In großen Anzeigen trommeln die betulichen Sparkassen plötzlich gegen die EU-Politik und warnen, dass die Spargroschen nicht mehr sicher sind. Sparkassen gegen EU, was ist da los? Sind die Sparkassen nun Euro-Kritiker?
Die erstaunliche Tatsache, dass die Sparkassen plötzlich gegen die EU wettern ergibt sich aus den Plänen der EU für eine sogenannte Bankenunion. In diesem Rahmen soll es eine gemeinsam Bankenaufsicht und einen gemeinsamen europäischen Einlagensicherungsfonds geben.
Der Einlagensicherungsfonds sichert das Geld der Bankkunden bei einer Pleite der Bank. Die Einlagen bei den Sparkassen sind besonders sicher, da eine Sparkasse für die andere im Krisenfall einsteht. Darüber hinaus noch die Landesbanken und die öffentliche Hand. Das ist ein riesiger Wettbewerbsvorteil der hiesigen Sparkassen. In Europa gibt es das sonst nicht und bei einem gemeinsamen europäischen Einlagensicherungsfonds wäre der Vorteil weg. Dann kommt alles in einen Topf.
Kein Wunder also, dass die Sparkassen Zeter und Mordio schreien. Jetzt trifft die Unbill der EU-Politik einen mächtige Akteur und der haut publizistisch auf die Pauke. Stück für Stück frisst sich die zentralistische Logik der EU in unser Gemeinwesen und hebelt alles aus. Am Schluss sind auch die Mächtigen und Etablierten dran. Wer davor gewarnt hat, der wurde von genau diesen Institutionen, die jetzt zu jammern beginnen, zurechtgewiesen. Nein, die Vorraussagen der Kritiker der jetzigen Form der Euro-Politik treffen alle ein. Euro-Kritik ist nicht Europa-Kritik und schon gar nicht antieuropäisch.
Jetzt geht es den Großen an den Kragen und die merken, dass die EU eben nicht das allumfassende Heilsprojekt ist, für das sie uns gerne von oben verkauft wird. Könnte es gar sein, dass es vielen nur darum geht, sich mit deutschem Geld zu sanieren? Diese Vermutung kommt jetzt sogar bei den Sparkassen auf. Noch viele weitere deutsche Organisationen/Institutionen werden in Zukunft jammern und wehklagen. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Sie haben Jahre geschwiegen und mitgeholfen, uns den Kopf vollzudaddeln.
Gorbatschow sagte beim Besuch in der DDR Ende der 80er: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Jetzt könnte man formulieren: Wer zu spät kommt, den bestraft Europa.
Wir sollten trotzdem biblische Nachsicht üben und den reuigen Sünder wieder aufnehmen. Die Sparkassen sind ein guter Verbündeter im Kampf gegen den Zentralismus, für Berechenbarkeit und bodenständige Solidität. Packen wir's an.
von Dr. Christian Weilmeier
www.weilmeier.de