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18.05.2013
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     Christian Ortner
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Was sind schon 130 Milliarden Steuergeld?
Weitere Themen: Finanzkrisen, Wirtschaftspolitik, Wahlen

Einen kleinen Vorgeschmack darauf, was kommt, sollte nach den griechischen Wahlen am Sonntag die linksextreme Syriza-Partei regieren, gab deren potenzieller Finanzminister Giannis Dragasakis.

 Gedankenspieleüber einen allfälligen Ausschluss Griechenlands aus dem Euro aus der Eurozone, so meinte er wörtlich , folgten einer “faschistischen Logik”. Geld oder Nazi, sozusagen: Das wird die Steuerzahler in den Geberländern, mit deren Geld der “Grexit” bisher verhindert wurde, sicher besonders motivieren, Griechenland weiter zu helfen.

Noch zynischer war Stephan Hessel, europaweit umjubelter Autor des Bestsellers “Empört Euch!”, in einem bizarren Zeitungsinterview.

Frage der “Welt”: “Griechenlands Niedergang hat sehr viel mit selbst verursachten Missständen zu tun. Können Sie die Empörung der einfachen Bürger in Deutschland nachvollziehen, die sagen: Warum müssen wir so tief dafür in die Tasche greifen – und dann wird es uns nicht einmal gedankt?”

Stephan Hessel: “Erstens: Wir greifen nicht sehr tief in die Tasche, sondern nur ganz leicht.”

“Welt” : “Allein das erste Hilfspaket war aber 130 Milliarden schwer!”

Hessel: “Was ist das schon?!”

Was das tatsächlich ist, hat der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn verdienstvollerweise ausgerechnet: Demnach erhielt Griechenland bisher alles in allem 460 Milliarden Euro an Hilfen, neuen Krediten und erlassenen Schulden. Das sind schlappe 45.000 Euro pro lebenden Griechen; oder, gemessen an der jeweiligen Wirtschaftsleistung, laut Sinns Berechnung das 116-Fache jener Zahlungen, die das zerstörte Deutschland nach dem Krieg aus dem Marshall-Plan erhielt. Dass Griechenland trotz dieser unfassbaren Zahlungen heute ein Land im Zustand fortschreitender Verarmung ist, liegt freilich weniger an einer “faschistischen Logik” der Geldgeber und schon gar nicht an deren mangelnder Großzügigkeit. Die teils erheblichen Wohlfahrtsverluste der Griechen sind vielmehr Symptome eines harten, aber völlig unvermeidlichen Anpassungsprozesses an die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Griechenland war vor der Euro-Einführung – wie jeder Urlauber leicht feststellen konnte – ein für europäische Verhältnisse außerordentlich armes Land. Die Griechen handelten im vergangenen Jahrzehnt wie eine Familie, die jeden Monat 2000 Euro verdient, aber 3000 Euro ausgibt und sich die Differenz bei der Bank ausborgt. Auch ohne Ökonomie-Nobelpreis sieht man, wohin das führt: zurück in die frühere Armut.

Der Vorwurf, jene gewaltigen Milliardentransfers hätten nicht den Griechen, sondern bloß den Geldgebern geholfen, ist daher zutreffend wie absurd. Zutreffend, weil die Griechen bekanntlich trotz der Zahlungen ärmer werden – und absurd, weil ihnen ohne sie eine noch viel schlimmere wirtschaftliche Katastrophe gedroht hätte.

Griechenland hat, wie jeder andere EU-Staat auch, Anrecht auf Solidarität; aber die Steuerzahler der Geberländer haben auch einen Anspruch darauf, für ihre mit 116 Marshall-Plänen eindrucksvoll erwiesene Solidarität nicht auch noch verhöhnt und angespuckt zu werden. (“WZ“)

ortneronline.at




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