suchen
22.05.2013
Einloggen | Registrieren
 
 
 
     Ansgar Lange
Zur Person und Archiv      Email an diesen Blogger schreiben

Eine unendliche Geschichte
Weitere Themen: Allgemein, Reformen, Wirtschaftspolitik

Streit über deutsches Glücksspielrecht wird wohl wieder vor Gericht ausgetragen

Die Kritik am deutschen Glücksspielstaatsvertrag reißt nicht ab. Jüngst hat die Monopolkommission in ihrem 19. Hauptgutachten http://www.monopolkommission.de/haupt_19/mopoko_volltext_h19.pdf dem Bundeswirtschaftsministerium unmissverständlich deutlich gemacht, dass das Gesetz in Schleswig-Holstein Vorbildcharakter habe, während der Staatsvertrag der übrigen 15 Länder über gravierende Schwächen verfüge.

Der Vorsitzende der Kieler SPD-Landtagsfraktion, Ralf Stegner, zeigt sich von dieser Kritik scheinbar unberührt: „Gutachten, die sich kritisch mit dem Glücksspielstaatsvertrag auseinandersetzen, gibt es viele, das ist nichts Neues.“ Seiner Meinung nach biete das Gesetz der christlich-demokratischen Vorgängerregierung „den legalen Anker für illegale Gelder“. Die SPD wolle „Wertschöpfung und Wirtschaftswachstum in der Realwirtschaft, mit guter Arbeit und ordentlichen Löhnen, und nicht in einem Glücksspielparadies Schleswig-Holstein“.

Diese Argumentation hört sich zunächst gut an. Aber hat sich Stegner ernsthaft mit den Argumenten der „Gegenseite“ beschäftigt oder das Gespräch mit den Glücksspielanbietern gesucht? Zweifel sind angebracht. Immer wieder werden Anbieter und Nutzer von Glücksspielen kriminalisiert. Bei Online-Poker sei beispielsweise eine besonders hohe Geldwäsche- und Suchtgefahr gegeben.

Dialog auf Augenhöhe mit Anbietern und Nutzern ist wichtig

Dr. Wulf Hambach, Gründungspartner der Kanzlei Hambach & Hambach Rechtsanwälte in München http://www.timelaw.de hält diese Argumentation für unredlich. „Ralf Stegner zum Beispiel behauptet, dass Online-Poker besonders gefährlich im Hinblick auf Geldwäsche sei“, so der Rechtsexperte im Gespräch mit PokerStrategy.com http://de.pokerstrategy.com/news/world-of-poker/Interview-mit-Dr.-Wulf-Hambach:-Wir-m%C3%BCssen-wieder-vor-Gericht-ziehen-_61465/. „Jedoch trägt er keine Argumente vor, warum das so sein soll. Herr Stegner hat sich weder mit den Anbietern, noch mit den Verbrauchern, noch mit dem Spiel an sich befasst, oder damit, wie andere Länder wie zum Beispiel Spanien, Dänemark, Großbritannien oder die Niederlande das Thema angehen.“

Hambach zufolge werde diese Ignoranz zur Folge haben, dass der Glücksspielstaatsvertrag den Politikern ganz schnell wieder auf die Füße fallen und ein Gang vor Gericht unausweichlich sein wird, schließlich gibt es nicht zuletzt starke europarechtliche Bedenken gegen den Vertrag.

Schleswig-Holstein ist einen anderen Weg gegangen als die übrigen Länder. Im September 2011 verabschiedete der Landtag ein eigenes Glücksspielgesetz, das bereits grünes Licht von der EU-Kommission erhalten hat. Im März 2012 wurden die Lizenzen ausgeschrieben. Die neue Landesregierung will dieses Gesetz nun wieder zurücknehmen. „Es besteht ein Rechtsanspruch eines jeden Anbieters auf diese Lizenzen“, betont Dr. Hambach. „Es kann nicht sein, dass ein Gesetz einfach nicht angewendet wird. So etwas gibt es nicht.“

In der Tat sprechen einige Fakten gegen das Vorhaben der neuen Landesregierung. Das schleswig-holsteinische Gesetz ist ja bereits von der EU-Kommission notifiziert worden. Nun müsste ein Gesetz, dass dies alles wieder rückgängig macht, ebenfalls notifiziert werden. Es ist kaum vorstellbar, wie ein solcher Akt juristisch begründet werden sollte, dass Lizenznehmern bestehende Rechte wieder wegnehmen will.

Durch Regulierung entsteht Rechtssicherheit für die Nutzer

Der Münchner Glücksspielexperte gibt sich derweil gelassen. Es seien ja bereits einige Lizenzen verteilt worden. Bis zum Herbst würden weitere dazukommen: „Die Anbieter, die eine Lizenz bekommen haben, also etwa zehn oder zwölf Anbieter, die werden natürlich genauso vor Gericht ziehen. Weil sie nur eine Sportwettlizenz bekommen haben und keine Online-Casino-Lizenz, die sie ja auch beantragt haben“.  Die Anbieter, die bisher eine Lizenz erhalten hätten, seien „keine kleinen Klitschen“. Vielmehr handele es sich um große, an der Börse notierte Unternehmen.

Nicht zuletzt die Verbraucher würden von einer flächendeckenden Legalisierung und Regulierung des Glücksspiels profitieren. Das sei genau wie beim Online-Banking oder bei jeder anderen Plattform im Internet, erläutert Dr. Hambach: „Der Verbraucher muss wissen, dass er seine Rechte geltend machen kann, wenn er dort spielt oder etwas kauft. Außerdem geht es um die Kanalisierung des Spieltriebes in geordnete und überwachte Bahnen.“

Doch von Argumenten der Vernunft haben sich bisher zu wenige (politische) Akteure im Dauerstreit über das deutsche Glücksspielrecht beeindrucken lassen. Wie so oft müssen also wahrscheinlich wieder Gerichte die Aufgaben übernehmen, zu deren Lösung sich ein Großteil der Landespolitiker (noch) nicht in der Lage sieht.

 




Kommentare (0)




 
  Kommentare (0)


Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 
Umfrage

Werden die Grünen jetzt ihre pädophile Vergangenheit aufarbeiten?

angieconscious/pixelio.de



Ergebnis




Spruch des Tages
"Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf." - Theodor Fontane

ANZEIGE

ANZEIGE

Interviews

Holger Krahmer Einheitliche EU-Steuersätze weder nötig noch sinnvoll
Holger Krahmer
FDP MdEP

Dr. Reinhard Löffler Cohn Bendit ist kein Vorbild
Dr. Reinhard Löffler
CDU-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg

Bruno Bandulet »Nach der Bundestagswahl wird richtig geschröpft«
Bruno Bandulet
Journalist

John Allan Hattie Visible Learning
John Allan Hattie
Direktor des Melbourne Education Research Institute

Dominik Geppert »Eine extrem mutige und polarisierende Politikerin«
Dominik Geppert
Professor an der Universität Bonn

Mehr Interviews


Empfohlene Beiträge

CSU-Landesgruppe für EU-Referenden CSU-Landesgruppe für EU-Referenden

Lucke irritiert in Raab-Talkshow Lucke irritiert in Raab-Talkshow

Umfrage: Islam und Deutschland Umfrage: Islam und Deutschland

Pädophilie: Archivmaterial zu Cohn-Bendit unter Verschluss Pädophilie: Archivmaterial zu Cohn-Bendit unter Verschluss

"EU-Referendum jetzt"  - Joachim Spatz antwortet für FDP-Fraktion "EU-Referendum jetzt" - Joachim Spatz antwortet für FDP-Fraktion


Empfohlene Blogs

author Dr. Gérard Bökenkamp
Steuerwettbewerb und Bürgerbeteiligung statt Einheitssteuersatz

author Vera Lengsfeld
Der Tatort als geistiger Brandstifter

author Dr. Klaus Peter Krause
Immer wieder und immer noch - das Bodenreformland

author Jürgen Liminski
Volkes Wille gegen Ideologen

author Wolfgang Röhl
Auf der Reeperbahn nachts um halb zwei. Zur Debatte über einen Achse-Beitrag von Akif Pirincci


Meist gelesen
    Berliner AfD im Chaos

    EU-Geheimdienste außer Kontrolle?

    Forscher: Merkel war DDR treu

    »Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg

    Missbrauchsbeauftragter kritisiert Cohn-Bendit

Video

Beatrix von Storch zur Zypernkrise Beatrix von Storch zur Zypernkrise

Kurz-Interview: Prof. Joachim Starbatty Kurz-Interview: Prof. Joachim Starbatty

Die Zivile Koalition bei Russia Today auf Spanisch Die Zivile Koalition bei Russia Today auf Spanisch

Hedwig Beverfoerde bei Maybrit Illner: Kinder in die Krippen - Frauen in die Produktion? Hedwig Beverfoerde bei Maybrit Illner: Kinder in die Krippen - Frauen in die Produktion?

Beatrix von Storch zur Massenklage gegen die EZB vor dem Europäischen Gerichtshof Beatrix von Storch zur Massenklage gegen die EZB vor dem Europäischen Gerichtshof


Galerien

Forum Familie 2013 in Berlin Forum Familie 2013 in Berlin

Impulstag Familienwerte im Deutschen Bundestag Impulstag Familienwerte im Deutschen Bundestag

ESM-Diskussion vor 300 Gästen - Volles Haus gegen Schuldenunion ESM-Diskussion vor 300 Gästen  - Volles Haus gegen Schuldenunion


Reportage

»Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg »Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg

Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (2) Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (2)

Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (1) Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (1)

Beatrix von Storch in Baden-Württemberg Beatrix von Storch in Baden-Württemberg

Willensbildung: Bürger, mischt euch ein! Willensbildung: Bürger, mischt euch ein!

Mehr Reportagen


Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Allgemein
Strom: Wechseln lohnt sich
Babyklappen vor dem Aus?
Missbrauchsbeauftragter kritisiert Cohn-Bendit
Finanzkrisen
Deutschland: Zinsfalle ist zugeschnappt
»Einheitliche EU-Steuersätze weder nötig noch sinnvoll«
Lucke: Griechenland soll raus aus Euro
Nahost-Konflikt
Lage in Nahost spitzt sich zu
Naht US-Einsatz in Syrien?
SPD will Girokonto für alle
DDR-Unrecht
Medikamententests auch im Stasi-Knast?
DDR verkaufte Patienten als Versuchskaninchen
Roland Jahn: Allen DDR-Opfern gedenken
Bildung
»Der Markt entscheidet nichts«
Guter Unterricht braucht Leidenschaft
Good Teaching demands on Passion
Innenpolitik
Schneller Jobs für Asylbewerber
EU-Handelskrieg mit China?
Armenier fordern Verbot türkischer Schulbücher
Reformen
»Einheitliche EU-Steuersätze weder nötig noch sinnvoll«
Türkei nicht mehr Ramsch
Sarko-Kopie François Hollande
Wirtschaftspolitik
Deutschland: Zinsfalle ist zugeschnappt
»Einheitliche EU-Steuersätze weder nötig noch sinnvoll«
Ziel erreicht: Steuerlast in Frankreich bei 100%
Familie
Steinbrück gegen höhere Mütterrenten
Familienpolitik - wie in der DDR
Grüne wollen Missbrauch aufarbeiten
Autoindustrie
SPD und Grüne für Tempolimit
Automarkt brummt nicht mehr
Absatzkrise läßt Daimler straucheln
Wahlen
Italiens Establishment will Grillo kaltstellen
Steinbrück gegen höhere Mütterrenten
Neue Dreiprozenthürde: Bundestag will Kleinparteien bei Europawahl behindern
Justiz
Missbrauchsbeauftragter kritisiert Cohn-Bendit
Neue Dreiprozenthürde: Bundestag will Kleinparteien bei Europawahl behindern
BGH urteilt gegen Google

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008