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04.02.2012
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     Kurt J. Heinz
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Otto von Habsburg unterstützt Meinungs- und Redefreiheit
Weitere Themen: Allgemein, Familie

Der langjährige Europaparlamentarier unterstützt Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung": "Ich stehe voll und ganz hinter dieser  Erklärung!"

Zum Kreis der Unterzeichner der Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung" anläßlich der Kontroverse um den Marburger Kongreß für "Psychotherapie und Seelsorge" in Marburg gehört auch eine Persönlichkeit von historischem Rang: Der langjährige Europaparlamentarier und ehemalige Kronprinz Österreichs, S.K.H. Erzherzog Dr. Otto von Habsburg.

Als Otto von Habsburg vor einigen Wochen von der Forderung hörte, einige Vortragende beim Kongreß nicht sprechen zu lassen, entschloß er sich spontan, das Anliegen der Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung" zu unterstützen. "Ich stehe voll und ganz hinter dieser  Erklärung! Nehmen Sie mich mit auf die Liste der Unterzeichner", so seine Worte als er mitteilte, daß diese Initiative vieler Bürger und Personen des öffentlichen Lebens auch seine Unterstützung findet.

Der langjährige Europaparlamentarier macht aus seiner christlichen und liberalen Überzeugung keinen Hehl: Sie sind für ihn Antriebsmotor. Er ist ein Mann des offenen Intellektes und freien Wortes, dem Intoleranz zuwider ist. Freie Rede, Diskussion und Gedankenaustausch sind für ihn unverzichtbare Wesenselemente eines demokratischen Gemeinwesens und jeder freiheitlichen Ordnung. Mit der Unterdrückung unliebsamer Meinungen fängt für ihn der Niedergang und Verlust von Freiheit an.

"Wer das offene Gespräch und die Diskussion nicht ertragen will, gerät in den Verdacht, seinen Willen anderen auferlegen und andere unterdrücken zu wollen. Die Unterdrückung des freien Wortes und der Zwang, die Meinung anderer vertreten zu müssen, sind stets Kennzeichen totalitärer Systeme, die Menschenrechte verletzen und den Frieden zwischen den Menschen und Völkern gefährden. Gott hat den Menschen als ein freies Wesen nach seinem Ebenbild geschaffen. Und diese Freiheit muß der Mensch dem Menschen lassen. Das ist Teil seiner Würde und verlangt zugleich, den Andersdenkenden und den Andersfühlenden in seiner Persönlichkeit zu achten, was auch Ausdruck christlicher Nächstenliebe ist ", so von Habsburg.

Wer Otto von Habsburg kennt, weiß, daß er mit tiefer Überzeugung für den Appell eintritt, der hinter dieser Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung" steht. Die Gründe liegen auch in seinem Lebensweg, der lange Zeit ein Leidensweg war. Unfreiheit, Bedrohung und Einschüchterung hat er über viele Jahre am eignen Leibe während der NS-Zeit erfahren. Er gehörte zu denen, die sich dem Ruf Hitlers nicht beugten. Denn im Unterschied zu vielen anderen war er weder Gefolgsmann noch Mitläufer. Er war Oppositioneller und schlug die "Einladung" dieses Despoten aus. Als Hitler ihn zum Gespräch zu sich in Berlin bestellte, ließ Otto von Habsburg ihm übermitteln: "Ich bin nicht in Berlin um Politik zu machen, sondern um hier zu studieren".  Habsburg unterlag keiner Fehleinschätzung und widerstand in seiner Rechtschaffenheit jedem Versuch, sich von Hitler korrumpieren zu lassen. "Als ich dieses fürchterliche Buch 'Mein Kampf' gelesen hatte, wußte ich genug", so Otto von Habsburg bei einer persönlichen Begegnung in einer vertrauten Gesprächsrunde im August 2008.

Daß sich von Habsburg nicht von Hitler vereinnahmen ließ, kam ihn jedoch teuer zu stehen. Seine Absage war für Hitler der Startschuß einer schier unglaublichen Jagd nach dem Unbeugsamen. Verfolgung, Bedrohung und Flucht durch die Länder Europas und nach Amerika waren der Preis, den er zahlen mußte, um den gnadenlosen Fängen des Nazi-Regimes und seiner Gestapo entfliehen zu können. Nur Warnungen guter Freunde, in manchmal buchstäblich letzter Sekunde, retteten ihn vor dem Zugriff von Hitlers Schergen, erinnert er sich. Rassismus und Verbrechen an den Juden waren Otto von Habsburgs zutiefst zuwider. Seine Abscheu manifestierte sich in seiner Hilfe für Verfolgte. Von Habsburg konnte etwa 15.000 Juden und politisch bzw. rassisch Verfolgte vor dem Tode retten.

Nach dem Kriegsende stand er in einem geteilten Europa, das unter dem Joch der Ideologien zerbrochen war, wie es Valery Giscard d'Estaing, der ehemalige Staatspräsident Frankreichs, ausdrückte. Giscard d'Estaing nannte Otto von Habsburg ein anerkanntes Symbol der Toleranz, der Offenheit und der Überzeugung. Es ist eben diese Geisteshaltung, die Otto von Habsburg bewogen hat, die Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung" zu unterstützen. Sie ist für ihn ein christliches Bekenntnis gegen den totalitären Anspruch, das freie Wort und Gespräch zu unterbinden.

Zum Ende des Gespräches bemerkte Dr. Otto von Habsburg auf die Frage, woher er die Entschlossenheit nehme, sich auch im fortgeschrittenen Lebensalter einem unduldsamen Zeitgeist entgegenzustellen: "Für mich ist dies eine Frage des Prinzips und des Mutes, sich zu Werten zu bekennen und für sie einzutreten. Es fehlt zu oft am Mut zum Bekenntnis. Wenn man den Mut aufbringt, sich einem Despoten wie Hitler entgegenzustellen, braucht man keinen Mut, um sich auch heute dem Zeitgeist zu widersetzen."

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Kurt J. Heinz im Gespräch mit dem Verfolgten der NS-Zeit und Zeitzeugen eines Jahrhunderts Otto von Habsburg auf www.medrum.de

Hier können Sie die Initiative "Für Freiheit und Selbstbestimmung" mitzeichnen: www.medrum.de



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