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22.05.2013
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     Dr. Michael von Prollius
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Die "unsichtbare Währungskrise"
Weitere Themen: Finanzkrisen

EZB und Regierungen wehren sich gegen die Marktkräfte, können die Währungskrise aber nicht mehr verschleiern, wie die TARGET2-Salden zeigen.

Der Degussa Marktreport ist eine gute Orientierungshilfe in geldpolitisch undurchsichtigen Zeiten.

In der Ausgabe vom 22.06.2012 erläutert Thorsten Polleit wie sich im Euroraum eine „unsichtbare“ Währungskrise entwickelt. Die Währungs- oder Zahlungsbilanzkrise schwelt bereits seit geraumer Zeit, weil mehrere Staaten des Euro-Raums sich nicht mehr auf den Kreditmärkten finanzieren können, präziser, nicht mehr zu erträglichen Konditionen. Die EZB hat einfach die Finanzierung übernommen, die private Investoren (angesichts der damit verbundenen Risiken) nicht mehr zu leisten gewillt sind. Außerdem finanziert die EZB die Zahlungsbilanzdefizite der Krisenländer, die auf ausländisches Kapital angewiesen sind, weil sie seit Jahren mehr importieren als exportieren. Schließlich finanziert die EZB auch noch die Kapitalflucht aus den Krisenländern, weil private Investoren ihr Geld in anderen Euro-Raum-Ländern anlegen. Eine der Kapitalflucht entgegen wirkende Wechselkursanpassung ist angesichts der Einheitswährung Euro ausgeschlossen. Zudem müss(t)en Preise, darunter auch Löhne und Gehälter, zur Anpassung beitragen, d.h. in den Krisenländern sinken. Mit eigener nationaler Währung war es noch möglich, die unbeliebte Absenkung der Löhne und Gehälter scheinbar zu vermeiden und durch die Hintertür mittels Geldentwertung zu realisieren – das kommt einer Art gewolltem Betrug gleich. Schließlich müssten Wanderungsbewegungen von Arbeitskräften aus den Pleiteländern in relativ attraktivere Länder einsetzen, was teilweise auch der Fall ist.

Diese Prozesse kommen zum Stillstand, sobald die Nachfrage in den Pleiteländern aufgrund gesunkener Preise wieder einsetzt.

Politisch sind derartige natürliche ökonomische Anpassungsbewegungen unerwünscht. Deshalb verhindert die EZB den Bankrott der Krisenländer. Außerdem werden Regulierungen vorgenommen, um die Kapitalflucht aufzuhalten, darunter Versicherungen für Bankeinlagen und Kapitalverkehrskontrollen.

Verschleiern lässt sich die Währungskrise allerdings kaum noch, urteilt Thorsten Polleit: Der TARGET2-Saldo der Bundesbank betrug im Mai 2012 die beträchtliche Summe von 698,6 Mrd. Euro oder 27% des deutschen BIP oder rund 15% des gesamten deutschen Geldvermögens, das sind 8.500 Euro pro Bundesbürger. Der TARGET2-Saldo besteht aus den Guthaben der Bundesbank bei anderen Zentralbanken im Euro-Raum, die vereinfacht formuliert aus ungleichem Kapitaltransfer zwischen zwei Ländern resultiert und damit Ausdruck von Kapitalflucht und Kapitalbilanzdefiziten anderer Euro-Staaten ist. Im Fall eines Austritts von Ländern aus dem Euro-Raum können die deutschen Forderungen verloren gehen. Die EZB hat sich offenkundig auf eine schiefe Ebene begeben, weil sie Pleiteländer und -banken künstlich über Wasser hält, den Korrekturprozess verschleppt, Misswirtschaft belohnt und immer mehr schlechte Kreditsicherheiten anhäuft. Damit macht sich die EZB zunehmend abhängig von Krisenstaaten und -banken, die mit immer mehr neuem Geld subventioniert werden müssen.

Thorsten Polleit hält die positiven TARGET2-Salden für den Vorboten eines Verlusttransfers von den Krisenländern insbesondere auf Deutschland. Und Helmut Schlesinger, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank, spricht angesichts einer Verdreifachung der Notenbankbilanz von „Dimensionen, die eher an Kriegsfinanzierung erinnern. Damals hat sich die Bilanzsumme verzehnfacht.“




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