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22.05.2013
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Warum mehr Kredite die Krise nicht lösen
Weitere Themen: Finanzkrisen, Reformen

Kredite können fehlende Qualifikation nicht ersetzen.

 

Der Ökonom Rughuram Rajan stellte in der Maiausgabe der Zeitschrift Foreign Affairs, die Logik der Rezessionsbekämpfung in Frage. Man habe auf den Einbruch der Kreditfinanzierten Blase mit dem Versuch reagiert, diesen Kreditfluss wieder zum Fließen zu bringen. Die politische Rhetorik ging in die Richtung, jedes Anzeichen von Erholung auf die Kredit- und Konjunkturpolitik zurückzuführen und jeden deutlichen Rückschlag darauf, dass noch nicht genug für die Nachfrage getan werde.

Seit Jahrzehnten würden die Arbeitsplätze, die durch die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit verloren gingen, durch Beschäftigung, die auf der Ausweitung der Nachfrage durch öffentliche Ausgaben und Niedrigzinspolitik ersetzt. Diese Politik sei mit dem Platzen der Immobilienblase gescheitert und könne nun nicht durch noch höhere öffentliche Kreditaufnahme weiter betrieben werden. Stattdessen müsse die bessere Qualifikation der Arbeitnehmer betrieben und die Rahmenbedingungen für unternehmerische Tätigkeit verbessert werden.

In den Jahrzenten nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Wiederherstellung der Weltwirtschaft mit einem außergewöhnlich hohen Wachstum einher. Diese Phase war in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts abgeschlossen. Mit dem Rückgang der Wachstumsraten, begannen die öffentlichen Ausgaben zu steigen. Mit der Technisierung ging nicht nur einher, dass hoch qualifizierte Arbeitsplätze besser bezahlt wurden als gering qualifizierte. Gering qualifizierte wurden in vielen Bereichen nicht mehr gebraucht. Das Bildungssystem habe bei der Anpassung an diese Rahmenbedingen versagt.

Statt dieses Problem grundsätzlich anzugehen, habe die Politik auf die Vergabe billiger Kredite gesetzt, um die Nachfrage anzukurbeln und den Wohlstand auch von weniger Qualifizierten zu erhöhen, für die ohne niedrige Zinsen ein Eigenheim nicht erschwinglich war. Auf diese Weise konnten die wachsenden Schwierigkeiten breiter Schichten der Bevölkerung sich mit ihrer Ausbildung im internationalen Wettbewerb zu behaupten verdeckt werden.

 Da der Immobiliensektor durch billige Kredite subventioniert wurde, fanden hier Bauarbeiter einen Job und mäßig verdienende ein neues Heim, dessen Wert von Jahr zu Jahr zu steigen schien. Das war eine spezifische Form von Sozialpolitik in den USA. In anderen Ländern etwa in Südeuropa war es die Ausdehnung des öffentlichen Dienstes, die die mangelnde Qualifikation und Produktivität der Arbeitskräfte für eine Weile verschleiern konnte.

Nach Rajans Einschätzung wird es für viele Länder in absehbarer Zeit schwer sein auf das Niveau vor dem Ausbruch der Finanzkrise zu kommen, da schon dieses Niveau durch staatliche Nachfrage und Niedrigpolitik künstlich angehoben worden war. Austeritätspolitik führe tatsächlich kurzfristig zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums, da diese künstlich über öffentliche Ausgaben finanzierten Teile der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes im Immobiliensektor und im öffentlichen Sektor unvermeidlicher Weise ohne dauerhafte Zuführung von Krediten schrumpfen. Stattdessen – so Rajan –  sollten die Rahmenbedingungen so verändert werden, dass die Arbeitskräfte aus diesen nicht nachhaltigen Teilen der Wirtschaft in produktive und wettbewerbsfähige Teile wechseln können und unternehmerische Tätigkeit attraktiver wird.

Information:

Rughuram Rajan: The True Lesssons of the Recession, in Foreign Affairs, May/June 2012.

Erschienen auf dem Blog des Liberalen Instituts




Kommentare (1)




 
  Kommentare (1)

Hans von Atzigen, 19.07.2012 08:40
Einwanfrei richtige Analyse.Bleibt nur noch anzufuegen das dafuer gleichzeitig eine Stabilisierung der Bevoelkerungszahlen notwendig gewesen waere.Regional und Global.Die Moeglichkeiten standen zur verfuegung.Humane Reproduktionskontrolle.Leider leider,Idelogie und Religionswahngestoerte haben dies Systematisch hintertrieben.


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