Sie machen halt gerne Politik, das Nobel-Komitee in Oslo. Sie wollen sich im Glanz der Aktualität sonnen. Der Friedensnobelpreis für Barak Obama ist ehrenwert, aber falsch! Zwanzig Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR wäre es an der Zeit gewesen, die Demonstranten von damals zu würdigen.
Sie haben kein Gespür, die feinen Herren in Oslo. Kein Gespür für Jahrestage und Symbolik. Der 9. Oktober 2009 schreit förmlich nach dem 9. Oktober 1989. Der Friedensnobelpreis vergeben exakt zwanzig Jahre nach der mutigsten Friedens- und Freiheitsdemonstration der deutschen und europäischen Geschichte. Zwanzig Jahre nachdem ein Volk sich selbst von einer Diktatur befreit hat, ohne das ein einziger Schuss gefallen ist. 70 000 Menschen, die sich von Einschüchterung und körperlicher Gewalt nicht haben abbringen lassen, weil der Wille zu Freiheit in Frieden so unbändig viel stärker war. Zwanzig Jahre danach der Friedensnobelpreis für die Bürger von Leipzig - das wäre ein Signal gewesen.
Warum ist die deutsche Wiedervereinigung in Oslo bisher so schmählich behandelt worden? Weil das Nobel-Komitee in Oslo lieber Politik macht, und sich gern im Mittelpunkt sieht. Sie möchten aktuelle politische Vorhaben unterstützen - sehr ehrenwert. Was aber kann aktueller sein als die Freiheit, die sich unterdrückte Bürger zurückerkämpfen? Was kann ein stärkeres aktuelles Signal in diese Welt sein, wenn der berühmteste Preis der Welt diese Menschen auszeichnet und damit allen staatlich Unterdrückten gleichsam zuruft: Auch ihr könnt Euch befreien! Das fördert den Frieden in den Konfliktregionen und damit dann auch Barak Obamas Arbeit.
Aber dafür hätte es in Oslo Phantasie gebraucht und weniger eitle Selbstbespiegelung. Obama zu dekorieren ist wohlfeil, richtig ist es nicht!