Ich habe mir kürzlich einen Film angeschaut – Das Prinzessinenbad -. Der hat mich nicht nur etwas schockiert, sondern mich auch dazu gebracht, darüber nachzudenken, wo meine Tochter eigentlich aufwächst (meine Tochter ist fünf Jahre alt und geht nach den Sommerferien in die Vorschule).
Ich wohne in Berlin-Neukölln und habe mir vor ca. drei Monaten schon mal die Schule angeschaut, auf die sie 2010 gehen soll. Als ich die Hospitation beendet habe, habe ich gemerkt, dass nicht die Kinder, sondern die Lehrer und Erzieher das eigentliche Problem an den Berliner Schulen sind – zumindest hier in Berlin-Neukölln. Ich stand insgesamt eine Stunde auf dem Schulflur, sowie in verschiedenen Unterrichtsräumen zwischendurch, und alle paar Minuten wurde geschrieen, gemahnt und getadelt.
Die armen Kinder waren ja ganz eingeschüchtert und man kann wirklich nicht von sechs- und siebenjährigen Kindern schon erwarten, dass sie eine ganze Stunde lang still an ihrem Platz sitzen. Man muss auch dazu sagen, dass sie nicht laut waren und auch nicht wild durcheinander gerannt sind.
Ich habe den Lehrern angesehen, dass sie sich bemüht haben, nicht allzu streng zu wirken – weil ich da war: Eine Mutter, die sich die zukünftige Schule ihres Kindes anschaut. Aber sie haben den Eindruck auf mich gemacht, als würden sie ihren Beruf verfehlt haben.
Der Film „Das Prinzessinenbad“, der eher einer Dokumentation nahe ist – hat mir nochmal bestätigt: Wir – Eltern, Erzieher, Lehrer – sind das Leitsymbol unserer Kinder und wir zeigen unseren Kindern, wo es langgeht. Wenn sich eine Tochter, die gerade mal 15 geworden ist, mit ihrer Mutter am Küchentisch darüber unterhält, sie wolle heute nicht zur Schule, da sie gestern etwas zuviel getrunken hätte, dann spricht man meiner Meinung nach nicht mehr von freundschaftlichen elterlichen Gesprächen, sondern von Desozialisierung und elterlichen Nachlässigkeit.
Ich war vor allem darüber entsetzt, als sich die zwei Freundinnen – ich wiederhole – beide gerade mal 15, sich dann an eine Bar gesetzt haben und zwei Mai Tais bestellt haben. Was ist mit der Ausweiskontrolle?
Ist es wirklich so heutzutage? Muss ich mir als Mutter einer fünfjährigen Tochter zwei oder drei Jobs nehmen, damit ich meiner Tochter später eine bessere Umgebung bieten kann? Denn ich bin nicht reich. Und wenn man heute nicht reich ist und selbst nicht die Möglichkeit dazu hatte, etwas „Besseres“ zu werden, wird dann die eigene nächste Generation (meine Tochter) auch mit 15 am Tresen sitzen und ein Mai Tai bestellen?