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     Nikolaus Pachowiak
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Kapitalflucht
Weitere Themen: Finanzkrisen

Ein Gespenst

Immer häufiger wird man mit dem Problem der "Kapitalflucht" konfrontiert. Aus Misstrauen gegen einzelne Euro-Länder wie Griechenland oder Spanien oder sogar gegenüber der gesamten Eurozone zögen die Investoren und Anleger Kapital ab. Diese "Kapitalflucht" mache den Krisenländern die Krisenbewältigung unmöglich und bezogen auf die gesamte Eurozone gefährde sie den Außenwert des Euros. Aber macht es wirklich Sinn, das Geschehen als Kapitalflucht zu bezeichnen?

Kapital in Form von Maschinen, Werkzeugen, aber auch zu bearbeitendem Material kann nicht einfach fliehen. Neue Investitionen kann man im Ausland tätigen und in einem gewissen Umfang mag es auch möglich sein, Ersatzinvestitionen im Ausland zu tätigen, aber dieser Prozess ist nur im Zuge der normalen Kapitalbildung und -erhaltung möglich. Aber auch davon wird in der Realität nur ein Bruchteil tatsächlich im Ausland gebildet werden können. Beachtliche Größenordnungen kann dieses Geschehen in kurzer Zeit nicht annehmen.

Wenn Anleger und Investoren ihre Einlagen und Kredite von griechischen und spanischen Banken in großem Umfang abziehen und bei deutschen Banken anlegen wollen, so gehen die Banken Pleite. Wenn aber die EZB die Abhebung durch ihre größere Kreditvergabe an die bankrotten Banken ermöglicht, so übernimmt die EZB die riskanten Forderungen. Kapitalgüter sind durch diesen Vorgang keineswegs aus den Krisenländern abgezogen. Die EZB hat nur die riskanten Forderungen der Einleger übernommen und bei gegebener Geldpolitik im restlichen Euroland bessere Forderungen (z. B. gegen deutsche Banken) freigemacht, die nun die ausbezahlten Einleger direkt oder indirekt halten. Ein normaler Vermögenstausch hat somit stattgefunden.

Wie steht es nun mit der "Kapitalflucht" aus dem Euroraum? Ist sie die direkte Ursache einer möglichen Abwertung? Keineswegs. Wollen viele Einleger ihre Guthaben abziehen, so kann eine größere Abwertung nur dann erfolgen, wenn die Notenbank die Abhebungen durch Kreditausweitung ermöglicht. Dies ist Inflation und sie wäre dann der Grund, dass die Devisenkurse steigen (wenn nicht das Ausland noch stärker inflationiert). Die Vermögenswerte, die die Einleger dann im Ausland erwerben könnten, würden ökonomisch von denen getragen werden, die durch das Steigen der Devisenkurse und der Preise leiden müssten. Auch hier wäre kein Kapital "geflohen".

Vor dem Phantom der Kapitalflucht braucht kein Land Angst zu haben. Um den Kapitalstock und damit den Lebensstandard in einem Land zu erhöhen, muss man keine Maßnahmen ergreifen, um eine Kapitalflucht zu verhindern, sondern man muss aufhören, die Bildung und Erhaltung von Kapital zu bestrafen. Die einzelnen Staaten müssen aufhören, durch immer größere Schulden den Konsumstandard der Bevölkerung künstlich hoch zu halten und damit Kapitalaufzehrung zu betreiben. Würde dann noch die EZB aufhören, bankrotte Banken durch Kreditausweitung zu retten, könnte es gar nicht zu einem großen Misstrauen gegen die Währung kommen. Denn zum Misstrauen gegen eine Währung braucht man Geld!




Kommentare (2)




 
  Kommentare (2)

Hans von Atzigen, 18.08.2012 20:27
Ausgezeichnete Ausfuehrungen kein grundsaetzlicher Einwand.Leider werden solche Erkenntnisse erst im Verlauf der laufenden Kriese publick und zur Kenntnis genommen.Das ganze ist ein enormes Debakel.Wird die Geldzufuhr abgeklemmt geht es vertikal in den Abgrund.Wird weiter Geld zugefuehrt geht es ebenfalls in den Abgrund,einfach zeitlich verzoegert.Der Knackpunkt der wenig Hoffnung verspricht, sind die laengst verheerend aus dem Ruder gelaufenen Realwirtschaftsdaten.Monetaere Verwerfungen sind bis zu einem gewissen Grade korrigierbar.Eine kapute Realwirtschaft zu reparieren ist um Potenzen aufwaendiger.

K. L., 18.08.2012 11:40
Guter Artikel. Danke, Herr Pachowiak!
Hoffentlich gibt es hier künftig noch mehr von Ihnen zu lesen.



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