Geschichtsaufarbeitung: umfassendes Interventionnismus- und Regulierungsversagen.
Substanzielle Untersuchungen der aktuellen Finanz- und Schuldenkrise besitzen eine große Bedeutung. Das liegt einerseits daran, dass immer noch viel Propaganda im Mainstream zirkuliert. Andererseits gilt es eine tragfähige alternative Erzählung anzubieten.
Russ Roberts hat genau das mit „Gambling with other people's money“ getan. Nun legen Patric H. Hendershott und Kevin Villani nach: "What Made the Financial Crisis Systemic?“ Ihre Antwort lautet, dass es sich nicht um eine unglückliche Verkettung isolierter Ereignisse gehandelt hat, sondern um die Konsequenzen einer Politik, die Märkten ihre Selbstregulierungsfunktion genommen hat. Die Pervertierung der Marktwirtschaft erfolgte durch öffentliche Unternehmen, öffentliche Protektion und Regulierung nicht zuletzt in Form von Aufsichtsregeln. In Ihrem gut zwanzigseitigen Cato-Papier gehen die beiden Ökonomen, Villani ist als früherer Mitarbeiter der US-Wohnungsbaubehörde ein Insider, der Regulierung und ihrer langen Geschichte seit der Weltwirtschaftskrise nach. Sie zeigen überzeugend auf
- in welchem Ausmaß ein bürokratisch-sozialer Komplex im Immobiliensektor errichtet wurde,
- wie die Anreizsysteme im Finanzsektor verändert wurden und
- wie kontinuierlich in Kongressanhörungen vor der Systemkrise gewarnt wurde.
Das Ergebnis einer Reihe von Krisen und der Regulierung vor der aktuellen Finanzkrise ist systemischer Moral Hazard – so mangelte es „der Regierung und den Regulatoren nicht an regulativer Kompetenzen, um Moral Hazard abzumildern, allerdings der politische Wille und die technischen Fähigkeiten, dies zu tun.“ Ihr Fazit: „Politiker sind verantwortlich sowohl für regulative Inkompetenz als auch Aufgaben induzierte Laxheit.“