suchen
27.05.2012
Einloggen | Registrieren
 
 
 
     Dr. Klaus Peter Krause
Zur Person und Archiv      Email an diesen Blogger schreiben

Eine überfällige Korrektur
Weitere Themen: Wirtschaftspolitik

Subventionierter „Bio-Strom“ aus dem Ackerbau ist ökonomisch und moralisch verfehlt

Geister, die man ruft, wird man schwer wieder los oder auch gar nicht. Seit auch Nahrungsmittelrohstoffe dafür verwendet werden, um daraus Energie zum Heizen, für Strom und als Motor-Treibstoff zu gewinnen, ist so ein Geist in der Welt. Seit der Staat diese „Bio-Energie“ aus Pflanzen oder pflanzlichen Reststoffen  („Biomasse“) direkt und indirekt massiv subventioniert, lässt er sich kaum in die Geisterwelt zurückverbannen. Geboten wäre das durchaus.

Nahrungsmittel durch den Staat künstlich verteuert

Verwendet man zur Erzeugung von „Bio-Energie“ Agrarprodukte wie Ölsaaten, Zuckerrüben, Mais oder Weizen, werden sie ein Konkurrenzprodukt für Nahrungs- und Futtermittel zur menschlichen Ernährung. Damit entsteht zugleich eine Anbauflächenkonkurrenz: Wo der Landwirt Mais als Energierohstoff anbaut, kann er nicht zugleich Mais als Nahrungsmittel erzeugen. Doch ist der Anbau von Energierohstoffen wegen der Subventionierung für ihn lukrativer. Folglich schränkt er die Produktion von Nahrungsrohstoffen ein oder gibt sie ganz auf, es sei denn, dass deren Preise steigen. Das tun sie dann auch, denn Nahrungsmittel werden wegen der Flächenkonkurrenz zunächst einmal  knapper, sind aber lebensnotwendig. So werden sie durch staatlichen Eingriff künstlich verteuert.

Enorme volkswirtschaftliche Kosten

Diese auch global wirksame Folge wurde schon gleich befürchtet und kritisiert, kaum dass Politiker und einschlägige Interessenverbände die Flasche mit dem Geist dieser „Bio-Energie“ entstöpselt hatten. Am 20. Januar hat sich zu diesem Problem auch der deutsche Forschungs- und Technologierat Bioökonomie (BioÖkonomieRat) zu Wort gemeldet. In seinen jüngsten „Empfehlungen“ kritisiert er, dass durch die Subventionierung „enorme volkswirtschaftliche Kosten entstehen“. Er verweist vor allem auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das für private Haushalte und Unternehmen die Energiekosten hochtreibt.

Bei den herkömmlichen Stromlieferanten bleiben

Zu Recht auch verlangt der BioÖkonomieRat, dass die Ernährung Vorrang haben muss vor dem Ausbau der „Bio-Energie“. Er empfiehlt, die Nutzung dieser Energie zu korrigieren. Weil überfällig, müssen ihm nun aber die politischen Akteure darin auch folgen. Verfehlt ist diese staatliche Subventionierung von Beginn an ohnehin – moralisch und ökonomisch. Auch naturwissenschaftlich, denn die Begründung für das Subventionieren, nämlich mit weniger anthropogenem CO2 „das Klima schützen“ zu wollen und zu können, ist ein vielfältig motivierter Betrug. Solange sich Strom verhältnismäßig kostengünstig mit fossilen Rohstoffen wie Kohle, Erdöl und Erdgas oder mittels Wasser- und Kernkraft erzeugen lässt, sollten wir bei diesen Stromlieferanten bleiben.

Am billigsten ist Strom aus Braunkohle und Kernkraft

Die reinen Erzeugungskosten für „Bio-Strom“ (oder auch „Öko-Strom“ genannt) belaufen sich auf 15 Cent je Kilowattstunde (kWh). Noch teurer in der Herstellung ist Strom aus Windkraftanlagen im Meer; hierfür sind 30 Cent aufzuwenden (einschließlich der Anlandungskosten). Wird der Windstrom an Land produziert, kostet das 9 Cent. Am teuersten ist mit 30 Cent der Fotovoltaikstrom. Alle übrigen und herkömmlichen Stromquellen sind deutlich billiger. Mit Erdgas erzeugter Strom kostet 6 Cent je kWh und mit importierter Steinkohle 4,5 Cent. Die weitaus niedrigsten Kosten von jeweils nur 2,5 Cent entstehen mit Braunkohle und Kernkraft. Auch aus diesem Grund ist die politisch beschlossene Abkehr von der Kernkraft in Deutschland überaus töricht und die ganze „Energiewende“ für Deutschlands wirtschaftliche Zukunft hochgefährlich.

Bei einem Mitstreiter gegen diese Politik des Wahnsinns las ich gerade: „Wir brauchen keine Energiewende, kein EEG, keinen Emissionshandel und keine neuen Trassen und Speicher, sondern mehr gesunden Menschenverstand.“    



Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


Kommentare (3)




 
  Kommentare (3)

Freigeist, 31.01.2012 13:00
Die mir bekannten Landwirte geben selbst zu, dass Biogas sinnvoll ist wenn es auf Gülle oder Hühnertrockenkot beruht. Man sollte endlich die wahnsinnigen Subventionen im Agrarbereich ersatzlos streichen, dann habe wir sofort weniger Staatsschulden.

Elmar Oberdörffer, 30.01.2012 18:59
Zur Ergänzung eine Meldung aus der FAZ vom 08.02 2008: "R.W. FRANKFURT, 7. Februar. Der Anbau von Pflanzen für
Biotreibstoffe kann die Kohlendioxid-Bilanz auf Jahrzehnte hinaus
verschlechtern, statt sie zu verbessern. Dies haben zwei neue
Studien ergeben, die in der aktuellen Online-Ausgabe der Zeitschrift
"Science" vorgestellt werden. Wegen des wachsenden
Bedarfs an Biotreibstoffen werden immer mehr Anbauflächen
benötigt. Häufig rodet man dazu Regenwald, legt Feuchtgebiete
trocken und wandelt natürliches Grünland in Äcker um. Durch
Abbrennen und durch Zersetzung der Biomasse werde in Brasilien,
Südostasien und in den Vereinigten Staaten 17 bis 420 Mal
so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie jährlich infolge des durch
Biotreibstoffe verringerten Verbrauchs an fossilen Energieträgern
eingespart werden könne, schreiben Forscher um Joseph Fargione
von der Organisation "The Nature Conservancy". Eine besonders
schlechte Bilanz wird der Gewinnung von Biodiesel aus Sojabohnen
in Brasilien und aus Ölpalmen in Indonesien bescheinigt.
Timothy Searchinger von der Princeton University hat zusammen
mit anderen Wissenschaftlern berechnet, dass der Anbau von
Getreide zur Bioethanol-Gewinnung global betrachtet 167 Jahre
lang mit einer erhöhten Freisetzung von Kohlendioxid einhergeht.
Beide Forschergruppen kommen zu dem Schluss, nur durch
Treibstoffe aus Bioabfall oder aus Pflanzen auf schon vorhandenen,
anderweitig nicht mehr genutzten landwirtschaftlichen Flächen
könne Kohlendioxid eingespart werden."


Elmar Oberdörffer, 29.01.2012 12:33
Sie haben vollkommen Recht, Herr Dr. Krause. Gesunder Menschenverstand, Vernunft wären nötig. Statt dessen regiert die menschliche Dummheit. Einstein hat einmal gesagt: "Zwei Dinge sind unendlich: Das Weltall und die menschliche Dummheit. Und beim Weltall bin ich mir nicht sicher." Ein Ergebnis dieser Dummheit ist ja auch, daß die Gefährdung der Menschen in Deutschland durch das Abschalten der sieben ältesten Kernkraftwerke nicht abgenommen, sondern erheblich zugenommen hat. Die Wahrscheinlichkeit eines großräumigen und längerdauernden Stromausfalls ist durch das Abschalten der Kernkraftwerke, bevor entsprechende Kohle- oder Gaskraftwerke als Ersatz verfügbar sind, erheblich gestiegen. Die Folgen eines solchen Stromausfalls sind in der Drucksache 17/5672 des Deutschen Bundestages "TA-Projekt: Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung" ausführlich beschrieben. Es ist mit vielen Todesopfern und dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung zu rechnen. Sehr empfehlenswerte Lektüre, die allerdings starke Nerven erfordert.


Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 



Spruch des Tages
"Die guten Ratschläge verdanken ihren ausgezeichneten Ruf dem Umstand, dass sie niemals befolgt werden." Daniel Spitzer

ANZEIGE

ANZEIGE

Galerien

Europolis: Tagung zur Reform der europäischen Währungsordnung Europolis: Tagung zur Reform der europäischen Währungsordnung

Stuttgart: Anti-ESM-Demonstration des Aktionsbündnis Direkte Demokratie Stuttgart: Anti-ESM-Demonstration des Aktionsbündnis Direkte Demokratie

Südkongreß "ESM-Vertrag - der Weg in die Schulden- und Inflationsunion? Entdemokratisierung Europas?" Südkongreß \"ESM-Vertrag - der Weg in die Schulden- und Inflationsunion? Entdemokratisierung Europas?\"


Interviews

Steffen J. Roth Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren
Steffen J. Roth
Institut für Wirtschaftspolitik an der Kölner Universität

Dr. Albert Wunsch Wieso fehlt zu vielen Jugendlichen eine Gewalt-Bremse?
Dr. Albert Wunsch
Therapeut, Erziehungswissenschaftler

Dr. med. Rainer Böhm Betreuungsgeld ist sinnvoll und notwendig
Dr. med. Rainer Böhm
Kinder- und Jugendarzt

Alexander Ulfig »Gleichstellungspolitik führt zu Ungerechtigkeiten«
Alexander Ulfig
http://qualifikation-statt-quote.de/

Hedwig Beverfoerde, Birgit Kelle JA zum Betreuungsgeld!
Hedwig Beverfoerde, Birgit Kelle
Initiative Familienschutz, Frau2000plus

Mehr Interviews


Video

Zivile Koalition: Stoppt ESM-Vertrag - Stoppt Schulden- und Inflationsunion Zivile Koalition: Stoppt ESM-Vertrag - Stoppt Schulden- und Inflationsunion

Thilo Sarrazin: Europa braucht den Euro nicht Thilo Sarrazin: Europa braucht den Euro nicht

EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von

Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de

Hedwig Beverfoerde zum Betreuungsgeld Hedwig Beverfoerde zum Betreuungsgeld


Umfrage

Würden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?

Foto: Lupo / pixelio.de




Ergebnis

Meist gelesen
    Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP

    Dr. Rainer Böhm: Betreuungsgeld ist sinnvoll und notwendig

    Rösler: Weniger Solarsubventionen

    Pressekonferenz: Anti-ESM-Großdemonstration in München

    EU-Ausschuss will Eurobonds

Empfohlene Blogs

author Beatrix von Storch
Ohne Euro bricht alles zusammen- und mit Euro???

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Unsere Politiker verachten das eigene Volk

author Jürgen Liminski
Vom Pudding zum Präsidenten - Die Metamorphose des Francois Hollande

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Die Deutschen haben die Wahlen verloren

author Birgit Kelle
Kinder statt Klappstühle

author Beatrix von Storch
Der sog. Fiskalpakt - oder wie man einen ganzen Kontinent verschaukelt

author Beatrix von Storch
Der finale ESM-Vertrag - Ende von Demokratie und Parlamentsvorbehalt


Reportage

Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam

Die eigenartige Zurückhaltung des Westens Die eigenartige Zurückhaltung des Westens

Mit der Brechzange in die Familien Mit der Brechzange in die Familien

Wer errechnet eigentlich die Inflation? Wer errechnet eigentlich die Inflation?

Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen." Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen."

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP

Familienschutz startet Online-Initiative "JA zum Betreuungsgeld" Familienschutz startet Online-Initiative "JA zum Betreuungsgeld"

Und jetzt die Inflationsunion! Und jetzt die Inflationsunion!

FDP und ESM - Ein Beitrag von Prof. Vaubel FDP und ESM - Ein Beitrag von Prof. Vaubel


Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Finanzkrisen
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
EU -Warnung an Griechenland
Nahost-Konflikt
Die Sorge um Syrien nimmt zu
Doch keine Neuwahlen in Israel
Pakistan testet erfolgreich Rakete
DDR-Unrecht
Vaatz prangert Heuchelei an
Stasi-Unterlagen: 20 Jahre - 2,8 Millionen Akten-Einsichten
"Von oben" verordneter EU-Unionsstaat birgt totalitäre Tendenzen
Allgemein
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Chef der Vatikanbank gefeuert
Muslim-Brüder liegen in Ägypten vorn
Bildung
Pressekonferenz: Anti-ESM-Großdemonstration in München
Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP
Interview: JA zum Betreuungsgeld!
Reformen
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam
Wirtschaftspolitik
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
Familie
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Dr. Wunsch kritisiert Caritas und Diözese Rottenburg-Stuttgart
Württemberger Katholiken: Krippenausbau ist alternativlos
Autoindustrie
Opel in Bochum vor dem Aus?
Opel-Krise schwelt weiter
Neuer Schock für Opel
Wahlen
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Muslim-Brüder liegen in Ägypten vorn
Europäer diskutieren Eurobonds
1945-49/Verfassungsbruch1990
Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
Justiz
Stoiber-Tochter verliert Doktortitel endgültig
Terrorhelfer verliert Arbeitsplatz
»Blockupy« glimpflich verlaufen

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008