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Wie geht es weiter mit dem Droh-Wulff?
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Lange war er der Schwiegersohn-Politiker, der Saubermann, der bescheidene Macher. Kein intellektueller Überflieger oder mutiger Politikwolf, sondern das Paradebeispiel des Durchschnittsbürgers an der Macht. Jetzt wurde er zum Droh-Wulff und taugt deshalb nicht mehr als Oberpriester der politischen Klasse.

 

Lange war er der Schwiegersohn-Politiker, der Saubermann, der bescheidene Macher. Kein intellektueller Überflieger oder mutiger Politikwolf, sondern das Paradebeispiel des Durchschnittsbürgers an der Macht. Der Christian Wilhelm Walter Wulff, jetzt Bundespräsident von Angela Merkels Gnaden. Ein harmloser Mann, so wie ihn die Parteigremien lieben, ein Menschenschlag Politiker, wie er unser Land zuhauf bevölkert. Die andere Seite: Auch viele Deutsche fanden diesen Mann bis vor kurzem gut, war er doch so harmlos, so brav, so bieder, so wenig anstrengend, so wie die Masse der Deutschen ihre Politiker am liebsten hat. Wulff das Symbol der Bundesrepublik und ihrer Karrierewege. Jetzt ist er im Hochamt der politischen Klasse angekommen, im Amt des poltischen Oberlehrers und Oberpriesters der Nation, verfassungsjuristisch nennt man es zeitgemäß Bundespräsident. Aber anstatt mit wohlfeilen politisch korrekten Reden das Gewissen der Bürger auf Vordermann zu bringen, ist er jetzt zum Skandal geworden.

Der gegenwärtige Bundespräsident ist ein Mann, der mit Drohanrufen bei Zeitungsredaktionen ihm missliebige Veröffentlichungen zu verhindern versuchte. Wulff, der Schwiegersohn ist zum Droh-Wulff geworden. Man glaubt es kaum, dass jemand so dumm oder arrogant sein kann, auf den Anrufbeantworter des Chefredakteurs der „Bild“-Zeitung Drohungen zu sprechen. Schon deshalb müsste er zurücktreten.

Dazu kommen noch eine Unzahl von skandalösen finanziellen Vorgängen, bei denen man sich die Fragen stellt, warum er dauernd die Wahrheit nur stückchenweise herausrückt und nicht alle Fakten auf den Tisch legt. Hier gewinnt das Publikum den Eindruck, dass da noch mehr Leichen im Keller liegen. Alles in allem hat Bundespräsident Christian Wulff so viel an Autorität verloren, dass er sein Amt nicht mehr weiterführen kann. Er muss gehen.

Das ist aber nur der eine Teil der Geschichte. Der andere Teil ist eine gewaltige Heuchelorgie, die derzeit in den Medien gefeiert wird. Was eigentlich ist so besonders an diesen „Drohanrufen“. Wulffs Fehler war, dass er auf den Anrufbeantworter sprach. Natürlich versuchen Spitzenpolitiker immer wieder, die Presse unter Druck zu setzen und natürlich wird dabei persönlich und am Telefon Klartext gesprochen. Das geht von der Kommunal- bis zur Bundespolitik. Die offizielle Politik versucht immer wieder das Internet unter wechselnden Vorwänden an die Kette zu legen.

Zudem wissen Journalisten oft viel mehr als sie schreiben. Es ist schon verwunderlich, warum der Skandal gerade jetzt an die Öffentlichkeit kam. Der Sumpf in Hannover ist ja hinlänglich bekannt. Viele Politiker haben Leichen im Keller und gerade das macht sie „karrierefähig“ und steuerbar. Und manchmal, aus unbekannten Gründen, werden die Leichen dann von den Medien ausgegraben und vorgezeigt. Und dann ist finito.

Es ist zudem heuchlerisch, wenn sich jetzt die Öffentlichkeit über den Biedermann Wulff aufregt. Er ist genau der Politikertypus, den sie haben wollen und immer nach oben wählen. Möglichst harmlos und wenig anstrengend, gern auch ein bisschen korrupt. Das macht sympathisch und jeder kann auf solche Leute genüsslich herabsehen. Wer will denn schon Politiker zum Aufschauen, Politiker mit Wagemut und Format, die mutig neue Wege gehen, den Menschen was abverlangen und auch mal etwas unberechenbar sind. Nur kein Risiko ist das BRD-Glaubensbekenntnis.

Im Grunde laben wir uns dann gerne an Skandalen, wie dem von Wulff. Sie bestätigen unsere Meinung, die wir von den Politikern immer schon hatten. So können wir gemütlich auf dem Sofa bleiben und das Schauspiel des Sturzes verfolgen. Eine kurze Schnappatmung des politischen Organismus und dann geht es wieder weiter im ewigen Reigen dieser politischen Seifenoper. Wer dann Angst bekommt, dass sich vielleicht wirklich was ändern könnte, der kann beruhigt sein: sie kommen immer wieder die Wulffs und Guttenbergs. So lange, bis der Bogen überspannt ist und die Mechanik der politischen Erfordernisse das folgenlose Glasperlenspiel einfach zerbricht. Im Märchen hieß das: Der Kaiser ist nackt.

Ein Kommentar von Dr. Christian Weilmeier

www.weilmeier.de

 

 



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Kommentare (4)




 
  Kommentare (4)

Kopfschüttler, 09.01.2012 13:21
Liebe Leute, Ihr geifert zuviel in nur eine Richtung. Haben die Medien gar nichts davon, sich an Herrn Wulff so herrlich austoben zu können? Klar hat er nicht korrekt gehandelt. So langsam muss man sich aber mal fragen, wer von dem ganzen Wirbel am meisten profitiert und in welcher Weise er das tut.

pirat, 07.01.2012 09:26
die sozialistischen Rentner, die Guttenberg und Wulff verteidigen, befinden sich in einer mißlichen Lage: Sie müssen ihre konservativen Werte verraten, um scheinbar konservative Personen zu retten. Nur sind diese Leute keine echte Bürger, es sind Kriminelle, faktisch und moralisch! Die Mainstreampresse-Verschwörungstheorie mag zutreffen, aber letztlich ist das alles ebenso aufgebauscht wie andersherum. Es muss doch möglich sein, dass ein echter Konservativer sagt. So nicht! Aber nein, da sitzen diese alten Rentner da und senieren über den Klassenfeind. Dieses klassendenke ist entweder kommunistisch oder faschistisch. eigentlich ist beides das gleiche. Und ähnlich ist es heute mit den Leuten: Die Linken und Rechten wollen den Staat ermächtigen. Und nutzen dazu gekonnt ihre persönliche Integrität. Die Konservativen und die Mitte will die Person ermächtigen und nutzt dazu unverschämt die Integrität des Staates. Also soll ich als wertekonservativer Jungbürger nun die korruptsozialistische Tendenz in der Person gegen das Recht des staates(verstanden als sozialistische Doktrin) vertreten? Soll ich den Klientelsozialismus einführen? Vielleicht muss man der Elite und den Altgedienten ihre sozialistischen Privilegien mit Zwang entziehen, um endlich die Mitte und den Mittelstand zur freiheit zu führen.

ahgee, 04.01.2012 17:57
Vielleicht reut es Herrn Wulff, sich in der Causa Sarrazin vor den Karren der politischen Korrektheit gespannt zu haben. Vielleicht hat er durchblicken lassen, dass er ab jetzt das Amt des Bundespräsidenten in dem Sinne nutzen wolle, zu dem es einzig gut ist: dem Establishment auf die Finger zu schauen, zum Nestbeschmutzer zu werden. Ich habe heute den Bundespräsidenten aufgefordert, nicht zurückzutreten und den Kampf mit der »Qualitätspresse« aufzunehmen, die jeden kleinmacht, der ihrer Meinungsschleuder in die Quere kommen könnte. Die Pressefreiheit hat der demokratischen Meinungsbildung zu dienen, sie ist nicht Selbstzweck von Presseunternehmen.
Köhler trat zurück, weil er ein Gesetz unterzeichnen hatte, das er für hochverräterisch hielt. Hatte er doch maßgeblich als Verteter der Bundesbank bei den Mastrichtverhandlungen die -kriterien mit unterstützt. Jetzt sollte er sich nachträglich selbst guillotinieren. Vielleicht hat Wulff auch darüber nachgedacht und sein Selbstverständnis vom Anstandswauwau der Besitzstandswahrer zum überparteilichen Nestbeschmutzer gewandelt. Vielleicht hat er davon etwas verlauten lassen, was in der Tat nicht gedruckt wurde.


qed, 04.01.2012 07:52
Applause!

Genau diesen Tpus Polito will das Stimmvieh: harmlos, korrupt, kriecherisch und erpressbar, so ganz es selbst nämlich und so findet es sich wieder in den Wahlergebnissen: die SED feiert fröhliche Urständ.
Und der Geifer trieft, wenn einer stolpert über etwas anrüchige finanzielle Transaktionen, zu denen unser Schlehmil Wuff gewiß nur verleitet wurde von seiner kapriziösen Halbseidenen, die alles sofort haben will- so ganz die Powerfrau, die sich der kurzen Halbwertszeit ihres begehrt werdens bewußt ist.
Ochlokratie at it's best!

Indes sollten wir nicht an Zufälle glauben.
Man fragt sich, was unser Biedermann wohl angestellt hat, daß er dermaßen in Verschiß bei Friede Springer geraten ist...



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