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Gauweiler nicht zum CSU-Vize gewählt- aber wie!
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Ich war am letzten Wochenende in Nürnberg auf dem CSU-Parteitag und der hatte nur ein echtes Thema: Wird Peter Gauweiler zum Stellvertreter des Vorsitzenden gewählt oder nicht. Alles andere war nett, aber nicht wirklich relevant. Nicht, daß nun die Berichterstattung aus Nürnberg überraschend wäre, aber bemerkenswert ist es doch, das Bild, was „man“ zu zeichnen sucht:  „Gauweiler gescheitert“ - heißt es da.

 

 

Die Medien wollen uns glauben machen, Gauweiler sei untergegangen und mit ihm natürlich das, wofür er steht: der Widerstand der CSU innerhalb der Regierungskoalition gegen den Merkelschen Euro-„Rettungs“-Wahnsinns. Aber dem war mitnichten so:

 

Zunächsteinmal war Gauweiler schon am Tag vor der Vorstandswahl der Redner mit dem längsten und lautesten Applaus, was dem Tagungsleiter sichtbar nicht in den Kram paßte. In die klatschende Sympathiekundgebung des Parteitages hinein moderierte er kurzerhand den nächsten Redner an, um so die Welle nicht ausufern zu lassen.

 

Aber vor allem die „Vorstandswahl“ selbst war eine farce. Es mag ja absolut üblich sein, daß „Wahlen“ in unseren deutschen Parteien so ablaufen, aber das ändert nichts daran, daß sie diesen Namen nicht verdienen, wenn man sie als „demokratisch“ verstehen will. Etwa 860 Delegierte sollen vier Stellvertreter für Seehofer als Parteivorsitzenden wählen. Und wenn alles nach Wunsch der Führung gelaufen wäre, dann wären auch nur die - vom Vorstand - handverlesenen vier Kandidaten dafür aufgestellt worden. Der Vorstand wählt sich ihm genehme Kandidaten aus. Der Parteitag nickt. Alles bleibt ruhig. Nun aber kommt ein fünfter hinzu. Wie kann man also verhindern, daß der am Ende gewählt wird und Unruhe verbreitet? Ganz einfach. Der Wahlmodus entscheidet:

 

Die ersten drei Kandidaten treten ohne Gegenkandidat an. Alle drei haben eines gemeinsam, bzw. eines gemeinsam nicht: ein klares, kantiges Profil oder einen Ministerposten in der Regierung. Sie werden einzeln „gewählt“: Ja, Nein oder Enthaltung zu Kandidat eins, zwei und drei. Zustimmungsquoten zwischen 62 % und 76 %, wobei ich ehrlicherweise nicht weiß, ob ein Mindestquorum für die Wahl überhaupt erforderlich ist. Faktisch sind diese drei Kandidaten „gesetzt“. Keiner muß fürchten, am Ende nicht auf den Vorstandsposten gespült zu werden. Danach ist dann nur noch ein Posten frei. Und für den treten jetzt zwei Kandidaten an: Der eine: Dr. Peter Ramsauer, Bundesverkehrsminister, der sein Amt auch für Bayern nutzt und gerne mal den Bau eines Autobahnkilometers hier und da fördern kann. Er bewirbt diese Kilometer in seiner Rede selbst, hat aber dazu noch so prominente Wahlkampfhelfer wie Bundeskanzlerin Merkel, die ihn in ihrer Rede x-fach erwähnte, ihm dankte, ihn lobte- ihn hervorhob, wo es nur ging. Und: Dr. Peter Gauweiler, Bundestagsabgeordneter, der – und so beginnt seine Vorstellungsrede – eben „keinen Kilometer“ anbieten kann. Wahlkampfhelfer- Fehlanzeige. Am Ende erhält der Minister mit Kanzlerinnenzuspruch und Bundesautobahnkilometer 21 Stimmen mehr, als der einfache Abgeordnete. 440 : 419. Gauweiler gescheitert? Mitnichten.



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Kommentare (4)




 
  Kommentare (4)

Hans Meyer, 11.10.2011 23:54
Allzu große Hoffnungen sollten auf Gauweiler nicht gesetzt werden. Er stabilisiert auf seine Weise den üblichen Volksbetrug:
http://d-mark-volk.blogspot.com/2011/10/der-pseudo-populist-die-kalt-reserve.html


Otto, 11.10.2011 14:31
Sehr interessanter und informationsreicher Artikel.
An meinem Urteil über die CSU ändert sich dennoch nichts: eine mehrheitlich verrottete Blockpartei.
"Demokratisch" ist in diesem Land nichts mehr zu retten.
Jeder Wahlgang, jede Wahlperiode bedeutet mehr Zeit für die Politverbrecher, dieses Land mit seinen Wurzeln zu zerstören. Die CSU schwächt sich nun selbst. Und dann kommt Rotgrün mit Ude.
Ich beteilige mich an diesem Spiel nicht mehr. Besser, man plant für die Zeit nach dem Zusammenbruch. Vielleicht wird man aus einigen Trümmerresten noch einmal etwas ganz Kleines, Solides zusammenzimmern können. Für mehr reicht meine Hoffnung nicht.


Horatio Nelson, 11.10.2011 11:56
Dieses Ergebnis war unter der gegebenen Konstellation des Denkens der ämterpatronisierenden heutigen "Volksvertreter" völlig zu erwarten. Wichtig aber zu merken ist tatsächlich die Enge des Ergebnisses. Wieder einmal hat die etablierte Politik "selbstverständlich" in erster Linie an die die eigene Haut und die eigenen Pfründe gedacht und sie vermeintlich gerettet. Aber dieses Ergebnis zeigt, daß sie nunmehr in die Enge getrieben wird. Sie hat bislang zuviel in die eigene Tasche gewirtschaftet. Allmählich nähert sich der in Wählerkreisen lang ersehnte Moment der Wahrheit. Nicht mehr vergeblich ist die Hoffnung, daß die ja-sagende bisherige Mehrheit der Bequemlichkeitspolitiker, wie der selbst in Parteikreisen ungern gesehene Ramsauer, umgestoßen werden könnte. Klar ist auch dabei, daß eine Mehrheit der CSU-"Volksvertreter" im Herzen statt Bequemlichkeit die fähigste Kraft der Partei, Gauweiler, sehen möchte.
Grüße,
Horatio Nelson.


Susanne, 11.10.2011 05:19
Das kann frau auch anders sehen. Was ist ein Kanzlerinnenzuspruch der Marke Merkel denn wirklich wert? Nichts, wie am Beispiel des Zuspruchs von Merkel für den Freiherrn von und zu Guttenberg zu sehen war. Der rätselt jetzt, wie er die Familienehre der Guttenbergs wieder herstellen kann. Merkels Zuspruch ist, zumal in der CSU, kein Bonus. Dort gilt mehr, wer ihr Widersacher ist. Deswegen gelang es Gauweiler, wenigstens einen Achtungserfolg zu erzielen.


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