Seit dem 17. September versammeln sich Tausende von Demonstranten in New Yorker Zuccotti Park, in unmittelbarer Nähe zum früheren World Trade Center Gelände. Die Demonstranten, die via occupywallst.org vernetzt sind, protestieren gegen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in den USA.
Der Platz hat sich in ein Meer von Schlafsäcken und Transparenten verwandelt; dort gibt es in diesen Tagen kostenlose medizinische Versorgung, frische Lebensmittel, Musik und Leihbücher – hier reichen sich Gewerkschaftler, Banker, Studenten, Utopisten, Mitglieder der Tea Party und Normalbürger die Hand. Alte New Yorker kennen den Platz noch als Liberty Plaza Park, was nach wie vor der passendere Name wäre. Der Park war bis Sept. 11 ein beliebter Ort zum kurzen Verweilen aufgrund seiner Lage zwischen Wall Street und WTC. Nach den Anschlägen war der Platz verwaist, mit Schutt bedeckt. Als Teil des Lower Manhattan Wiederaufbaus wurde er komplett neu gestaltet.
2006 kehrte ein alter Freund von Wall Street – where money never sleeps - zurück: „Double Check“. Wie so viele war auch er nach den Anschlägen evakuiert worden. Double Check ist eine Skulptur von J. Seward Johnson und steht nicht nur für Geschäftsleute, die im Laufe des Tages in der frischen Luft kurz verweilen wollen, sondern für Generationen von Wall Street Angestellten, die dazu beitragen, dass aus Geschäftsideen erfolgreiche Unternehmen entstehen. Die lebensgroße Bronze zeigt einen Geschäftsmann, der seinen Unterlagen prüft, bevor er zum nächsten Termin eilt (double-checking his facts and numbers). In diesem Tagen wirkt er sicherlich etwas nervös, zu befremdlich sind ihm die Parolen, die sich gegen seine Zunft richten. Er gehört ganz offensichtlich nicht zu den Fat Cats, die sich die Taschen voll gestopft haben – dazu ist der Faden seines Anzugs nicht fein genug. Er hat bislang alle Anschläge überlebt. Abgestaubt und gesäubert sitzt er nun wieder an alter Stelle.
Der Platz liegt zwischen Broadway, Trinity Place, Liberty Street und Cedar Street, einen Steinwurf von der Wall Street entfernt; einstmals im Schatten der nordwestlich gelegenen WTC-Türme und des nördlich gelegenen Hochhauses „One Liberty Plaza“ (früher U.S. Steel Building ), das u.a. einen Teil der Verwaltung der NASDAQ Stock Markets, div. Abteilungen von Goldman Sachs und die Anwaltskanzlei Cleary Gottlieb beherbergt(e?) – und natürlich ein Brooks Brothers Geschäft.
Es bleibt offen, ob es den Demonstranten und unserem Freund Double Check gelingt, sich zu verständigen, das Gute der Wall Street zu bewahren, und das Maßlose und die Hybris in ihre Schranken zu verweisen. Ohne die vielen Number Cruncher, Analysten, Broker und Intermediäre wie Double Check, hätte wohl kaum jeder einen PC, gäbe es nicht „Silicon Valley“, die iGeneration, Web 2.0 (Social Media) -– wüssten wir wohl nicht wer Steve Jobs ist, um den wir heute trauern. (Meinen ersten Toshiba Laptop habe ich ganz in der Nähe von Double Check erworben.)