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     Jürgen Liminski
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Der wirkliche Einsatz / Rien ne va plus - Nichts geht mehr
Weitere Themen: Finanzkrisen, Wirtschaftspolitik

Karl Blessing, Bundesbankpräsident in den sechziger Jahren, meinte ganz lapidar: „Es gibt keine harte Währung ohne harte Maßnahmen“. Die Frage ist nur: Für wen sind sie hart? Nur für die Steuerzahler, oder auch für die Politiker, oder gar für die Banken? In der Tat, es geht schon seit einiger Zeit nicht mehr nur um Griechenland. Das Finanzsystem weltweit steht vor einem Umbruch. Anschaulich wurde es am vergangenen Wochenende, als in 950 Städten in 80 Ländern hunderttausende gegen die Auswüchse der Bankenwelt demonstrierten. Die Wut über die Boniritter und ihre ausbleibende Rechenschaftsablegung wächst, schreibt selbst die nüchterne Neue Zürcher Zeitung, und sie warnt: „Gelingt es nicht, Sprachlosigkeit und Ignoranz zu überwinden, wird die Belastbarkeit des sozialen Zusammenhalts zur eigentlichen Schicksalsfrage westlicher Demokratien“. Darum geht es. Und die Einordnung der Banken spielt dabei eine Hauptrolle.

Das haben auch manche Politiker verstanden. Finanzminister Schäuble bereitet die Ackermänner dieser Welt auch schon auf harte Maßnahmen vor.

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Die systemrelevanten Banken werden mehr als geplant dazu beitragen müssen. Im Klartext heißt das: Sie werden ihre griechischen Staatsanleihen, mit denen sie bisher fabelhafte Gewinne einfuhren, abschreiben müssen. Und das Risiko werden sie selber tragen, so dass sie an ihre Reserven, sprich an ihr Eigenkapital ran müssen. Seither geht die Angst um, die Banken misstrauen einander wieder. Statt sich gegenseitig wie üblich Geld zu leihen bringen sie, aus Angst vor faulen Krediten in den Tresoren der Kollegen, ihr Geld lieber zur Europäischen Zentralbank, auch wenn sie dort sehr viel weniger Zinsen dafür bekommen. Dieses Misstrauen jedoch gefährdet die Realwirtschaft und die Kommunen. Denn Unternehmen und Kommunen bekommen von den Banken kaum noch Kredite. Hier schlägt die Krise auf den Alltag um. Schlimmer noch als in Deutschland grassiert die Angst in Frankreich. Deshalb würde der französische Präsident gern auf das Geld der Europäischen Zentralbank zugreifen, um eben die französischen Banken zu retten. Davor aber steht noch seine Freundin Angela. Beim EU-Gipfel am Wochenende wird man gemeinsam beraten, wie man wo an Geld herankommt, ohne das Gesicht und die nächsten Wahlen zu verlieren – und um die Banken zu retten.

Man muss nicht so weit gehen wie Kurt Tucholsky, der schon vor achtzig Jahren sein Mißtrauen gegenüber Bankern so kundtat: „Wirf den Bankier, wie du willst, er fällt immer auf Dein Geld.“ Aber ein gewisses Gschmäckle haben die Forderungen der angeblichen Euro- und Europa-Retter schon. Wenn Kommissionspräsident Barroso etwa keck eine höhere Kapitalausstattung der Banken und den Verzicht auf Boni und Dividenden fordert, dann darf man auch fragen: Woher sollen die Banken das Kapital bekommen, um sich besser auszustatten? Die diversen Rettungsfonds werden es ermöglichen. Und das ist wieder das Geld des Steuerzahlers. Redlich ist das nicht. Ehrlicher wäre es, mal ein paar Banken das Risiko ihrer Gier zahlen zu lassen. Und kostete es die eine oder andere Pleite eines Bankerfreundes. Für diese Casino-Banker muß es beim Gipfel heißen: Rien ne va plus – nichts geht mehr. Das ist  hart aber immer noch billiger als der Verlust des sozialen Zusammenhalts.



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Kommentare (7)




 
  Kommentare (7)

Susanne, 22.10.2011 06:59
Wessen Gier ist größer? Die Gier der Banken, die einem geldhungrigen Staat wie Griechenland, das misswirtschaftet, Geld ausleiht, oder eben die Gier dieses und anderer Staaten, deren Geldhunger durch unsolide Politik schier unersättlich ist? Jürgen Liminski blickt nur auf eine Seite der Medaille. Dieser Artikel ist einäugig.

Menschenskind!, 20.10.2011 09:28
@Danke!
„Die Banker müssen zahlen- sonst ändert sich nichts.“

Guter Witz! Die Banker WERDEN selbstverständlich zahlen! Und womit? Mit Papierfetzen und Helikoptergeld. Das gibt es in unbegrenzter Menge, wie Luft und Wasser. Nominal und vollständig werden die Banken uns zurückgeben, was die Leute fordern. Immer noch scheint der Glaube weitverbreitet zu sein, Reichtum und Wohlstand äußere sich in papierenen Größen und digitalen Billiarden-Nullen.

Zurückzahlen! Wer glaubt denn allen Ernstes, seine Ersparnisse in Form von Geld seien eine Art zurückgelegter Besitz, den man später antreten kann? In Wahrheit ist jedes Sparbuch oder jeder Anteilsschein nichts anderes ist als ein Zertifikat für den Gläubiger (Sparer), der als Erwirtschafter und ehemaliger Besitzer freiwillig die Verfügungsgewalt über sein rechtmäßig erworbenes Eigentum aus der eigenen und in fremde Hand gegeben hat! Der Sparer ist ein Gläubiger!

Als ob die betrogenen Gläubiger – also das werktätige Volk – mit Papier etwas anfangen könnte außer sich den berühmten H… damit abzuputzen. Und selbst für diesen Zweck ist der Euro denkbar ungeeignet, da zweitklassiges, wenig schmiegsames Material.

Ist das so schwer zu kapieren: was die Finanzelite all die Jahrzehnte an sich gerissen hat, ist nicht das „Geld“, sondern die Hardware unserer Welt: Güter, Land, Dienstleistungen, Positionen und Einflußbereiche und so weiter. Zu diesem Zweck benutzte man als Mittel das Spielgeld, das nun allmählich seinen Wert verliert. Wen sollte das beunruhigen, wenn er seine damit ergaunerten Güter in Sicherheit gebracht hat? Wir erlebten und erleben immer noch eine schleichende Enteignung hinter den Kulissen, die mit Hilfe der Fiat-Währung vertraglich legitimiert wurde und wird – ohne Wissen und Einwilligung eines Hauptbeteiligten, nämlich des eigentlichen Besitzers. Er ist der unbekannte Dritte in diesem Spiel, der erst am Ende merkt, daß es um ihn geht, und nicht um Geld.
Verträge, geschlossen zwischen zwei Parteien zu Lasten einer nicht anwesenden Dritten, nach diesem hochunmoralischen Muster funktioniert unser Gemeinwesen, sobald Falschgeld im Spiel ist.

Die Banken werden schon zahlen, lieber „Danke!“, dessen dürfen Sie sicher sein. Und was, bitte, ändert sich dann?


Danke!, 19.10.2011 23:44
So ist es. Klar und einfach ausgesprochen. Die Banker müssen zahlen- sonst ändert sich nichts.

Otto, 19.10.2011 18:00
Finanzminister Schäuble als Beispiel für Politiker anzuführen, die etwas verstanden hätten, ist eine recht hübsche Satire.
Es führt ausserdem nicht sehr weit, das Verhalten "der Banken" weitgehend isoliert zu betrachten. Banken agieren in einem wirtschaftlichen Umfeld, das wesentlich von der Geld- und Fiskalpolitik bestimmt wird, und sie stehen im Wettbewerb untereinander. (Wenn der Bauer Dünger ins Meer kippt, dann ist für die folgende Algenpest nicht das Meer verantwortlich.) Dass Bank-Manager unmoralisch handeln und sich unverdiente Boni auszahlen, ist eine sicherlich zutreffende Beobachtung, die uns aber kaum auf den Grund der Probleme führt.
Ich empfehle allen die Lektüre des Buches Die Ethik der Geldproduktion von Jörg Guido Hülsmann.


RealDeal, 19.10.2011 15:12
Die Gier für die Schuldenkrise verantwortlich zu machen, gleicht dem Versuch, die Schwerkraft für die tödlichen Folgen eines Sprungs vom Hochhaus verantwortlich machen zu wollen.

Real, 19.10.2011 14:20
Herr Liminsky,
der Zyniker Schäuble hat verstanden, Sie dagegen nicht. Die sogenannte EURO-Krise wurde duch Schulden verursacht und wird mit noch mehr Schulden bekämpft. Unbequem ist es längst für diejenigen, die sich gemäß Cantillon-Effekt am Ende der Inflationskette befinden, nämlich Bezieher von Einkommen - Angestellte und Arbeiter. Für "systemrelevante" Banken wird es nur dann unbequem, wenn sich das System nicht mehr mit politischem Luftgeld aufrecht erhalten lässt. Dann wird es für die Schäubles dieser Welt aber ebenso unbequem.


FDominicus, 19.10.2011 13:11
Auch die deutsche Mark war immer noch eine Fiat-Währung und hat während Ihres Bestehens ca 70 % Ihres Wertes eingebüsst. Harte Maßnahmen? Nun ja wie man es sieht....


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