suchen
27.05.2012
Einloggen | Registrieren
 
 
 
     Dr. Alexander Ulfig
Zur Person und Archiv      Email an diesen Blogger schreiben

Facetten der Quotenpolitik
Weitere Themen: Allgemein

Buchrezension zu: Gerhard Amendt, Frauenquoten – Quotenfrauen. Oder: Einem geschenkten Gaul ...

Das Thema „Frauenquote“ ist ein Dauerbrenner. Es wird von der Politik immer wieder auf die Tagesordnung gebracht. In den Mainstreammedien wird eine Hurra-Propaganda für die Frauenquote betrieben, wobei gebetsmühlenartig immer wieder dieselben Parolen und Forderungen vorgetragen werden. Kritische Beiträge zur Frauenquote werden äußerst selten veröffentlicht. Umso erfreulicher und für die Quoten-Debatte förderlicher ist es, dass der renommierte Geschlechterforscher Gerhard Amendt seine kritischen Ansichten zur Frauenquote in dem Buch „Frauenquoten – Quotenfrauen. Oder: Einem geschenkten Gaul ...“ zusammengefasst hat.

Amendt behandelt zunächst arbeitsmarktpolitische Gründe für die Frauenquote. Angesichts der demographisch bedingten Verknapung an qualifizierten Arbeitskräften sollen Frauen mittels staatlicher Maßnahmen in den Arbeitsprozess integriert werden. Dass viele Frauen nur halbtags arbeiten möchten, steht den arbeitsmarktpolitischen Erfordernissen entgegen. Um vollständig in den Arbeitsmarkt integriert zu werden, sollen Frauen nicht halbtags, sondern ganztags arbeiten. Das soll notfalls mit Zwang durchgeführt werden. Dieser Aspekt wird in der gängigen Quoten-Debatte kaum genannt.

Doch die Analyse der arbeitsmarktpolitischen Gründe für die Frauenquote bildet nicht den Schwerpunkt des Buches. Amendt konzentriert sich vielmehr auf die soziopsychologischen Aspekte der Quotenpolitik. Um eine Frauenquote zu rechtfertigen, wird das Frauenbild idealisiert, wobei die Idealisierung auf die Berufswelt ausgeweitet wird. Den Satz „Frauen sind die besseren ...“, z.B. die besseren Manager, lesen wir bis zum Ermüden in der Mainstreampresse. Diverse „Studien“ sollen dies belegen. „Gesellschaftspolitik ohne Idealisierung von Frauen ist in Deuschland offenbar nicht möglich“, konstatiert Amendt.

Artikel weiterlesen  
ANZEIGE

Diese Idealisierung enthält ein „komplementäres Entwertungselement“: die Abwertung des Männlichen.

Die Frauenquote wird mit der Behauptung gerechtfertigt, dass Frauen von Männern am beruflichen Aufstieg gehindert werden. Da diese Behauptung empirisch nicht belegt ist, hat sich – so Amendts Beobachtung – die Argumentation der Quoten-Protagonisten verlagert. Es wird jetzt argumentiert, dass Frauen keine ausreichende Motivation für ihre Karriere entwickeln konnten. Daher sollen „äußere Erregungsquellen als emotionaler Beschleuniger“ konstruiert werden. Frauen, die Karriere machen möchten, sollen andere Frauen, die bereits Karriere gemacht haben, als Identifikationsobjekte dienen. Zu ihnen gehören Vorzeigefrauen aus Filmen wie „Sex and the City“ oder weibliche Vorstandmitglieder von DAX-Unternehmen. Daraus folgt, dass Quoten-Befürworter eine unrealistische Vorstellung von der Arbeitswelt und den Anforderungen an Spitzenkräfte haben: „Sie glauben, Frauen mit naiven Identifikationsangeboten von erfolgreichen Frauen auf Hochglanzbildern zu Spitzenpositionen ´verführen` zu können.“

Dass der Weg nach oben mit Anstrengungen und hartem Konkurrenzkampf verbunden ist, wird dabei verschwiegen. Bemerkenswert ist, dass die Quote häufig von Frauen gefordert wird, die selbst Quotenfrauen sind und denen die Leistungsorientierung fremd ist. Doch es reicht nicht aus, so wie andere Frauen sein zu wollen oder zeigen zu wollen, dass man es genauso gut wie Männer kann. Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen sowie Risikobereitschaft gehören konstitutiv zum Arbeitsleben.

Paradoxerweise führt die Quotenpolitik zum Wiederbeleben von traditionellen Bildern von Männern und Frauen. Sie verstärkt die Vorstellung, dass Frauen im außerfamiliären Bereich nicht viel zuzutrauen ist. Von da aus ist der Schritt zu der Vorstellung nicht weit, dass der „eigentliche Lebensbereich“ von Frauen Heim und Herd sei. Frauen bedürfen der Hilfe von Männern bzw. vom Vater Staat. Sie sollen von den Härten des beruflichen Lebens verschont bleiben. Die Quotenpolitik ist somit eine „Regression zu traditionellen Arrangements von Männern und Frauen“.

Interessant ist die Frage, warum sich Männer für die Frauenquote einsetzen. Die genannten traditionellen Vorstellungen bilden dafür nur einen Grund. Der zweite Grund ist nicht minder wichtig: Männern, besser: einem abstrakten Kollektiv „die Männer“ oder „das Patriarchat“, werden Schuldgefühle „eingeredet“. Sie werden für das Leid der Frauen verantwortlich gemacht. Die Frauenquote kann als eine Wiedergutmachung für dieses Leid angesehen werden.

Quotenpolitik – so eine zentrale Aussage Amendts – ist eine Politik, die den beruflichen Aufstieg von Leistung entkoppelt und an deren Stelle leistungsfremde Kriterien, die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv, setzt. Das widerspricht dem individualistischen Gerechtigkeitskonzept, wonach ein Mensch nach seinen individuellen Fähigkeiten und Qualifikationen und nicht nach seiner Gruppenzugehörigkeit beurteilt und eingestellt wird. Amendt plädiert abschließend dafür, dass der einzelne Mensch in den Mittelpunkt der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gestellt wird. Dieses Plädoyer beinhaltet auch eine Mahnung: Der Kollektivismus führt notwendigerweise zu totalitären Gesellschaftsformen. Das beweist die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Wir sollten dieser Entwicklung entgegenwirken, bevor es zu spät ist.

Gerhard Amendt: Frauenquoten – Quotenfrauen. Oder: Einem geschenkten Gaul ..., Manuscriptum Verlag 2011, 75 Seiten, 9, 50 Euro, ISBN 978-3-937801-73-5

Bei Amazon



Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


Kommentare (0)




 
  Kommentare (0)


Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 



Spruch des Tages
"Die guten Ratschläge verdanken ihren ausgezeichneten Ruf dem Umstand, dass sie niemals befolgt werden." Daniel Spitzer

ANZEIGE

ANZEIGE

Galerien

Europolis: Tagung zur Reform der europäischen Währungsordnung Europolis: Tagung zur Reform der europäischen Währungsordnung

Stuttgart: Anti-ESM-Demonstration des Aktionsbündnis Direkte Demokratie Stuttgart: Anti-ESM-Demonstration des Aktionsbündnis Direkte Demokratie

Südkongreß "ESM-Vertrag - der Weg in die Schulden- und Inflationsunion? Entdemokratisierung Europas?" Südkongreß \"ESM-Vertrag - der Weg in die Schulden- und Inflationsunion? Entdemokratisierung Europas?\"


Interviews

Steffen J. Roth Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren
Steffen J. Roth
Institut für Wirtschaftspolitik an der Kölner Universität

Dr. Albert Wunsch Wieso fehlt zu vielen Jugendlichen eine Gewalt-Bremse?
Dr. Albert Wunsch
Therapeut, Erziehungswissenschaftler

Dr. med. Rainer Böhm Betreuungsgeld ist sinnvoll und notwendig
Dr. med. Rainer Böhm
Kinder- und Jugendarzt

Alexander Ulfig »Gleichstellungspolitik führt zu Ungerechtigkeiten«
Alexander Ulfig
http://qualifikation-statt-quote.de/

Hedwig Beverfoerde, Birgit Kelle JA zum Betreuungsgeld!
Hedwig Beverfoerde, Birgit Kelle
Initiative Familienschutz, Frau2000plus

Mehr Interviews


Video

Zivile Koalition: Stoppt ESM-Vertrag - Stoppt Schulden- und Inflationsunion Zivile Koalition: Stoppt ESM-Vertrag - Stoppt Schulden- und Inflationsunion

Thilo Sarrazin: Europa braucht den Euro nicht Thilo Sarrazin: Europa braucht den Euro nicht

EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von

Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de

Hedwig Beverfoerde zum Betreuungsgeld Hedwig Beverfoerde zum Betreuungsgeld


Umfrage

Würden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?

Foto: Lupo / pixelio.de




Ergebnis

Meist gelesen
    Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP

    Dr. Rainer Böhm: Betreuungsgeld ist sinnvoll und notwendig

    Rösler: Weniger Solarsubventionen

    Pressekonferenz: Anti-ESM-Großdemonstration in München

    EU-Ausschuss will Eurobonds

Empfohlene Blogs

author Beatrix von Storch
Ohne Euro bricht alles zusammen- und mit Euro???

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Unsere Politiker verachten das eigene Volk

author Jürgen Liminski
Vom Pudding zum Präsidenten - Die Metamorphose des Francois Hollande

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Die Deutschen haben die Wahlen verloren

author Birgit Kelle
Kinder statt Klappstühle

author Beatrix von Storch
Der sog. Fiskalpakt - oder wie man einen ganzen Kontinent verschaukelt

author Beatrix von Storch
Der finale ESM-Vertrag - Ende von Demokratie und Parlamentsvorbehalt


Reportage

Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam

Die eigenartige Zurückhaltung des Westens Die eigenartige Zurückhaltung des Westens

Mit der Brechzange in die Familien Mit der Brechzange in die Familien

Wer errechnet eigentlich die Inflation? Wer errechnet eigentlich die Inflation?

Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen." Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen."

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP

Familienschutz startet Online-Initiative "JA zum Betreuungsgeld" Familienschutz startet Online-Initiative "JA zum Betreuungsgeld"

Und jetzt die Inflationsunion! Und jetzt die Inflationsunion!

FDP und ESM - Ein Beitrag von Prof. Vaubel FDP und ESM - Ein Beitrag von Prof. Vaubel


Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Finanzkrisen
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
EU -Warnung an Griechenland
Nahost-Konflikt
Die Sorge um Syrien nimmt zu
Doch keine Neuwahlen in Israel
Pakistan testet erfolgreich Rakete
DDR-Unrecht
Vaatz prangert Heuchelei an
Stasi-Unterlagen: 20 Jahre - 2,8 Millionen Akten-Einsichten
"Von oben" verordneter EU-Unionsstaat birgt totalitäre Tendenzen
Allgemein
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Chef der Vatikanbank gefeuert
Muslim-Brüder liegen in Ägypten vorn
Bildung
Pressekonferenz: Anti-ESM-Großdemonstration in München
Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP
Interview: JA zum Betreuungsgeld!
Reformen
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam
Wirtschaftspolitik
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Börse setzt Handel mit Bankia-Aktien aus
Merkel plant EU-Sonderwirtschaftszonen
Familie
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Dr. Wunsch kritisiert Caritas und Diözese Rottenburg-Stuttgart
Württemberger Katholiken: Krippenausbau ist alternativlos
Autoindustrie
Opel in Bochum vor dem Aus?
Opel-Krise schwelt weiter
Neuer Schock für Opel
Wahlen
Betreuungsgeld aus Zweifeln an anderen staatlichen Wohltaten geboren - Interview mit Steffen J. Roth
Muslim-Brüder liegen in Ägypten vorn
Europäer diskutieren Eurobonds
1945-49/Verfassungsbruch1990
Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
Justiz
Stoiber-Tochter verliert Doktortitel endgültig
Terrorhelfer verliert Arbeitsplatz
»Blockupy« glimpflich verlaufen

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008