Katholiken wählen CDU, Arbeiter wählen SPD - das war das Credo der "alten Bundesrepublik". Die Arbeiter waren sämtlich in der Gewerkschaft und das Bündnis mit der Sozialdemokratie "gottgegeben". Nun will die IG Metall keine Wahlempfehlung mehr für die SPD geben und kommt damit eigentlich 10 Jahre zu spät und kämpft doch nur gegen den eigenen Bedeutungsverlust.
Mit dem Antritt Gerhard Schröders zum Bundeskanzler 1998 zeigte sich der Strukturwandel der Gesellschaft, der Arbeitswelt und auch der politischen Lager. Die Agenda 2010 ist der Ausdruck dieses Wandels, der das Ende der klassischen Arbeiterpartei SPD zementierte und dem Wandel Rechnung trug:
Der Großteil der Arbeitskräfte ist nicht mehr in der Großindustrie, sondern bei kleinen und mittelständischen Unternehmen beschäftigt und die Mitgliedschaften in den Gewerkschaften nehmen stetig ab.
Die Antworten die die IG Metall und andere geben, sind die Antworten auf die Fragen des Arbeitsmarktes vor 1990. Die SPD-Abspaltung WASG hat längst die in der Vergangenheit verhafteten Gewerkschafter aus der Sozialdemokratie gelöst und mit den einstigen SED-Genossen zur Linken vereint.
Doch auch in der mal wieder "größten Krise des Kapitalismus" erhält diese "Gewerkschaftspartei nicht mehr Zustimmung.
Es gibt keine monolithischen Blocks mehr, die automatisch zur Union, der SPD oder den Gewerkschaften stehen und alles mittragen, komme was wolle.
Im Gegenteil, verlieren genannt Organisationen kontinuierlich Mitglieder, besonders die Gewerkschaften. Eine Verweigerung des Wahlaufrufs für die SPD mag Traditionalisten schocken, überraschend ist es nicht und aufgrund der Mitliedzahlen und der Bindung der Gewerkschafter zu ihrer eigen Situation auch nicht signifikant.