Wie gerade in allen Zeitungen zu lesen ist, wurde wieder einmal bestätigt: je bemühter "sozial-gerecht" das Schulsystem, desto "Untermittelmaßniveau".
Erfrischend dazu ein Positionspapier der Liberaldemokraten - der Clou folgt am Schluss, verspreche ich und paraphrasiere:
Forderung: Rechtzeitige Begabtenförderung durch größere Flexibilität. Denn der Vorzug eines sozial-gerechten Schulsystems, gleiche Bildungschancen für alle Schüler, habe der Gleichmacherei zu Lasten notwendiger Förderung besonders begabter Schüler Platz gemacht.
Als Ursache der niedergehenden Schuldbildung wird das Ziel benannt, eben möglichst alle Schüler zum Abschluss des Abiturs zu führen. Das aber führe zu einer Nivellierung des Unterrichtsniveaus und schließlich - welch' Ironie - unvermeidlich zur Bildungsminimierung.
So ist es! Das saß!
Saß? Es handelt sich bei dem erwähnten Papier um Vorschläge des Politischen Ausschusses der LDPD, also des höchsten Gremiums einer der Blockparteien der DDR, an den IX. Pädagogischen Kongress unter Führung Margot Honeckers im Juni 1989.
Schöne neue Welt, in der heutige Bürgerliche auf dem Feld der System- und Kurskritik ausgerechnet von Blockparteien des SED-Staates überholt werden, ohne eingeholt worden zu sein.
Kleine Anmerkung meinerseits: Im Original heißt es natürlich "DDR-Schulsystem" und nicht "sozial-gerecht", "Abschluss der 10. Klasse" (!), nicht "Abitur".