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04.02.2012
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     Daniel Leon Schikora
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Antiisraelische Hetze enttabuisiert
Weitere Themen: Nahost-Konflikt

Die Auszeichnung der Hamas- und Hisbollah-Apologetin Felicia Langer mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse hat - wie zu erwarten war - auch jene Segmente der deutschen "Zivilgesellschaft", die sich in Sachen "Israel-Kritik" bisher eher zurückgehalten hatten, dazu ermuntert, ihrem Ressentiment gegen den einzigen freiheitlichen Verfassungsstaat des Nahen Ostens freien Lauf zu lassen.

Die 'Enttabuisierung' eines Antiisraelismus, der sich nicht darin erschöpft, Israel einseitig für die Nichtexistenz eines souveränen arabisch-"palästinensischen" Staates verantwortlich zu machen, sondern die Staatsgründung Israels als solche zu delegitimieren trachtet, läßt sich paradigmatisch an einer Veröffentlichung im Blog der Berliner Sektion der "Gesellschaft für bedrohte Völker" (GfbV) aufzeigen. Zwar hatte diese Menschenrechts-NGO niemals israelfreundliche Positionen vertreten, sondern vielmehr den "Israel-Kritikern" Uri Avnery, Rupert Neudeck und Ludwig Watzal eine Plattform geboten. Aber das Recht Israels auf eine souveräne Existenz war bislang auch seitens der GfbV nicht bestritten worden, und von den antisemitischen Äußerungen etwa des ex-grünen "Israel-Kritikers" Jamal Karsli, eines zeitweiligen Weggefährten der GfbV, hatte sich die NGO distanziert.

In offenem Gegensatz zu einer solchen Positionierung wurde am 30. Juli unter dem Titel "Israels Apartheidpolitik? Ein offener Brief Henning Mankells" für einen wütenden Angriff auf die jüdische Republik geworben, dessen Autor - der Schwede Mankell - ausdrücklich nicht für eine "Zweistaatenlösung", sondern für die Verwerfung einer solchen Option zugunsten der Zerstörung Israels plädiert:

"[...] 1948, als ich geboren wurde, erklärte Israel seine Unabhängigkeit auf besetztem Gebiet. Es gibt keinerlei Gründe dafür, dass dies eine völkerrechtlich legitime Handlung war. Man besetzte ganz einfach palästinensisches Land. Und man fährt fortlaufend fort, diesen Landbesitz zu vergrössern, etwa durch den Krieg 1967 und heute durch die ständige Zunahme an Siedlungen. [...] Eine Zwei-Staaten-Lösung bedeutet nicht, dass die historische Besatzung aufgehoben wird.

Israel wird es genauso ergehen wie Südafrika unter der Apartheidzeit. Die Frage ist nur, ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird.

Auch kann niemand sagen, wann es geschieht. Der endgültige Aufruhr wird natürlich von innen kommen. Aber plötzliche Veränderungen in Syrien oder Ägypten werden dazu beitragen können.

Ebenso wichtig ist selbstverständlich, dass die USA es sich bald nicht mehr leisten können, diese abscheuliche Kriegsmaschine zu bezahlen, die Steine werfende Jugendliche von einem normalen Leben in Freiheit fernhält.

Wenn Veränderungen kommen, wird es von dem einzelnen Israeli abhängen, ob er oder sie bereit ist, auf seine Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben. Ich stiess auf meiner Reise auf keinen Antisemitismus. Hingegen auf einen normalen Hass auf die Besatzer. Es ist wichtig, diese Dinge auseinanderzuhalten.

[...]

Der Staat Israel hat nur eine Niederlage zu erwarten, wie alle Besatzungsmächte.

Die Israelis vernichten Leben. Aber sie können nicht die Träume zerstören. Der Untergang dieses verächtlichen Apartheidsystems ist das einzig denkbare Resultat, da es notwendig ist.

Die Frage lautet also nicht ob, sondern wann es geschieht. Und natürlich auch, auf welche Weise."

Der Dokumentation dieses Ahmadinejad-kompatiblen Pamphlets Mankells, in dessen Logik jeder einzelne jüdisch-israelische Zivilist auch im Kerngebiet Israels wie ein "Besatzer" behandelt und - notfalls "zwangsweise" - der anstelle Israels zu errichtenden Herrschaft eines "palästinensischen Staates" unterworfen werden kann, stellt das Blog der Berliner GfbV das folgende Lob des Autors voran:

"Es liegt nahe, dass Kultur und Literatur einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung leisten können. Das ist auch einer der Gründe, warum Regime häufig auch die kulturelle Würde ihrer Minderheiten mißachten [hier wird auf einen Bericht über die VR China verlinkt; Anm. von mir, Daniel Schikora] – um sie besser assimilieren zu können. Nun hat Henning Mankell sich über seinen Einsatz für Afrika hinaus verdient gemacht: mit einem Beitrag zum Palästinensischen Literaturfestival.

Er weist dabei besonders auf den Versuch des israelischen Militärs hin, genau dieses Literaturfest zum Schweigen zu bringen. [...]"

Die Nichtrespektierung der Souveränitätsrechte Israels und Bekundungen der Sympathie für Gewalt gegen loyale israelische Bürger firmieren bei deutschen Menschenrechtlern also unter "Kultur" und "Völkerverständigung". Diese Art der Legitimierung antiisraelischer Hetze gemahnt unwillkürlich an die Tradition einer Dichotomisierung von Kultur und Zivilisation, die Henryk M. Broder, wie folgt, aufs Korn genommen hat: "In Deutschland legt man größten Wert auf die Kultur und verachtet die Zivilisation. Ich lege größten Wert auf Zivilisation, weil ich die für etwas Verpflichtendes, Verbindliches halte. Kultur hingegen ist individuell. Mein Lieblingsbeispiel als Erklärung geht so: Kultur ist, wenn ich Ihnen den Kopf abhacke und daraus eine Blumenvase mache, Zivilisation hingegen ist, wenn ich dafür ins Gefängnis gehe."



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Kommentare (16)




 
  Kommentare (16)

Bernd Dahlenburg, 17.09.2009 22:07
Ebenherz, 11.08.2009 17:51
@vonhaeften

Jemanden fuer seine Meinung verklagen, so schnell und einfach wie moeglich.

Sind Sie sich eigentlich darueber bewusst, das genau solche Leute wie Sie im Dritten Reich und in der DDR die Taeter waren?

Ebenherz,

ich würde vorschlagen, dass Sie sich endlich offen zu Zaroff bekennen. meinen Sie wirklich, dass Sie mit ihrer "Man-darf-Israel-nicht-kritisieren"-Tour durchkommen, ohne dass man den Judenhasser aus Ihnen raushört?


Bernd Dahlenburg, 17.09.2009 22:02
Ebenherz, 08.08.2009 13:16
@willow

Ich habe keine Lösung für die vorherrschenden Probleme im Nahen Osten.
Den besten Ansatz hatte noch immer Yitzhak Rabin.

Wenn Sie jetzt noch ansprechen, wie Arafat Rabin betrogen hat, sind wir schon einen Schritt weiter.

Sie sind doch gegen Tabus, stimmt's?


Ebenherz, 11.08.2009 17:51
@vonhaeften

Jemanden fuer seine Meinung verklagen, so schnell und einfach wie moeglich.

Sind Sie sich eigentlich darueber bewusst, das genau solche Leute wie Sie im Dritten Reich und in der DDR die Taeter waren?


vonhaeften, 10.08.2009 21:21
@Zaroff, 10.08.2009 09:52:
"Mankell hat völlig recht.
Der rassistische Apartheitsstaat Israel hat weder Existenzberechtigung noch auf die Dauer die Möglichkeit zu überleben.
Der Zionismus ist ein Schlag gegen alles, was wir als westliche Werte empfinden und wird solange Unruhe stiften, bis er verschwinden muß.
Eine Welt ohne Israel wird eine bessere Welt sein, das dürfte für jedermann spontan einsichtig sein."

Mir sind Nazis, die ehrlich ihre Meinung sagen, immer noch lieber als verklemmte Antisemiten, da ja "nur Israel kritisieren wollen".
U.a. deshalb, weil man jemanden wie den Verfasser dieser Vernichtungs-Email schneller verklagen kann, was bei Walser/Grass/Blüm/Neudeck et.al. leider nicht so einfach ist.


Zaroff, 10.08.2009 09:52
Mankell hat völlig recht.
Der rassistische Apartheitsstaat Israel hat weder Existenzberechtigung noch auf die Dauer die Möglichkeit zu überleben.
Der Zionismus ist ein Schlag gegen alles, was wir als westliche Werte empfinden und wird solange Unruhe stiften, bis er verschwinden muß.
Eine Welt ohne Israel wird eine bessere Welt sein, das dürfte für jedermann spontan einsichtig sein.


Jan van der Belt, 08.08.2009 19:44
Diese ewigen Debatten auf der Meta-Ebene - welche Israel-Kritik ist erlaubt, welche schon antisemitisch - sind Spiegelfechtereien, die nur davon ablenken, dass der Konflikt der beiden Völker in Israel/Palästina längst unlösbar geworden ist. Dazu braucht man keine obskuren Quellen, sondern man kann Amos Elon oder Perry Andersons meisterhaften Essay über die Geschichte Israels lesen. Spätestens seit Sharons Besuch auf dem Tempelberg und allem, was daraus folgte, kann kein Staatsmann der Erde hier noch Ruhe stiften. Zwei hysterische Opfervölker, die beide unterschiedliche, aber gute Gründe haben, sich so zu sehen, verzehren sich in Misstrauen und Hass. An Israel, als dem vorerst stärkeren, nervt vor allem die unendliche Selbstgerechtigkeit - man setzt Splitterbomben ein (Libanon) oder wirft Phosphor auf UN-Schulen (Gaza) - und wer was sagt, kriegt den Holocaust zu hören. Die Palästinenser wiederum können außer kreischen und Bomben schmeißen auch nichts, anstatt, dass sie die Öffentlichkeit v.a. in den Vereinigten Staaten mal für sich einnähmen und ihre Sicht so rational darlegen würden wie das die Unterstützer Israels tun. Der Rest der Welt ist beide Fanatismen längst überdrüssig, und das wird am Ende zu Lasten Israels ausschlagen - die Palästinenser haben nämlich eh nichts zu verlieren, während die Israelis langsam, aber sicher zu einer gated minority im Nahen Osten werden. Was, wenn die westliche Welt, die Israel jetzt noch stützt und finanziert, findet, der Aufwand lohne sich nicht mehr? Dann wird es nur noch um die hoffentlich humane Rückabwicklung des Experiments einer Nationalstaatsgründung auf fremden Boden gehen. Oder die Sache artet in einen Religionskrieg aus, dann gibt es gar keine Rettung mehr. In der historischen kurzen Frist bis dahin (meine Prognose: weniger als 50 Jahre) können wir uns in aller Ruhe weiter über Israel, Antisemitismus und Meinungsfreiheit streiten.

Ebenherz, 08.08.2009 13:19
@willow

Ich habe keine Lösung für die vorherrschenden Probleme im Nahen Osten.
Den besten Ansatz hatte noch immer Yitzhak Rabin.

Aber um zum Thema zurück zu kommen. Das Finden einer Lösung wird durch Tabuisieren von Meinungen nicht einfacher. Es müssen sowieso alle Seiten gehört werden, ansonsten wird man ewig mit vielen Opfern eine 'brüchige und verletzliche Ruhe' erkaufen müssen.

Der Israelisch-Palästinensische Konflikt ist das anschaulichste Beispiel um diese Mechanismen zu verstehen.
Wer will, kann sehen.


Ebenherz, 08.08.2009 13:16
@willow

Ich habe keine Lösung für die vorherrschenden Probleme im Nahen Osten.
Den besten Ansatz hatte noch immer Yitzhak Rabin.

Aber um zum Thema zurück zu kommen. Das Finden einer Lösung wird durch Tabuisieren von Meinungen nicht einfacher. Es müssen sowieso alle Seiten gehört werden, ansonsten wird man ewig mit vielen Opfern eine 'brüchige und verletzliche Ruhe' erkaufen müssen.

Der Israelisch-Palästinensische Konflikt ist das anschaulichste Beispiel um diese Mechanismen zu verstehen.
Wer will, kann sehen.


Carl, 08.08.2009 10:19
Wozu sollte man aus Perspektive des Lesers eigentlich ein Produkt wie "Die Freie Welt" brauchen? Richtig, um Nachrichten oder Meinungen zu lesen, die man sonst nicht findet.

Was Sie hier regelmäßig veröffentlichen, werter Herr Schikora, finde ich in jeder x-beliebigen Zeitung und zwar in Legion. Um solch grobe Einseitigkeiten in Tendenz zu lesen benötige ich die FW nicht. Dazu benötigt sie niemand.


willow, 07.08.2009 20:39
@Joachim Fulda

Danke für ihre Worte... danke.

@Ebenherz

Israel wurde über längere Zeit von der Hisbollah beschossen (nicht mit Sylvesterraketen), Soldaten wurden ermordet bzw. entführt. Die Weltgemeinschaft schwieg... wie hätten sie reagiert? Nach dem Rückzug aus Gaza, dem vollständigen Abbau aller Siedlungen -angeblich ja dem Haupthinderniss für Frieden überhaupt- was bekam Israel? Wie reagierten die im Gazastreifen eigenverantwortlich regierenden Palästinenser? Frieden? Kooperation? Nein, Entführung und Ermordung israelischer Bürger, Raketenangriffe- Angriffe die sofort nach dem Abzug begannen und über Jahre anhielten... was hätten sie als israelischer Politiker den davon betroffenen Bürgen gesagt, wie reagiert?

Im übrigen, die beiden Aktionen haben zumindestens ein Resultat gehabt: es herscht eine gewisse Ruhe, brüchig und verletzlich zwar, aber immerhin...




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