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27.05.2012
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     Dr. Michael von Prollius
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Irregeleitet: Medien und Notenbanken in der Sackgasse
Weitere Themen: Finanzkrisen

Etablierte Printmedien meldeten: „Notenbanken spannen Sicherheitsnetz“ und „starke Kursgewinne bei Aktien“, sie thematisierten einen steigenden Euro-Kurs und dokumentierten die Handlungsbereitschaft der EZB, die den Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise aufgenommen habe. Bei wenigen Redakteuren machte sich Skepsis breit. Diese Skepsis ist sehr gut begründet.

Was war geschehen? Sechs herausragende Zentralbanken – FED und EZB sowie die Banks of England, Japan und Canada – haben am 30.11.2011 in einer gemeinsamen Aktion, Tauschvereinbarungen beschlossen, um die Geldversorgung des internationalen Bankensystems zu verbessern. Das Bankensystem stand vor einem Credit Crunch, einer Erstarrung mangels Kreditvergabe der Geschäftsbanken unter einander.

Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, parken die Geschäftsbanken in der Euro-Zone eintägige Einlagen bei der EZB in Höhe von rekordverdächtigen knapp 300 Mrd. Euro. Ursächlich sind Bestände an Staatsanleihen praktisch bankrotter Euro-Staaten, deren Wert zweifelhaft geworden ist.

Zugleich sind die Risikoprämien für Geschäfte der Banken untereinander stark gestiegen. So gelangten europäische Banken in den USA kaum noch an Geld, weil sie als nicht kreditwürdig gelten. Ursache ist wiederum die europäische Staatsschuldenkrise. US-Banken scheuen zunehmend das Risiko, europäische Banken mit US-Dollars zu versorgen, die den in den USA Kredite vergebenden.

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Diese Einschätzung teilen die zehn großen US-Geldmarktfonds, haben sie doch ihre Bestände bei europäischen Banken reduziert.

Und noch zwei weitere Signale zeigen, dass die Staatsschuldenkrise in eine neue Stufe erreicht hat: Auf dem Markt für Kreditausfallversicherungen hat der Index am 25.11.2011 einen Rekordwert erreicht, der weit oberhalb dessen liegt, was nach der Insolvenz von Lehmann Brothers im September 2008 zu verzeichnen war. Auch in der vergangenen Woche lag dieser Wert nicht weit entfernt von dem Höchststand. Außerdem hat Standard & Poors die Bonitätsstufen von 15 Banken herabgesetzt. Zwar geschah das zumeist nur in geringem Umfang, aber zwei chinesische Banken wurden sogar heraufgesetzt. Hintergrund ist bemerkenswerterweise eine neue Methodologie (Banking Industry Country Risk Assessment; Bicra), die über das Geldinstitut hinaus auch landesspezifische Risiken des jeweiligen Bankensystems berücksichtigt.

Offenkundig ist die konzertierte Zentralbankenaktion nur ein erneuter Versuch, das in der Sackgasse steckende Staatsgeldsystem mit noch mehr Liquidität über den Tag hinweg zu retten. Die Liquiditätsdroge mag notwendig gewesen sein, ist aber nicht mehr als ein Herumfummeln an den Syptomen. Zur Beseitigung der Krisenursachen haben die Maßnahmen folgenden Beitrag geleistet: Null!

Die Jahrzehnte andauernde Politik der Verschuldung ist an ihr absehbares Ende gelangt. Die Fehlkonstruktion des Euro deckt diese Missstände schneller auf. Noch bekommen die Staaten Kredit, aber zu stetig steigenden Zinsen wie die jüngsten Beispiele Italien und Frankreich illustrieren. Und die Geschäftsbanken, die Ihnen Kredite verschaffen, gelten nicht mehr uneingeschränkt als kreditwürdig. Zugleich wird die Refinanzierung teurer und selbst der Einäugige unter den Blinden, Deutschland, konnte für ein Drittel seiner Staatsanleihen keine Käufer finden; parallel sind die Zinsen für 30jährige Staatsanleihen gestiegen. Die Marktteilnehmer glauben zurecht nicht mehr, dass Staatsanleihen sicher sind. Die Zeiten sind (bald) vorbei, da jeder deutsche Finanzminister antrat, Schulden zu reduzieren, und als neuer Rekordschuldenminister sein Amt übergab.

Inzwischen steigt die Inflationsgefahr weiter. Immer weniger Vermögenswerte stehen einer drastisch steigenden Geldmenge gegenüber. Es ist absehbar, dass die Kapitalflucht zunehmen wird. Bank runs sind (noch) wahrscheinlicher geworden. Die Euro-Zone wird auseinander brechen und/oder als Transfer- und (Hyper)Inflationsunion in die Geschichte eingehen.



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Kommentare (1)




 
  Kommentare (1)

Friedrich Dominicus, 05.12.2011 18:32
Auch auf dem Handelsblatt Seiten fand ich derartige Dinge. Ich weiß nicht was diese Redakteure so machen, aber normal ist irgendwie anders.


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