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23.05.2013
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     Steffen Hentrich
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Der Gipfel der ökologischen Naivität
Weitere Themen: Allgemein, Wirtschaftspolitik

Den “guten Diktator” empfiehlt Jorgen Randers, Professor für Klimastrategie an der norwegischen Schule für Management, vor ein paar Tagen im Tagesspiegel und er zeigt damit nicht nur wie ernst es den Umweltaktivisten mit ihrem Angriff auf die Freiheit ist, sondern auch die grenzenlose Naivität der politischen Allmachtsansprüche der Umweltideologie.

Ein absolutistisches Europa unter einer Diktatur der EU-Kommission auf Zeit und die Parteiendiktatur in China sind ganz nach dem Geschmack des Norwegers, der schon heute genau weiß wie die Welt im Jahr 2052 auszusehen hat. Da das kapitalistische Wirtschaftssystem mit der Diskontierung der Zukunft durch seine Akteure nicht nach dem Geschmack der Klimaschützer ist, soll dieser Systemfehler durch den weitsichtigen Diktator beseitigt werden. Interessen der gegenwärtigen Generation von Erdenbürgern stehen den Phantasien von der Weltrettung dabei nur im Wege. Die im Vergleich zu zukünftigen Generationen armen Menschen der Gegenwart sollen aus fragwürdigen Gerechtigkeitserwägungen noch mehr Opfer für die Zukunft bringen. Europas 20-20-20-Ziel oder das Durchregieren von Hochgeschwindigkeitsstrecken durch Chinas Kommunisten sind, auch wenn sie extrem viel teurer als andere Alternative oder ohne Rücksicht auf die Interessen der Bürger getätigt werden, ganz nach Randers Geschmack. Mit Gottvertrauen glaubt er daran, dass seine guten Diktaturen nach verrichteter Arbeit die Macht wieder abgeben.

Zu dumm nur, dass die Geschichte kaum Beispiele für eine Beendigung von Diktaturen ohne Blutvergießen kennt. Noch viel weniger Beispiele gibt es dafür, dass ein Diktator wirtschaftspolitisch vernünftige Entscheidungen getroffen hätte, ganz zu schweigen von den Konsequenzen einer Diktatur für die Freiheit der Bürger, die sie durchleiden mussten. Auch diesmal würde es nicht anders kommen, allein weil die Prämissen für eine Machtergreifung des “guten Diktators” schon mehr als dubios sind. Ist der Klimawandel wirklich das größte Problem der Menschheit, dem alles unterzuordnen ist? Schon darüber wird erbittert gestritten, weshalb man ja schon diesem Streit per Dekret des Diktators  am liebsten aus dem Weg gehen möchte. Ist die Diskontierung der Zukunft durch den Menschen im Kapitalismus tatsächlich ein Zeichen des Marktversagens? Wohl kaum, denn sie widerspiegelt nichts anderes als die Präferenzen der heute Lebenden im Bezug auf sich und ihre Nachfahren unter den Bedingungen von Risiko und einer unsicheren Zukunft. Wer sich hier mit viel Zahlenspielerei zum ethischen Gott aufschwingt zeigt nicht etwa, dass ihm  besonders viel an der Zukunft liegt, sondern nur wie wenig ihm die Bedürfnisse seiner unmittelbaren Zeitgenossen wirklich am Herzen liegen. Zudem zeigt Randers mit seiner Begeisterung für die EU-Klimaschutzziele wie wenig er sich mit der Diskontierungsdebatte tatsächlich auskennt. Vor zwei Jahren hatte der niederländische Ökonom Richard Tol auf Basis einer Metaanalyse verschiedener ökonometrischer Klimamodelle gezeigt, dass die Umsetzung der EU-Ziele selbst unter Annahme einer Nulldiskontierung nicht annähernd in die Nähe eines über dem Wert von eins liegenden Nutzen-Kosten-Verhältnisses kommt. Mit dem Diskontierungsargument lässt sich der absurden Klimapolitik der EU keineswegs die Absolution erteilen, zumal die Lippenbekenntnisse von der Generationengerechtigkeit nur in der Klimapolitik so populär sind. In keinem anderen Politikgebiet zeigen Politiker, dass ihnen kommende Generationen am Herzen liegen, seien es nun auf Pump finanzierte konsumtive Staatsausgaben, Sozialpolitik, die in aller Regel vor allem junge Menschen zugunsten der Alten belastet oder die Steuerpolitik, die Menschen daran hindert Ersparnisse für ihre Nachkommen zu bilden.

Aber auch was die Klimaschutzleistungen der chinesischen Regierung betrifft, ist Randers auf dem Holzweg. Die Pro-Kopf-Emissionen in China sind nicht etwa so niedrig, weil man dort “schon den Kurs” ändert, sondern weil die geringe Wirtschaftskraft des Landes die hohe Kohlendioxidintensität des Landes maskiert. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung werden beispielsweise vom Klimafrevler USA nur halb so hohe Emissionen von Kohlendioxid erzeugt. Es ist die Ineffizienz der Wirtschaft unter der chinesischen Diktatur, die Leuten wie Randers die Sicht vernebelt. Auch auf absehbare Zeit wird Chinas Diktatur es nicht schaffen diesen Rückstand aufzuholen, schon gar nicht mit erneuerbaren Energieträgern, von denen jeder weiß, dass ihr Klimaschutzpotential aufgrund der hohen Kohlendioxidvermeidungskosten sehr bescheiden ausfällt. In China werden nicht nur Windmühlen und Solaranlagen billig hergestellt, sondern auch die zu ihrer Produktion notwendigen Unmengen an Stahl, Beton und anderen Rohstoffe, was eine erhebliche Belastung für die Umwelt darstellt.

Trotz allem Dissens muss man Randers am Ende doch recht geben. Diktaturen eignen sich wirklich sehr gut zum Klimaschutz, denn sie sind ein Patentrezept für Armut und Unterentwicklung, einem Zustand der Menschen kaum in die Lage versetzt dem Klima gefährlich werden zu können. Stattdessen wird ihnen das Klima gefährlich, da ihnen die ökonomische Widerstandskraft fehlt den Unbilden der Natur entgegenzutreten. Mit Stillstand, Armut und im Zweifel auch Entrechtung haben Wachstumskritiker und Klimaschützer kaum Probleme, denn das sind nach Randers Auffassung nur die Kollateralschäden die den Weg in eine ökologische Zukunft säumen. Was aber sollen die Menschen in einer geretteten Welt genießen, in der ihnen Ökodiktatoren am Ende auch noch die Freiheit zu einem Leben in Selbstbestimmung rauben?

liberalesinstitut.wordpress.com




Kommentare (1)




 
  Kommentare (1)

Freigeist, 25.06.2012 16:39
Bei der Beschimpfung der Windkraft in Verhältnis zu Kohlekraftwerken sollten Sie sich etwas mehr zurück halten, denn dabei liegen Sie ziemlich falsch, insbesondere wenn es um China geht.


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