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23.05.2013
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     Günter Ederer
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2013 wird das Jahr der teuren Versprechungen
Weitere Themen: Innenpolitik, Wahlen

Die Neujahrsansprachen sind gehalten, alle guten Wünsche zum neuen Jahr verschickt, der Alltag hat uns wieder. Außer, dass wir jetzt unsere Datumszeile mit 2013 kennzeichnen, ist nichts passiert. Es passt die Liedzeile: „Guten Morgen, liebe Sorgen, seid Ihr alle wieder da?“

 Jetzt könnte ich sie aufzählen, die Probleme – und Ihnen die Laune verderben. Staatsschulden, Eurokrise, Finanzkrise, Energiekrise, Kita-Kampf, Armutsbedrohung und alles, was uns sonst so täglich überfällt. Das ganze Besteck aus der journalistischen Miesmacherkiste.

Aber das muss ja nicht gleich in meiner ersten Kolumne im Jahr 2013 sein. Diese Jahreszahl hat etwas Positives: 2013 wählen wir einen neuen Bundestag. Dazu kommen drei wichtige Landtagswahlen in Niedersachsen, Bayern und Hessen. Und Wahljahre haben ihren eigenen Ablauf. Da ticken die Uhren anders.

Das fängt damit an, dass sich das Wahrnehmungsvermögen der Parteien schlagartig ändert. All die bösen Probleme, die ich angedeutet habe, schrumpfen zu kleinen beherrschbaren Häppchen zusammen. Im Mittelpunkt steht jetzt das gefühlte Wohlbefinden des Wählers. Ein Wahljahr ist so etwas wie eine endlose Weihnachtsbescherung. Da werden Geschenke unter den Baum der Verheißung gelegt. Hübsch verpackt. Soziale Wohltaten, die alle irgendwie auch gut klingen. Mehr Rente für die Erziehungsjahre für Mütter. Mehr Kita-Plätze vom Säugling bis zum Schulkind. Flächendeckend Ganztagsschulen mit kostenlosem Bio-Mittag_essen, weg mit den Resten der Studiengebühren und her mit mehr preisgünstigen Studentenunterkünften. Einzelförderung für Immigranten, länger Erziehungsgeld für Väter ... Sie werden entschuldigen, wenn ich hier die Abteilung Kinder und Jugendliche abbreche.

Schließlich brauchen wir ja auch noch Platz um den Weihnachtsbaum des Wahljahres für die Rentner, die Alten, die Arbeitslosen, die berufstätigen Armen und die Berufsarmen; das sind diejenigen, die sich von Berufs wegen um die Verpackung der Geschenke kümmern. Da gibt es viel zu tun.

Zum Beispiel die kranken Armen; die alten Kranken, die arbeitsfähigen Alten, aber Kranken; die arbeitslosen Rentner, die Frühkranken, die abgearbeiteten Dachdecker und die psychofertigen Lehrer: Also auch hier höre ich jetzt einfach auf, alle Betroffenengruppen aufführen zu wollen. Das kann ich nicht. Deshalb verdienen die Parteien unsere Bewunderung, dass sie es schaffen, keinen bei ihren Wahlpaketchen zu vergessen. 
Alt und jung, arm und reich, dick und dünn, weiß oder farbig, hetero, homo oder mit Harem – jeder ist schließlich Wähler.

Also werden wir im Jahre 2013 von Versprechungen verwöhnt und können die trüben Gedanken, die meist mit unangenehmen Zahlen verbunden sind, eine zeitlang vergessen. Ich hatte versprochen, Sie nicht mit den Depressionsrealtitäten zu belästigen.

Blöd nur, der Weihnachtsabend, an dem die Geschenke geöffnet werden, ist schon im September. Und dann werden wir in der Tat deppert dreinschauen. Die Schachteln sind nämlich leer. Nicht ganz: Im üppigen bunten Packpapier sind Schuldscheine versteckt. Da steht dann darauf, was wir für die ganzen Geschenke bezahlen müssen – egal, ob wir sie erhalten haben oder nicht. Mit Zins und Zinseszins dürfen wir dann lesen, was die Eurosolidarität kostet, die Phantasien der Energiewende, die Verstaatlichung der Familie, die angebliche kostenlose Bildung. Sie werden dann in die ausdruckslosen Gesichter der „Wahlsieger“ schauen, die gnadenlos wie die Gerichtsvollzieher die Gelder eintreiben. Sie werden Ihnen erklären, dass dies mal wieder alternativlos ist und dass es zum Wahlkampf gehört, „Illusionen“ zu wecken, es allerdings unverschämt sei, die Parteien an ihre leeren Geschenkpakete zu erinnern.

Daran sollten Sie schon heute denken. Egal, ob Sie sich für das Merkel, das Steinbrück oder das Trittin entscheiden. Am Ende des Jahres 2013 haben sie alle genug Testosteron aufgebaut, um uns gnadenlos die Folterwerkzeuge aus dem Kasten der Schuldenmathematik anzulegen.

Zuerst erschienen in der FULDAER ZEITUNG.




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Bild: Podium beim Forum Familie
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