Die Auszeichnung der Hamas- und Hisbollah-Apologetin Felicia Langer mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse hat - wie zu erwarten war - auch jene Segmente der deutschen "Zivilgesellschaft", die sich in Sachen "Israel-Kritik" bisher eher zurückgehalten hatten, dazu ermuntert, ihrem Ressentiment gegen den einzigen freiheitlichen Verfassungsstaat des Nahen Ostens freien Lauf zu lassen.
Die 'Enttabuisierung' eines Antiisraelismus, der sich nicht darin erschöpft, Israel einseitig für die Nichtexistenz eines souveränen arabisch-"palästinensischen" Staates verantwortlich zu machen, sondern die Staatsgründung Israels als solche zu delegitimieren trachtet, läßt sich paradigmatisch an einer Veröffentlichung im Blog der Berliner Sektion der "Gesellschaft für bedrohte Völker" (GfbV) aufzeigen. Zwar hatte diese Menschenrechts-NGO niemals israelfreundliche Positionen vertreten, sondern vielmehr den "Israel-Kritikern" Uri Avnery, Rupert Neudeck und Ludwig Watzal eine Plattform geboten. Aber das Recht Israels auf eine souveräne Existenz war bislang auch seitens der GfbV nicht bestritten worden, und von den antisemitischen Äußerungen etwa des ex-grünen "Israel-Kritikers" Jamal Karsli, eines zeitweiligen Weggefährten der GfbV, hatte sich die NGO distanziert.
In offenem Gegensatz zu einer solchen Positionierung wurde am 30. Juli unter dem Titel "Israels Apartheidpolitik? Ein offener Brief Henning Mankells" für einen wütenden Angriff auf die jüdische Republik geworben, dessen Autor - der Schwede Mankell - ausdrücklich nicht für eine "Zweistaatenlösung", sondern für die Verwerfung einer solchen Option zugunsten der Zerstörung Israels plädiert:
"[...] 1948, als ich geboren wurde, erklärte Israel seine Unabhängigkeit auf besetztem Gebiet. Es gibt keinerlei Gründe dafür, dass dies eine völkerrechtlich legitime Handlung war. Man besetzte ganz einfach palästinensisches Land. Und man fährt fortlaufend fort, diesen Landbesitz zu vergrössern, etwa durch den Krieg 1967 und heute durch die ständige Zunahme an Siedlungen. [...] Eine Zwei-Staaten-Lösung bedeutet nicht, dass die historische Besatzung aufgehoben wird.
Israel wird es genauso ergehen wie Südafrika unter der Apartheidzeit. Die Frage ist nur, ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird.
Auch kann niemand sagen, wann es geschieht. Der endgültige Aufruhr wird natürlich von innen kommen. Aber plötzliche Veränderungen in Syrien oder Ägypten werden dazu beitragen können.
Ebenso wichtig ist selbstverständlich, dass die USA es sich bald nicht mehr leisten können, diese abscheuliche Kriegsmaschine zu bezahlen, die Steine werfende Jugendliche von einem normalen Leben in Freiheit fernhält.
Wenn Veränderungen kommen, wird es von dem einzelnen Israeli abhängen, ob er oder sie bereit ist, auf seine Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben. Ich stiess auf meiner Reise auf keinen Antisemitismus. Hingegen auf einen normalen Hass auf die Besatzer. Es ist wichtig, diese Dinge auseinanderzuhalten.
[...]
Der Staat Israel hat nur eine Niederlage zu erwarten, wie alle Besatzungsmächte.
Die Israelis vernichten Leben. Aber sie können nicht die Träume zerstören. Der Untergang dieses verächtlichen Apartheidsystems ist das einzig denkbare Resultat, da es notwendig ist.
Die Frage lautet also nicht ob, sondern wann es geschieht. Und natürlich auch, auf welche Weise."
Der Dokumentation dieses Ahmadinejad-kompatiblen Pamphlets Mankells, in dessen Logik jeder einzelne jüdisch-israelische Zivilist auch im Kerngebiet Israels wie ein "Besatzer" behandelt und - notfalls "zwangsweise" - der anstelle Israels zu errichtenden Herrschaft eines "palästinensischen Staates" unterworfen werden kann, stellt das Blog der Berliner GfbV das folgende Lob des Autors voran:
"Es liegt nahe, dass Kultur und Literatur einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung leisten können. Das ist auch einer der Gründe, warum Regime häufig auch die kulturelle Würde ihrer Minderheiten mißachten [hier wird auf einen Bericht über die VR China verlinkt; Anm. von mir, Daniel Schikora] – um sie besser assimilieren zu können. Nun hat Henning Mankell sich über seinen Einsatz für Afrika hinaus verdient gemacht: mit einem Beitrag zum Palästinensischen Literaturfestival.
Er weist dabei besonders auf den Versuch des israelischen Militärs hin, genau dieses Literaturfest zum Schweigen zu bringen. [...]"
Die Nichtrespektierung der Souveränitätsrechte Israels und Bekundungen der Sympathie für Gewalt gegen loyale israelische Bürger firmieren bei deutschen Menschenrechtlern also unter "Kultur" und "Völkerverständigung". Diese Art der Legitimierung antiisraelischer Hetze gemahnt unwillkürlich an die Tradition einer Dichotomisierung von Kultur und Zivilisation, die Henryk M. Broder, wie folgt, aufs Korn genommen hat: "In Deutschland legt man größten Wert auf die Kultur und verachtet die Zivilisation. Ich lege größten Wert auf Zivilisation, weil ich die für etwas Verpflichtendes, Verbindliches halte. Kultur hingegen ist individuell. Mein Lieblingsbeispiel als Erklärung geht so: Kultur ist, wenn ich Ihnen den Kopf abhacke und daraus eine Blumenvase mache, Zivilisation hingegen ist, wenn ich dafür ins Gefängnis gehe."