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26.05.2013
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     Vera Lengsfeld
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Mit dem Maximo Lider in die schöne neue Ökodiktatur
Weitere Themen: Allgemein, Bildung

Wie viel Zynismus, Dummheit, Verblendung gehören eigentlich dazu, um einen von Spiegel- Online aktuell publizierten, ursprünglich in „Natur“ erschienenen Artikel „Wie Kuba die Insel der Energiesparer wurde“ zu schreiben und zu verbreiten?

Die Autorin, passenderweise Entenmann geheißen, bastelt eifrig an der Ente von der „nachhaltigen“ Öko-Idylle Kuba. Dabei offenbart sie eine Weltsicht, wie einst das notorische Kommunistenpaar aus Amerika, das 1937 durch die Hungergebiete der Ukraine fuhr, aus den Zugfenstern heraus die sterbenden Bauern sah und anschließend bescheinigte, die von Stalin inszenierte Hungersnot sei lediglich eine Erfindung der Feinde der Sowjetunion.
Was Frau Entenmann zu veröffentlichen wagt, sieht aus wie eine bitterböse Satire auf den Klimaschutzwahn, ist aber ernst gemeint. Deshalb kann man den Text nicht als misslungenen Witz abtun, sondern muss sich ernsthaft damit auseinandersetzen.
Die Autorin kommt nicht umhin einzuräumen, dass Kuba seit es von Castro und Genossen beherrscht wird, an einer Dauerenergiekrise leidet, die seinen Bewohnern beinahe täglich mehrstündige Stromausfälle beschert. Natürlich ging das nicht ohne Verweis auf das amerikanische Embargo, also auf die wahren Schuldigen ab. Vor sieben Jahren hat der Maximo Lider Castro den Klimaschutz als wohlfeiles Instrument, von seinem volkswirtschaftlichen Versagen abzulenken, entdeckt.
Energiesparen sei so etwas, wie die Entdeckung einer gigantischen Ölquelle. Also verordnete er seinem ohnehin unterversorgtem Volk „Energiesparmaßnahmen“.
Entenmann berichtet begeistert:
„Innerhalb von nur sechs Monaten gelang es Castros Sozialarbeitern, über neun Millionen Glühlampen in privaten Haushalten, Ämtern oder Fabriken aus Lampenfassungen zu schrauben und durch Energiesparlampen zu ersetzen. In nur zwei Jahren wurden zwei Millionen Kühlschränke entsorgt, dazu eine Million Ventilatoren, 180.000 Klimaanlagen und 260.000 Wasserpumpen.“
Neue „Energiespargeräte“ mussten sich die Kubaner auf Pump kaufen, wenn sie es konnten. Die meisten werden nicht gekonnt haben.
„Auch mit neuen Stromtarifen erzog er sein Volk zum Energiesparen: Wer weniger als 100 Kilowatt im Monat verbraucht, bezahlt nur neun Centavos pro Kilowatt; das entspricht rund 0,004 US-Dollar. Jedes Kilowatt mehr treibt die Stromrechnung sprunghaft in die Höhe.“
Das alles mag sehr diktatorisch klingen, räumt die Autorin ein, aber es hätte Kuba zum „nachhaltigsten Land der Erde gemacht“.
Hat Entenmann da nicht etwas übersehen? In Nordkorea, das wusste die verblichene Natur-Autorin Luise Rinser zu berichten, würden die Bewohner in geradezu vorbildlicher Weise Ressourcen schonend leben. Bis in die jüngste Zeit verhungerten Nordkoreaner umweltverträglich, das verschwieg Frau Rinser lieber.
Frau Entenmann verschweigt, wie erbärmlich die Kubaner leben müssen. Ihrer Meinung nach scheinen, man achte auf das „scheinen“, so ganz wohl ist Entenmann offensichtlich nicht bei ihrer Reportage, die Kubaner zu profitieren.
Das will sie Pedro Pi bemerkt haben, einem potemkinschen Dorf mit Solardächern, in das Journalisten und Reisegruppen gekarrt werden, die das typische kubanische Landleben kennenlernen wollen.
Hier können die Bewohner sogar im Winter warm duschen, eine Wohltat, die vielen Bewohnern Havannas und es restlichen Landes, wo viele Wohnungen nicht mal fließendes Wasser haben, u.a. weil die „energiefressenden“ Wasserpumpen entsorgt werden mussten, verwehrt bleibt. So lange Frau Entenmann sicher sein kann, dass sie in ihrem Hotel von solchen Misslichkeiten verschont bleibt, findet sie die kubanischen Zustände um der Nachhaltigkeit willen vorbildlich.
So sieht das „Aufbauwerk“ aus: weil 2300 Schulen des Landes nicht ans Stromnetz angeschlossen waren, gliederte man ihnen Viehställe an, um Biogasanlagen zu installieren. Für die Schulspeisung bastelte man „einfache, aber hocheffiziente Herde aus Lkw-Bremstrommeln und Ölfässern“, weil es für die Schulen weder Strom, Gas noch Holz gab.
Von den Landarztpraxen hatte nur jede Dritte Strom aus einem Dieselgenerator. Macht nichts, dafür belasten diese Praxen nicht die Ökobilanz. Eines Tages, verspricht Castro, wird mit Solarpaneelen Abhilfe geschaffen.
Hermann Scher war vor seinem Ableben mehrfach auf Kuba, um hier eine Dependance von „Eurosolar“ zu gründen. Wer von diesem hehren Vorhaben profitierte, außer den Solar- Subventionsempfängern, will Entenmann lieber nicht genau wissen.
Wenn ein Dorf Glück hat, reicht der Solarstrom für den Dorffernseher, vor dem sich am Abend alle versammeln. Da kommt ein im Westen ganz unbekanntes Gemeinschafts-,und Wärmegefühl auf.
Auch mobil sind die Kubaner. In Havanna, wo der Busverkehr nicht in Gang kommen will, teilt man sich die Taxis und läuft gesundheitsfördernd und Klima schonend weite Strecken.
In Cárdenas, einer Provinzstadt dagegen, herrscht fließender Verkehr.  “Wir haben Hunderte Pferdekutschen, die feste Routen fahren und jeweils zwölf Personen fassen. Dazu Ochsenkarren, die Lasten transportieren und schätzungsweise 100.000 Fahrräder, die unsere Einwohner mobil machen“, lässt sich ein ökobewegter Padre stolz zitieren.
Na wunderbar, wenn bei uns endlich kubanische Zustände einziehen, stellt Spiegelchef Aust ganz bestimmt seine edlen Zuchtpferde zur Verfügung, damit der öffentliche Verkehr in Potsdam dann ebenso fließt, wie heute schon in Cárdenas.
Kubas Erfolge beim Energiesparen sind unbedingt nachahmenswert:
„ Heute verbraucht die Karibikinsel 34 Prozent weniger Petroleum, 37 Prozent weniger Flüssiggas und 80 Prozent weniger Benzin. Kubas Pro-Kopf-Energieverbrauch beträgt nur ein Achtel des Verbrauchs eines US-Haushalts,“ lässt uns Entenmann wisssen.
Also dann: mit dem Maximo Lider in die schöne, neue Ökodiktatur! Das selbst ernannte Sturmgeschütz der Diktatur, äh, Demokratie weist uns den Weg.

Beitrag erschien zuerst auf achgut.com




Kommentare (2)




 
  Kommentare (2)

Jochen Reimar, 14.08.2012 12:34
In der Tat, die Erkenntnisse Frau Entenmanns sind an Zynismus nicht zu überbieten. Fehlt nur noch der Hinweis, daß man in der Sahelzone große Erfolge bei der Bekämpfung von Übergewichtigen erzielt hätte.
Wenn uns das bevorsteht, was in Kuba so gepriesen wird, dann Gut' Nacht, Hütte! Das kann doch nicht allen Ernstes ein Vorbild sein?


Georg Meier, 14.08.2012 08:31
Liebe Frau Lengsfeld, die 'große' Hungersnot in der Sowjetunion war nicht 1937, sondern 1933. Ich bitte dies zu berücksichtigen. 1937 war auch nicht gut, aber es war die Zeit der Jeschowtschina, nicht des holodimir.


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