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20.05.2013
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     Ansgar Lange
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Passt Matthias Walden nicht mehr ins Weltbild des Springer-Konzerns?
Weitere Themen: Allgemein, Bildung

Bei all den Axel Springer-Jubelfeiern fiel kaum der Name von Matthias Walden.

Geniert man sich im Springer-Verlag mittlerweile für den früheren Star-Autor Matthias Walden, der am 16. Mai 85 Jahre alt geworden wäre? Denn angesichts der Jubelfeierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Axel Springer ist sein Name kaum gefallen. Dabei war der schon mit 57 Jahren an Krebs verstorbene Kronprinz des Verlagsgründers doch von diesem selbst als Nachfolger ausersehen. Im Jahr 1980 hatte Springer den als Eugen Wilhelm Otto Baron von Saß geborenen Journalisten in sein Verlagshaus geholt. Er wurde Herausgeber der „Welt“, die Walden heute wohl kaum wiedererkennen würde – denn Artikel von konservativen Edelfedern wie Herbert Kremp sind dort die Ausnahme geworden. Man ist ja schon glücklich, dass Kremp oder auch Thomas Kielinger über die Pensionsgrenze hinaus für das einstige konservative Flaggschiff des Konzerns schreiben. Ob Walden ein erfolgreicher Verleger als Nachfolger Springers geworden wäre? Kremp meldet Zweifel an, denn „Geschäftsmann wäre Walden wohl nie geworden, über den gedanklichen Nachlassverwalter mit Sicherheit hinausgewachsen“.

Walden war ein begnadeter Stilist, elegant im Auftreten und in der Sprache. Anders als seine Neider, die ihn wie der „Spiegel“ als „rücksichtslosen Polemiker gegen die Linke“ missverstanden, hätte sich der Autor von Büchern wie „Kassandra-Rufe“, „Wenn Deutschland rot wird“ oder „Von Wölfen und Schafen“ später nicht korrigieren müssen – wenn er denn nicht so früh verstorben wäre. Walden war kein Rechter oder Nationalist, eher ein Konservativer mit stark liberalem Einschlag. Er kämpfte mit dem Florett für die Wiedervereinigung, die Lebensinteressen Berlins, die freie Marktwirtschaft, die Anbindung an Amerika, ein gutes Verhältnis zu Israel und gegen rechten und linken Terror gleichermaßen. Die Geschichte, insbesondere die deutsche Wiedervereinigung, hat ihn eindrucksvoll bestätigt. Kein Wunder, dass Walden mit seinen Schwerpunktthemen sehr gut ins damalige Weltbild des Springer-Konzerns gehörte.

Doch anders als manche heutigen konservativen oder „rechten“ Journalisten, welche die „BRD“ leichtfertig mit dem Zwangssystem der DDR gleichsetzen, wusste Walden die Bundesrepublik – bei aller Kritik im einzelnen – als Erfolgsgeschichte zu würdigen. Er verteidigte die Bonner Republik in den 1950er und 1960er Jahren genauso gegen unverbesserliche Alt-Nazis, wie er in den 1970er und 1980er Jahren gegen die Dummheit von links zu Felde zog. So hielt Walden Günter Grass zugute, dass er „den Staat verbessern, also erhalten“ wolle, während Heinrich Böll den Staat der Bundesrepublik bekanntlich als „’Reste verfaulender Macht’“ bezeichnet habe. Die Auseinandersetzung mit dem heute zurecht vergessenen Kölner Dichter hatte für den kritischen Konservativen Walden sogar erhebliche juristische Konsequenzen.

Helmut Schmidt hat einmal gesagt, dass Walden bei der Vertretung seiner Überzeugungen in Wort und Schrift häufig wie ein „Missionar“ gewirkt habe. Er war Überzeugungstäter im besten Sinne. Der heutigen Kumpanei der Systempresse in Berlin mit dem politischen Kartell hätte Walden wohl wenig abgewinnen können. Dafür war er nicht glatt genug. Während in den Jahren der „opportunistischen Entspannung“ die Benennung von Misständen und Menschenrechtsverletzungen im Osten als primitiver Antikommunismus gebrandmarkt wurde, hielt Walden hellsichtig Kurs: „Denn die Stricke, mit denen der Kommunismus seine Völker fesselt, sind morsch. Die Mauern, in denen er sie gefangenhält, sind mürbe. Die Kommandos, mit denen er sie diszipliniert, sind heiser. Die Garotten, mit denen er die Freiheit würgt, sind rostig. Seine Uhren sind, wie Solschenizyn weiß, verstaubt und gehen nach.“

In diesen Sätzen zeigt sich Waldens Stärke: Seine Sprache ist reicht an Bildern, dabei klar und einfach zu verstehen. Sein Talent als Schriftsteller und Journalist stellte er als Autor für die „Welt“ und die „Welt am Sonntag“, die „Bild-Zeitung“ oder das Magazin „Quick“ unter Beweis. Ältere werden sich noch an seine Kommentare und Reportagen für den RIAS und den Sender Freies Berlin erinnern.

Schaut man in seine „alten“ Texte, dann sind viele seiner Beobachtungen auch heute hoch aktuell. Er schrieb an gegen die Staatsverschuldung, die für ihn letztendlich „Volksverschuldung“ war. Es wäre spannend, heute einen Kommentar Waldens zur Politik der Rettungseuropäer zu lesen. Er hatte mit billiger Unternehmer-Schelte nichts am Hute und beklagte, die SPD potenziere „den klassenkämpferischen Abmarsch aus der Verantwortung“. Nanu, hatte er da wohl schon Sigmar Gabriel vor Augen?

Waldens Stimme fehlt – nun schon seit fast 30 Jahren. Dass ihn ein Hamburger Nachrichtenmagazin in einem Nachruf als einen „Herrenreiter am Mikrophon“ verunglimpfte, darf einen bei der mangelnden Stilsicherheit des „Spiegel“ nicht verunsichern. Dass Waldens Erbe aber dem Verlag, dem er wie kaum ein anderer Autor Gesicht und Stimme verlieh, heute so wenig wert zu sein scheint, macht hingegen traurig.

 

 

 

 

 

 




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