Wenn Du Pfarrerin in Baden-Württemberg werden willst.
Denn wisse: Das im Neuen Testament von Jesus als dezidiert neues Gebot ausgewiesene Gebot der Liebe gilt nicht für die Liebe zwischen einer evangelischen Pfarrerin und einem Muslimen. Hier gilt das Gesetz, insbesondere das Württembergische Pfarrdienstrecht.
Wo kämen wir da hin, wenn Liebe überkonfessionell wäre und auch noch Recht bricht.
Liebe als geistliche Basis genügt der Kirche nicht!
Nicht einmal ihr Vikariat darf nun die Vikarin Carmen Häcker nach ihrer Heirat mit einem Bangladeshi zu Ende bringen; das hätte ihr wenigstens eine Anstellungsmöglichkeit in einem anderen Bundesland offen gelassen, dessen Evangelische Kirche einen dehnbareren Liebesbegriff kennt als den in der Evangelischen Landeskirche Baden-Württembergs vorhandenen. Im Schwobeländle nämlich müssen Pfarrerinnen und Pfarrer einen Partner heiraten, der auch evangelisch ist, zumindest aber der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen angehört.
Der Grund für diese Bestimmung ist, dass ein Ehepaar eine gemeinsame geistliche Basis brauche, um den Belastungen des Pfarrberufs gewachsen zu sein. Die Liebe zweier Menschen zueinander genügt einer Kirche offensichtlich nicht.
Fröhliche Weihnachten!
Zum 31. Dezember 2011 ist Carmen Häcker aufgrund ihrer Hochzeit mit Md Monir Khan entlassen. – Ein ziemlich christlicher Zeitpunkt!
Die Liebe zweier Menschen als gemeinsame geistliche Basis und Grundlage für den Pfarrberuf genügt also nicht.
Was gibt es Wertvolleres?
Vermutlich wissen der Oberkirchenrat und seine geistigen Wasserträger mehr als Gott. Jedenfalls bleibt die Antwort auf obige Frage wohl das Geheimnis der Amtskirche, die verantwortlich ist für das Württembergische Pfarrdienstrecht und seine kompromisslose, um nicht zu sagen: gnadenlose Umsetzung.
Jeden Tag mit einem Gottlosen am selben Tisch, im selben Bett !
Man stelle sich das auch mal vor: Eine Pfarrerin verheiratet mit einem Muselmann. Wie soll sie da von Liebe baden-württembergischer Prägung predigen können?
Wie soll sie ihren Dienstgeschäften nachkommen können, wenn sie jeden Tag mit einem Gottlosen am selben Tisch sitzt - oder noch schlimmer: das Bett teilt. Er hat ja entweder keinen Gott oder nicht den richtigen, sonst dürfte ja alles kein Problem sein.
Nein, solche Pfarrerinnen und Pfarrer kann Jesus nicht gewollt haben. Bedauerlicherweise hat er versäumt, sich präziser auszudrücken.
Sonderliebesregelungen für Hindus, Muslime und Andere
Gesagt hat er: Ein neu Gebot habe ich euch gegeben: dass ihr euch untereinander liebet.
Vergessen hat er zu sagen: Dieses Untereinander gilt nur für Christen. Für Hindus, Muslime und Ähnliches gelten Sonderliebesregelungen.
Die Evangelische Landeskirche Baden-Württembergs weiß, wie Jesus wirklich denkt, und das wissen übrigens auch eine Mehrheit von Baden-Württembergern, die sich an einer Umfrage des SWR-Fernsehens am Freitagabend beteiligten; sie fanden die Entscheidung der Landeskirche richtig.
Gott sei Dank muss man diese Umfrage nicht als repräsentativ ansehen.
Noch peinlicher als obiger Umstand einer vorzeitigen Entlassung ist - und solches Verhalten sind wir ja aus der hohen Politik gewohnt -, wie sich die Protagonisten der Landeskirche winden.
Anstatt dass sie sagen:
Ja, unser Kirchenrecht ist leider antiquiert. Eigentlich begrüßen wir die Ehe von Pfarrerinnen und Pfarrern mit Migrationshintergrund, auch nicht-christlicher Konfessionen.
Ja, wir wissen, dass der Geist Christi überkonfessionell ist und eine Bewusstseinsstufe beinhaltet, die nicht an Stuttgart oder Baden-Württemberg gebunden ist.
Ja, wir kennen Menschen, die uns das vorgelebt haben, Fatuma Abdulkadir Adan und auch Mahatma Gandhi, der als Hindu die Bergpredigt wie kaum etwas anderes schätzte.
Stattdessen ihr unwürdiges Weicheiern, das mehrfach nachzulesen ist, unter anderem hier.
Schade im Übrigen, dass die Kirche ihren eigenen Sakramenten misstraut.
In diesem Fall gilt das für das Sakrament der Ehe.
Und ganz besonders im Hinblick auf die Ehen ihrer eigenen Pastorinnen und Pastoren.
Ja, Fatuma Abdulkadir Adan!
Sie hat gerade - nur wenige hundert Meter vom Sitz der Evangelischen Landeskirche entfernt - den Stuttgarter Friedenspreis erhalten.
Tatsächlich riskiert die 33-jährige Rechtsanwältin in der kenianisch-islamischen Männergesellschaft tagtäglich ihr Leben und organisiert - orthodoxen Muslimen eigentlich unvorstellbar - für Mädchen und Frauen Fußballturniere unter dem Motto:
Wir zielen, um Tore zu schießen, nicht um zu töten.
Die Kenianerin ist als Muslima die personifizierte Provokation für jeden Imam. Sie ist das grässliche Töten unter den Ethnien ihres Landes leid und bringt die Frauen der verfeindeten Stämme unter anderem mittels Fußball zusammen.
Nun stellen Sie sich vor: Diese Frau verliebt sich in einen evangelischen Pfarrer und wollte ihn heiraten, sie, die wirklich Liebe lebt und so vieles im Sinne Jesu mutig tut.
Geht nicht!
Die Todeslisten der Neonazis
Neuerdings wissen wir, dass, wer entsprechende Gedanken äußert und vielleicht auch solche Zeilen schreibt wie hier, Gefahr läuft, sich auf neonazistischen Todeslisten wiederzufinden.
Wie dringend braucht gerade unsere Zeit auf dem Hintergrund des sich herauskristallisierenden neonazistischen Treibens gelebte Toleranz, den Respekt vor dem Anderen.
Was könnte eine Heirat zwischen einer evangelischen Pfarrerin und einem Muslimen ein lebendiges Zeichen der Liebe sein!! Der Toleranz! Des Miteinander!
Vor 232 Jahren: Lessings Ringparabel
Dabei wäre eine Heirat zwischen einer evangelischen Pfarrerin und einem Muslimen gar kein Zeichen von Toleranz. Sie ist eine Selbstverständlichkeit; es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ein evangelischer Pfarrer eine Muslima heiraten können muss und eine evangelische Pfarrerin einen Muslimen.
232 Jahre ist jetzt die Uraufführung von Gotthold Ephraim Lessings Nathan der Weise her. In diesem Theaterstück geht es um gelebte Toleranz zwischen Judentum, Christentum und Islam und die Tatsache, dass diesen Religionen ein gemeinsamer Ring, ein gemeinsamer Kern zugrunde liegt.
Wir schreiben 2011 und müssen solch eine Diskriminierung der Ehe mitansehen, müssen mitansehen, wie ein Muslim von der Kirche diskriminiert wird. Denn wie ein Liebender sich vorkommt, dem schon im Vorhinein attestiert wird, er könne seine Frau in ihrem Beruf nicht angemessen unterstützen, kann man sich wohl vorstellen.
Ganz offensichtlich hat die Evangelische Kirche - zumindestens Baden-Württembergs - aus den Austrittswellen noch nichts gelernt.
Im Baden-Württembergischen Weinberg des Herrn - evangelischer Provenienz jedenfalls - zählt ein Gesetz, das von Liebe nichts weiß.
Gott sei Dank gibt es Menschen, die der Liebe vertrauen!