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19.05.2013
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Der Kampf der sozialen Netzwerke wird härter
Weitere Themen: Allgemein, Bildung

Die großen sozialen Netzwerke Facebook, Twitter, Google+, XING und LinkedIn verschärfen ihren Konkurrenzkampf. Dabei verwickeln sie sich in Widersprüche. Vieles bleibt undurchschaubar. 

 

Die großen sozialen Netzwerke Facebook, Twitter, Google+, XING und LinkedIn verschärfen ihren Konkurrenzkampf. Das Wachstum mit Neumitgliedern stagniert seit Neuestem. Nicht verwunderlich, bei den gegenwärtigen riesigen Mitgliederzahlen. Die Anzahl der Menschen, die einem solchen Netzwerk beitreten wollen ist nicht unbegrenzt. Der Markt scheint gesättigt.

Facebook soll ja mittlerweile 850 Mio. Mitglieder haben. Twitter hat ungefähr 170 Mio., rund 100 Mio davon twittern aktiv. Das Geschäftsnetzwerkt LinkekIn liegt bei 140 Mio., Google + bei 90 Mio., XING bei 11 Mio. Die Angaben über die Mitgliederzahlen schwanken stark, je nachdem was man mitzählt. Die Größenverhältnisse werden jedoch klar. Das Potenzial an Neumitgliedern ist damit natürlich grundsätzlich nicht ausgeschöpft, trotzdem wird es schwieriger. So sank die Online-Verweildauer bei Facebook im Jahr 2011 von durchschnittlich 25 min auf unter 20 min pro Tag, sprich die Leute verbringen weniger Zeit auf dieser Internetplattform. Diese Maßzahl ist ein sehr gutes Barometer. Denn nicht nur die Mitgliederzahl zählt. So ist es Google + zwar gelungen, die Mitgliederzahl durch „Zwangsrekrutierung“ von Google-Account-Inhabern stark zu steigern, aber die Aktivität der Mitglieder ist mau. Derart mau, dass es sich immer mehr rumspricht und auch Unternehmen sich zurückhalten. Der Lockvogel „Google-Platzierung“ reicht nicht, um die Leute und vor allem die Unternehmen auf Google + zu locken. Jetzt sinkt aber schon die Online-Verweildauer bei Facebook und das ist ein Warnsignal für Zuckerberg.

Tatsächlich hat man den Eindruck, dass sich Facebook in der letzten Zeit verändert hat. Auf der einen Seite gilt es als privat, auf der anderen Seite ist es ein Faktor der öffentlichen Meinung geworden, was dort gepostet wird. Diese Doppelgesichtigkeit macht Facebook meines Erachtens zu schaffen. So kann man nicht ohne weiteres Freunde hinzufügen/anfragen und auch die Suchfunktion scheint mittlerweile nur noch begrenzt nutzbar. Die Meldungen aus dem Web häufen sich diesbezüglich seit Herbst 2011. Facebook führt gerne neue Regeln ein, ohne irgendwen darüber zu informieren. Das ist eine ziemliche Unsitte. Ganz abgesehen davon, widerspricht das der öffentlichen Rolle von Facebook. In Google kann man unbegrenzt suchen und bei Twitter unbegrenzt „Anhänger“ gewinnen. Twitter ist hier wesentlich attraktiver und konsequenter. Es versteht sich als Nachrichtenmedium, bei dem alles öffentlich ist. Es gibt nicht mehrere Arten, ein Profil anzulegen wie bei Facebook (Profile und Seiten) und jede Meldung kann von allen Followern tatsächlich gelesen werden. Ganz im Gegensatz zu Facebook.

Nun versucht Facebook Twitter zu kopieren, indem es eine Abonnement-Funktion eingeführt hat. Man kann die Postings von jemandem abonnieren ohne ein Freund zu sein. Klingt wie Twitter, ist es aber nicht. Vor allem nicht für die, deren Postings abonniert werden. Plötzlich können eine Menge Leute private Nachrichten mitlesen (außer man beachtet genau die Einstellungen), was man gar nicht wollte. Eine verwirrende Kopie des Twitter-Originals. Ganz abgesehen davon, dass diese Funktion die Fan-Pages kannibalisiert. Soll ich nun die Postings eines Promi abonnieren oder bei seiner Fan-Page Mitglied werden usw.?

Auch Twitter schläft nicht und macht seinen Auftritt „persönlicher“. Es will eine Art vereinfachtes Facebook werden und das Beste von beiden Seiten in sich vereinen. Twitter wächst zudem in den letzten Monaten stark durch das mobile Internet. Der Kurznachrichtendienst scheint ideal für die Nutzung per Smartphone. Sobald ein Netzwerk vorprescht, zieht das Andere nach. Ein Wettlauf der Giganten. Dazu kommt der unterschiedliche Kommunikationsstil z.B. in Facebook und Twitter. Twitter ist politischer und mehr an Inhalten/Nachrichten orientiert als Facebook, zuweilen auch polemischer und härter. Die Twitternutzer wollen Nachrichten, möglichst unmittelbar, während die Facebooknutzer eher etwas in Ruhe gelassen werden wollen. Ein Posting pro Tag bei Facebook, das passt. Bei Twitter wäre das deutlich zu wenig, um Leser zu gewinnen. Sehr unwahrscheinlich also, dass sich Twitterer auf Facebook ziehen lassen. Dazu kommt: Wer einmal in einem Netzwerk etabliert ist, der wird nicht leicht wechseln, da er wieder von Null anfangen muss. Wer bei Twitter 5000 Follower hat und stark beachtet wird, der wird in Facebook nicht bei null anfangen und sich durch die „Mach nur jemand zu Deinen Freund, den Du kennst“-Ermahnungen quälen. Insofern gibt es schon eine Etablierung der Marken.

Und dann entstehen noch ganz neue Netzwerke wie „Pinterest“. Es wächst enorm schnell und hat vor allem inzwischen eine Online-Verweildauer von 13 min, ungefähr auf dem Niveau von Twitter. Unternehmen berichten von guten Erfolgen mit ihrer Präsenz dort. Zudem sind bei Pinterest in der Mehrzahl Frauen aktiv, ganz im Gegensatz zu den anderen Online-Netzwerken. Es bleibt spannend.

 

von Dr. Christian Weilmeier

www.weilmeier.de

Twitter: @weilmeier

 

 




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