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11.02.2012
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     Marc Schmidt
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Marktstruktur bleibt trotz Thüga-Verkauf an Stadtwerke-Bündnis
Weitere Themen: Wirtschaftspolitik

 

Der Energiekonzern E.ON trennt sich aus Angst vor kartellrechtlichen Auseinandersetzungen von seiner Stadtwerketochter Thüga. Die Presse jubelt und spricht von einer neuen Energiemacht, was so aber nicht wirklich zutrifft.

 

 

Am Mittwoch wurde es nun offiziell verkündet: E.ON hat sich mit den Interessenten über die wirtschaftlichen Grundzüge des Verkaufs ihrer Stadtwerketochter Thüga geeinigt. Käufer sind wiederum die betroffenen Stadtwerke selbst, die sich im Erwerberkonsortium Integra/KOM9 zusammengeschlossen haben. Dahinter verbirgt sich in Zusammenschluss aus enercity (das ist der Markenname der Stadtwerke Hannover), der Frankfurter Mainova AG, der Nürnberger N-ERGIE Aktiengesellschaft und der KOM9 GmbH & Co. KG, die sich wiederum aus mehr als 45 Stadtwerken zusammensetzt. Allerdings bleibt die übernommene Thüga nicht ganz in ihrer bisherigen Struktur erhalten. Denn die Thüga-Beteiligungen an der GASAG Berliner Gaswerke AG (37 Prozent), an der HEAG Südhessische Energie AG (40 Prozent), an den Stadtwerken Duisburg (20 Prozent) sowie an den Stadtwerken Karlsruhe (10 Prozent) werden an die Konzerntochter E.ON Ruhrgas übertragen um dann von dort separat verkauft zu werden. Der Kaufpreis für die “verkleinerte” Thüga wurde mit 2,9 Mrd. Euro angegeben.

Die Käuferschar ist dabei sehr heterogen. Während die Integra-Partner enercity, Mainova und N-ERGIE jeweils 20,75 Prozent an Thüga übernehmen, gehen die restlichen 37,75 Prozent an die KOM9-Gruppe. Wichtig für die Frage, wer künftig Herr im Hause ist, dürfte die Tatsache sein, dass die Integra-Partner per Konsortialvertrag miteinander verbunden sind. Daneben wurde zwischen dem Integra- und dem KOM9-Konsortium eine Aktionärsvereinbarung geschlossen. Da wiederum eine Zerschlagung der Thüga derzeit kein Thema ist, dürfte schon jetzt ein gewaltiger Abstimmungsbedarf in der gemeinsam verantworteten Geschäftspolitik abzusehen sein, denn die Thüga-Beteiligungen sind keine Mehrheitsbeteiligungen. Ein Mehr an Entscheidungsfreiheit bzgl. ihres Tagesgeschäfts vor Ort dürfte also für die wenigsten beteiligten Stadtwerke wirklich eintreten. Dazu ist die Schar der Beteiligten einfach zu groß. Im Übrigen sind öffentliche Unternehmen in der Vergangenheit nicht unbedingt durch besonders effiziente Geschäftsprozesse aufgefallen.

An dieser Stelle lohnt sich auch einmal ein Blick auf die KOM9-Gruppe, deren Webauftritt sich wohl noch im Aufbau befindet und die vom Freiburger Versorger Badenova angeführt wird. Die mehr als 45 Partner werden leider nicht vollständig aufgeführt. Es handelt sich aber wohl um kommunale Versorger aus der gesamten Republik. Zu den Zielen der Gruppe heißt es: „Die Partner verbindet das gemeinsame Ziel, nachhaltige Lösungen für die energiepolitischen Herausforderungen der Zukunft zu finden und vor Ort umzusetzen. So sollen dezentrale Strukturen gestärkt und das Netzwerk der Stadtwerke und regionalen Energieversorger zukunftsweisend und kundennah ausgebaut werden.“

Was davon angesichts der Beteiligungshöhe aber wirklich umgesetzt werden kann, ist fraglich. So wird das Thema Energie in Freiburg ganz anders angegangen als bspw. auf Sylt. Besonders das Thema Atom- und Kohlestrom sorgte hier bei manchem für mehr oder minder realistische Träumereien. Denn die aus Freiburg stammende Bürgergruppierung “Energie in Bürgerhand” scheint mit ihrer Genossenschaftsidee und einer millionenschwere Beteiligung in vollem Umfang gescheitert zu sein. Laut Badenova-Vorstandssprecher Thorsten Radensleben könne die Initiative angesichts des aktuellen Verhandlungstrends aufgrund fehlender Informationen nicht am angestrebten Thüga-Kauf beteiligt werden, so hieß es in der Badischen Zeitung im Vorfeld der endgültigen Entscheidung. Ein späterer Einstieg sei allerdings auch nicht ausgeschlossen. Am Mittwoch heißt es nun in der Badischen Zeitung dazu: "Die Initiative "Energie in Bürgerhand" kommt laut Radensleben als künftiger Partner in Frage, um das angestrebte Wachstum der Thüga zu finanzieren." Man darf also gespannt sein, wie sich das Ganze weiter entwickelt.

Der wichtigste Punkt, der immer wieder in den Jubelberichten auftaucht, ist die nun angeblich erreichte neue Unabhängigkeit der Stadtwerke von E.ON bzw. den anderen drei großen Energiekonzernen RWE, EnBW und Vattenfall. Diese Unabhängigkeit existiert so aber nicht. Es gibt lediglich eine neue, gebündelte Nachfragemacht von rund 3,5 Millionen Stromkunden. Und deren Einfluss ist bei der derzeitigen Marktstellung bei Erzeugung und Transport eher gering einzuschätzen. Denn weiterhin vereinen die vier Energiekonzerne mehr als vier Fünftel der Stromerzeugungskapazitäten in diesem Land. Sollte nicht deutlich mehr Strom, vor allem auch von anderen Anbietern auf den Markt kommen, wird sich an der jetzigen (Preis-)Struktur nichts ändern. Egal wem die Stadtwerke, die die Endkunden beliefern, nun auch gehören. Und wichtig ist auch. Nicht unerheblich geringe Anteile am Strompreis sind nur durch die Politik veränderbar.

 



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