Die "Financial Times" hat den arbeitslos gewordenen Bankern unter ihren Lesern empfohlen, ihre goldenen "handshakes" doch lieber am sonnigen Strand von Sydney-Bondi zu verbraten als im neblig-kalten London.
Gut gemeint. Aber die Rezession, die erste in siebzehn Jahren, ist inzwischen auch in Sydney angekommen - auch wenn die Banken "downunder" solider dazustehen scheinen als die Institute in Amerika und Europa. China und Indien bestellen weniger Eisenerz und Kohle, und schon verlieren zehntausend Menschen die Arbeit, veröden ganze Minenstädte.
Ein neuer Beruf hat Blüte: der "internal communicator". Das sind die Männer und Frauen, die mit viel Sensibilitaet ihren Kollegen klarmachen, dass sie ab heute arbeitslos sind oder kurzarbeiten muessen.
China und Indien sind die Stichworte im uebrigen Asien. Wird Peking dem Drängen der Amerikaner und des IMF nachgeben und den Renminbi aufwerten?
Dass die beiden Giganten sich von der Rezession nicht abkoppeln koennen, ist inzwischen unbestritten. Indien rechnet mit dem niedrigsten Wachstum in sechs Jahren. In China werden Millionen von Wanderarbeitern in ihre Heimatdoerfer zurueckgedraengt.
Das Fatale an der heraufziehenden Krise ist, so ein Banker in Singapur, dass die Menschen noch gar nichts davon merken, wenn sie nicht gerade auf die Straße gesetzt worden sind. Hotels und Fluglinien in Asien sind gut ausgelastet. Aber es gibt erste Zeichen einer beginnenden Geld- und Devisenknappheit: Warentauschgeschaefte. Malaysia beispielsweise liefert Palmöl nach Nordkorea und Russland, und bekommt von dort Maschinen und Duengemittel. Thailand, der weltgrösste Reisexporteur, verhandelt mit Iran und anderen mittelöstlichen Ländern.
Wie bei der Asienkrise 1997 ist auch jetzt nichts mehr zu hoeren von konfuzianischen Werten und einem Ende westlicher Vorherrschaft. Das ändert freilich nichts an den Forderungen Indiens und Chinas, bei den Vereinten Nationen, der Weltbank und anderen Organisationen ein größeres Mitspracherecht zu bekommen - entsprechend einer Bevölkerungsgröße von fast drei Milliarden. Auch fragen sich immer mehr Menschen in den wirtschaftlichen Aufsteigerlaendern, aber auch in Japan und Saudiarabien, was amerikanische und manche europaeischen Schuldtitel eigentlich noch wert sind.
Die Krise bringt Skandale ans Licht, etwa die kriminellen Machenschaften des Chefs von Satyam in Bangalore, einem der grossen indischen Softwar-Konzerne. Und sie wird ganz wesentlich die Armutsbekämpfung erschweren. Nur wenn Indien um mehr als fünf Prozent im Jahr waechst, gibt es Hoffnung für jene Menschen, die mit weniger als einem Euro am Tag auskommen müssen. Und das ist noch immer mehr als die Hälfte der Bevölkerung, rund 500 Millionen Menschen. Die Weltbank warnt bereists vor Todesfällen, vor allem bei Kindern, verursacht durch Hunger und schlechte medizinische Versorgung.