind gerade sehr günstig und mit den Abgeordnetenrenten sind die Leute auch recht kreditwürdig. Und wenn es in Einzelfällen nicht so sein sollte – hey, in Einzelfällen gehen wegen des durch diese Abgeordneten angerichteten Schadens ganze Familien in den Ruin! So what?"
http://anstalt.wordpress.com/2009/10/21/noch-so-ein-undurchdachter-vorschlag/


Lars-Michael Lehmann, 22.10.2009 18:44
Sehr geehrter Herr Görtz, ich kann mich den anderen Kommentaren nur anschließen. Sie sollten sich mehr Einmischen, denn unsere Politiker kennen Unternehmertum nur auf dem Papier, oder auf Statistiken. Aber die wirkliche Praxis fehlt. Wie wäre es denn wenn Sie als Mentor unsere Politiker unterstützen würden? Vielleicht kämen dann bessere Reformen heraus..

Herzliche Grüße
Lars-Michael Lehmann


Amelie E. Schneidereith, 22.10.2009 16:08
@ JS:

ich war weit davon entfernt, Herrn Görtz den Eintritt in eine Partei nahezulegen, um dann als rechte Hand von so Pofallas oder Becks langsam hochzudienen. Einmischen kann "man" - erfolgreicher Familienunternehmer - nur von draussen.


JS, 22.10.2009 15:21
"Wieso mischen Sie sich nicht mehr ein? Wieso lassen Sie sich diese Politik bieten? Wieso höre ich nicht ständig und viel lauter von Ihnen?"

Die Antwort dazu gab mal Jürgen Weber, dem, damals Vorstandsvorsitzender der Lufthansa, die Frage gestellt wurde, ob er nicht in die Politik wechseln wolle. Sinngemäß wies er darauf hin, dass er, würde er jetzt in eine Partei eintreten, im Ortsverband hinten eingereiht würde und über Jahrzehnte den üblichen Eingliederungsprozess durchlaufen müßte. Über einen solchen Weg könne er nichts bewegen, abgesehen davon, dass er dazu die Zeit nicht hätte.

Man sollte zudem nicht vergessen, dass Menschen wie Herr Görtz, die zu den wenigen noch verbliebenen Bürgern gehören, die helfen, den Kuchen zu backen, über dessen Verteilung von vornehmlich linker Seite diskutiert wird, in der öffentlichen Diskussion zu den sogenannten "starken Schultern" erklärt wurden, denen man ruhig etwas mehr zumuten kann. In dieser Diskussion kommt niemand auf die Idee, dass die Kuchenbäcker ein Mitspracherecht über die Verteilung eines vorhandenen oder nicht mehr vorhandenen Kuchens und über den Vorgang des Backens haben sollten. Vielmehr wird ihnen vorneweg versucht, ein schlechtes Gewissen einzureden und sie werden den Netto-Empfängern als halbkriminell präsentiert.


Insider, 22.10.2009 14:27
Eigentlich kann man Ihrem Artikel nur zustimmen, doch das ist dann doch wieder zu wenig. Heute macht sich ein Jahrzehnte hingenommenes Versäumnis bemerkbar, die Leistungsträger dieser Gesellschaft haben einfach weggeschaut, haben sich um ihre "Geschäfte" gekümmert und haben die auf Zeit mandatierten "Geschäftsführer" dieser Bundesrepublik wirtschaften lassen.

Eigentlich müsste ein Staat tatsächlich wie ein Unternehmen geführt werden. Ein Unternehmen könnte und dürfte sich diese Entgleisungen, die sich die mandatierten "Geschäftsführer" Deutschland seit 60 Jahren herausnehmen, niemals geleistet haben.

Die derzeitigen Verhandlungen zwischen CDU, CSU und FDP zeigen es doch jedem, der nicht unpolitisch ist und sich um Hintergrundwissen bemüht, dass hier Personen am Werk sind, die bereits vor der letzten Wahl gemeinsam den Karren in den Dreck gefahren haben, ohne jeden Skrupel. Fehlt es am Geld, wir einfach in Deutschland der Bürger "ausgepresst", hat doch das BverfG längst grünes Licht dafür gegeben, dass dem einzelnen Bürger mximal das zum Leben benötigte Existenzminimum zu belassen ist, also da geht noch viel mehr, als es sich der einzelne vorstellen kann.

Es fehlt der Bevölkerung der wirkliche Wille zum Protest, die Zeiten der 60ziger und 70ziger Jahre sind vorbei, die staatlichen Schweinereien locken niemanden mehr auf die Straße, es fehlt den Menschen an gemeinsamen politischen Idealen, jeder denkt nur noch an sich, heute trägt die Ellenbogengesellschaft ihre eigene Haut zum Markte.

Auswandern ist eine gute Idee, tatsächlich tun dieses jedes Jahr inzwischen rund 150.000 Deutsche. Sie gehen und suchen sich eine neue Bleibe, eine neue bessere Zukunft. Ob das jedoch auf Dauer die Lösung sein kann, muss fraglich bleiben.


Amelie E. Schneidereith, 22.10.2009 14:03
An die Adresse des Herrn Görtz- und an alle anderen Familienunternehmer und Mittelständler:

Sie tragen das Land. Sie schaffen den Wohlstand für (fast) alle. Wenn es Ihnen gut geht, geht es auch den Menschen gut. Sie sind glaubwürdige Beispiele dafür, dass es Ihnen um nachhaltiges Wirtschaften und gesundes Wachstum geht und nicht um kurzfristige Hypererfolge, Blasenbildung, Abkassieren - und weg. Das einzige, was ich kaum verstehe: Wieso mischen Sie sich nicht mehr ein? Wieso lassen Sie sich diese Politik bieten? Wieso höre ich nicht ständig und viel lauter von Ihnen?


Elmar Oberdörffer, 22.10.2009 13:44
Sie haben vollkommen Recht, Herr Görtz. Ich habe am 27. September FDP gewählt, bin aber vom Verhalten dieser Partei in den laufenden Koalitionsverhandlungen sehr enttäuscht. Sollte sich in der neuen Legislaturperiode die Politik nicht entscheidend ändern (weniger Staatsausgaben, weniger Schulden, weniger Steuern, mehr Freiheit), so werde ich bei der nächsten Wahl meine Stimmzettel zum Zeichen des Protestes ungültig machen. Wäre ich noch jung, so würde ich auswandern.


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