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20.05.2013
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Brandenburgischer Staatssekretär unterstützt Verharmlosung des Kommunismus
Weitere Themen: DDR-Unrecht, Allgemein

Gestern Abend ging in der Potsdamer Leistikowstraße die Auseinandersetzung um die kürzlich eröffnete Gedenkstätte im ehemaligen KGB-Gefängnis in eine neue Runde.

Zur Erinnerung: ehemalige politische Häftlinge der DDR und Insassen des KGB-Gefängnisses hatten im Juni bei der Eröffnung der Gedenkstätte gegen die Verharmlosung der Kommunistischen Diktatur in der neuen Ausstellung protestiert.
Bei Ministerpräsident Platzeck und Kulturstaatsminister Neumann machte dieser Protest so großen Eindruck, das sie nach den Eröffnungsfeierlichkeiten die Protestierenden in der benachbarten Villa Quandt besuchten, sich ihre Argumente anhörten und anschließend versprachen, dass es substantielle Veränderungen und notwendige Ergänzungen in der Ausstellung geben würde.
Der Gedenkstättenverein wollte nun in der Veranstaltung klären, welchen Änderungsbedarf es gibt und ob mit der Veränderung und Ergänzung der Ausstellung begonnen wurde.
Im Podium saßen neben der Gedenkstättenleiterin Dr. Reich der Staatssekretär für Forschung und Kultur Gorholt, die FDP Landtagsabgeordnete Teutenberg, Dr. Hubertus Knabe, der Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen und ich.
Insgesamt wurde in der Veranstaltung deutlich, wie groß der Veränderungsbedarf ist. Die Verharmlosung der kommunistischen Diktatur zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Ausstellung. Das geht mit dem Namen der Gedenkstätte los, in dem nicht darauf hingewiesen wird, dass es sich um ein ehemaliges KGB-Gefängnis handelt. Das Wort Kommunismus kommt an keiner Stelle vor. Statt dessen wird im DDR-Jargon vom „Militärstädtchen“ gesprochen, in dem sich mit Bekämpfung von Spionage befasst wurde. Betont wird der „Kalte Krieg“, satt herauszustellen, dass es sich bei der Smersch , der stalinistischen Spionageabwehr, um ein Terrorinstrument gehandelt hat, das die Aufgabe hatte, die kommunistische Diktatur im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands zu etablieren.  Die Schicksale der KGB-Häftlinge, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu 80% rehabilitiert wurden, also keine Nazi-, und Kriegsverbrecher waren, sind in der Ausstellung zwar dokumentiert, aber oftmals erst an zweiter oder dritter Stelle. Überlagert werden sie von überreichlichen Hinweisen auf die Baugeschichte des Hauses, die Aktivitäten des Evangelischen Landfrauenvereins, der vorher in diesem Gebäude residierte, die in den 70er Jahren inhaftierten straffällig gewordenen sowjetischen Soldaten.
Auch die Täter werden präsentiert, meist in ihrer privaten Umgebung. Für Soldatenblusen aus den 70er Jahren, einem sowjetischen Militärmantel, allerlei KGB-Devotionalien, gar ein überdimensionales KGB-Symbol, ist Platz. Für einen Holzkoffer, mit dem einer der Inhaftierten aus dem Gulag kam und den er der Gedenkstätte zur Verfügung gestellt hatte, aber nicht. Wie Hinweise auf den Gulag, das sowjetische Zwagsarbeitssystem, die Hingerichteten, fast vollständig fehlen. Bei den augenfällig dokumentierten Häftlingsschicksalen überwiegen solche, bei denen es tatsächlich eine Verstrickung im Nazisystem gab oder wo es sich im weitesten Sinne um Spionage gehandelt haben könnte. Botschaft: die Verhältnisse mögen schlimm gewesen sein, aber überwiegend hat es keine Unschuldigen getroffen. Das ist eine glatte Geschichtsfälschung.
Bei ihrer Stellungnahme zog sich Frau Dr. Reich darauf zurück, daß es aus Zeit-, und Geldgründen zu Lücken hätte kommen müssen, die leider aus Geldgründen in absehbarer Zeit auch nicht behoben werden könnten. Das wurde von den Anwesenden mit ungläubigem Gelächter quittiert. Einige boten Frau Reich umgehend unentgeldliche Hilfe bei der Umarbeitung an.
Staatssekretär Gorholt sah keinen grundlegenden Änderungsbedarf. Es würde bis auf kleinere Ergänzungen keine Korrekturen geben. Damit kassierte er in aller Öffentlichkeit die Zusagen seines Ministerpräsidenten. Ob er dazu berechtigt war, wird Matthias Platzeck schnell beantworten müssen.

Beitrag erschien zuerst auf achgut.com




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