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27.05.2012
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     Karl Feldmeyer
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Der Euro und das große Unbehagen
Weitere Themen: Finanzkrisen, Reformen, Wirtschaftspolitik

An  diesen Donnerstag wird sich der Bundestag noch lange erinnern. Es war eine gespenstische Debatte. Wohl nie  war die Kluft zwischen  Versicherungen der Regierenden und den  Befürchtungen der Abgeordneten größer. Dennoch stand die Zustimmung zur Erweiterung des erweiterten Euro-Rettungsschirms, kurz EFSF genannt, im voraus fest.  

 Grüne und SPD garantierten der Regierung eine Mehrheit – unabhängig vom Votum ihrer eigenen Abgeordneten. Damit ist die Summe für die Deutschland  haftet, von 119 auf 211 Milliarden Euro angestiegen Die Bundeskanzlerin aber kann aufatmen, denn mit 315 Stimmen aus den eigenen Reihen hat sie die  Kanzlermehrheit erhalten.

 

Wichtiger als dies aber sind das tief sitzende Unbehagen vieler Abgeordneter und ihre Ängste. Nicht  nur die Höhe des Betrags, der sich weiter bis auf 400 Milliarden Euro  erhöhen kann, treibt Abgeordnete  aller Fraktionen um. Hinzu kommt die Befürchtung, dass dies nur ein Anfang und der  Einstieg in eine  Verschuldungsspirale ist, an deren Ende eine Währungsreform stehen könnte, so wie es der Finanzwissenschaftler Professor Homburg, Direktor des Instituts für öffentliche Finanzen  an der Universität Hannover, voraus gesagt hat: „Das endet wie 1948 mit einer Währungsreform“ lautet seine Prognose.

 Finanzminister Schäuble hat am Donnerstag versucht, solche Befürchtungen auszuräumen, die sich zudem mit der Befürchtung verbinden, künftig könnten neue finanzielle Verpflichtungen ohne Zustimmung  des Parlaments  übernommen werden.  Der EFSF werde nicht heimlich aufgestockt.  „Der wird nicht erhöht. Das steht nicht zur Debatte“, beteuerte er vor  dem Bundestag .Viele Abgeordnete glauben ihm das nicht und werfen ihm Täuschung der Öffentlichkeit vor: Aus gutem Grund, denn die Anzeichen dafür, dass in der EU-Kommission das Gegenteil schon vorbereitet wird, sind zahlreich. Ihre Pläne zielen darauf, die Kreditsumme durch “Hebelung“ auf ein Vielfaches der ausgewiesenen Kreditlinie zu erhöhen – und zwar mit Zustimmung Schäubles. Schon spricht man beim IWF. dem Internationalen Währungsfonds, von einer Anhebung des Kreditrahmens  auf mehr als eine Billion Euro,  um vorzusorgen,  fallskarar auch Italien und Spanien  Zahlungsunfähigkeit droht.  „Die Märkte wollen mehr“, konstatiert EZB-Vorstandsmitglied Bini Smaghi. Dieses „Mehr“ aber hätte im Wesentlichen  Deutschland  aufzubringen.

 Damit aber stieße es  an seine Grenzen. Die Rating-Agentur Standard & Poors hat Berlin schon vor den Folgen weiteren Garantien für seine Kreditwürdigkeit gewarnt. Wie begründet dies ist,  zeigt der Anstieg  der Risikoprämien, die Deutschland für Kredite bezahlen muss. Sie haben sich in der letzten Woche fast verdreifacht.

All das spricht dafür, dass Zweifel an der deutschen Euro-Politik nur zu berechtigt sind. Wenn Deutschlands Kreditwürdigkeit heruntergestuft wird, kommt die Stunde der Wahrheit – leider nicht nur für die Politiker, sondern  für uns alle.

 

 

 



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Kommentare (7)




 
  Kommentare (7)

Politikverdruss, 05.10.2011 20:02
Ja, so ist das, wenn 85 Prozent der Parlamentarier das exakte Gegenteil dessen beschließen, was 85 Prozent der Stimmbürger fordern.
Man nennt das „repräsentative Demokratie“! Es gibt bestimmte Politikfelder, da sind demokratische Grundlagen außer Kraft gesetzt. Beispielsweise die Europapolitik. In der Europapolitik gibt es keine Opposition. Und wer dagegen ist, muss sich gefallen lassen, als „Populist“ diskriminiert zu werden, wird in der nächsten Stufe der Abstrafung „gebosbacht“ und ist dann nicht weit davon entfernt, von der Gruppe der politisch Korrekten als „Volksverhetzer“ wahrgenommen zu werden.


Susanne, 04.10.2011 10:43
Es wie bei Kaninchen, die wie paralysiert vor der Schlange sitzen. Es geht um mehr als Unbehagen. Es geht darum gefressen zu werden oder zu überleben.

Rudi Gems, 03.10.2011 08:26
Die Tage der Finanzwelt, sind gezählt, wenn auch noch niemand die Zahl, genau angeben kann. Es wird mit einem Knall, wie bei "Lehmann Brothers", enden. Der Anlass, der diesen Knall auslöst, ist völlig beliebig, er ist nur der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt.

Man muss sich diesen Wahnsinn mal vorstellen? Da erzählt man uns wochenlang, das die USA, vor der Pleite steht, und wie löst man dieses Problem? Indem man die Schuldensumme, einfach um ca. 2 Billionen $ erhöht. Man fühlt sich veräppelt.

Nun geht es in Europa los (eigentlich weiter) Griechenland, ist mit 19,7% Kreditzinsen völlig überfordert, und bittet um Hilfe. Diese bekommt es, indem man auch dort, die Kreditlinie erhöht. Nebenbei gesagt? Mit 20% Kreditzinsen, ist jeder Schuldner, langfristig überfordert, und wenn er nur 10.000 ¤ Schulden hat. Das heißt nämlich im Klartext, das man alle 5 Jahre, seine Schulden zurückzahlen muss, ohne auch nur 1 Teil von seinem Kredit los zu werden.

Die Griechenlandhilfe, ist eine reine Hilfe für Banken. Die Rechte der Menschen in Griechenland, werden mit den Füßen getreten. Hilfen für die griechische Bevölkerung, sind nicht vorgesehen.

Und wenn solche Verfahren, jetzt auch noch gesetzlich festgeschrieben werden, ist der Knall unvermeidlich. Es wird genauso ablaufen, wie bei "Lehmann Brothers", nur mit dem Unterschied, das diesmal keine "Rettungsschirme", mangels Masse, mehr aufgebaut werden können. Eine Bank, nach der anderen, wird Pleite anmelden müssen. Dann wird endlich öffentlich, das der sogenannte "Finanzmarkt", eine reine Fatamorgana war, der auf eine kleine "Mindestreserve" aufgebaut worden ist.

Grüße, Rudi Gems


Justus, 02.10.2011 17:12
Vielen Dank Seneca

Bürger, 02.10.2011 10:43
Auf jeden Fall lesenswert: Interview mit Richard Sulik in der heutigen FAZ:
http://www.faz.net/artikel/C30638/im-interview-richard-sulik-der-euro-funktioniert-nur-wenn-staaten-pleitegehen-30727237.html
An diesem Mann und seinem Demokratieverständnis sollten sich unsere Politiker ein Beispiel nehmen. Er hat im übrigen recht: Es ist ein Weg in den Sozialismus. Wenn man sich die Reden unserer "Volksvertreter" anhört, sind die Parallelen zur DDR unübersehbar.
(Die Fortsetzung des Artikels von K. Feldmeyer habe ich übrigens auch gesucht ...


dw-seneca, 02.10.2011 06:00
Hier ist der Rest des Textes:

Grüne und SPD garantierten der Regierung eine Mehrheit – unabhängig vom Votum ihrer eigenen Abgeordneten. Damit ist die Summe, für die Deutschland haftet, von 119 auf 211 Milliarden Euro angestiegen. Die Bundeskanzlerin aber kann aufatmen, denn mit 315 Stimmen aus den eigenen Reihen hat sie die Kanzlermehrheit erhalten.

Wichtiger als dies aber sind das tief sitzende Unbehagen vieler Abgeordneter. Nicht nur die Höhe des Betrags, der sich weiter bis auf 400 Milliarden Euro erhöhen kann, treibt Abgeordnete aller Fraktionen um. Hinzu kommt die Befürchtung, dass dies nur ein Anfang und der Einstieg in eine Verschuldungsspirale ist, an deren Ende eine Währungsreform stehen könnte, so wie es der Finanzwissenschaftler Professor Homburg, Direktor des Instituts für öffentliche Finanzen an der Universität Hannover, vorausgesagt hat: „Das endet wie 1948 mit einer Währungsreform“, lautet seine Prognose.

Finanzminister Schäuble hat am Donnerstag versucht, solche Befürchtungen auszuräumen, die sich zudem mit der Befürchtung verbinden, künftig könnten neue finanzielle Verpflichtungen ohne Zustimmung des Parlaments übernommen werden. Der EFSF werde nicht heimlich aufgestockt. „Der wird nicht erhöht. Das steht nicht zur Debatte“, beteuerte er vor dem Bundestag.

Viele Abgeordnete glauben ihm das nicht und werfen ihm Täuschung der Öffentlichkeit vor: Aus gutem Grund, denn die Anzeichen dafür, dass in der EU-Kommission das Gegenteil schon vorbereitet wird, sind zahlreich. Ihre Pläne zielen darauf, die Kreditsumme durch „Hebelung“ auf ein Vielfaches der ausgewiesenen Kreditlinie zu erhöhen – und zwar mit Zustimmung Schäubles. Schon spricht man beim IWF, dem Internationalen Währungsfonds, von einer Anhebung des Kreditrahmens auf mehr als eine Billion Euro, um vorzusorgen, falls auch Italien und Spanien Zahlungsunfähigkeit droht. „Die Märkte wollen mehr“, konstatiert EZB-Vorstandsmitglied Bini Smaghi. Dieses „Mehr“ aber hätte im Wesentlichen Deutschland aufzubringen.

Damit aber stieße es an seine Grenzen. Die Rating-Agentur Standard & Poors hat Berlin schon vor den Folgen weiterer Garantien für seine Kreditwürdigkeit gewarnt. Wie begründet dies ist, zeigt der Anstieg der Risikoprämien, die Deutschland für Kredite bezahlen muss. Sie haben sich in der letzten Woche fast verdreifacht.

All das spricht dafür, dass Zweifel an der deutschen Euro-Politik nur zu berechtigt sind. Wenn Deutschlands Kreditwürdigkeit herabgestuft wird, kommt die Stunde der Wahrheit – nicht nur für die Politiker, sondern für uns alle.


Dunken Sadovic, 01.10.2011 20:26
Die Abstimmung war Gott-sei-Dank namentlich. Damit kann keiner der Parlamentarier behaupten, dass ER es nicht war. Der Tag wird kommen, dann werden wir uns darüber unterhalten, wer die Bürgergelder an die Banken verschleudert hat. Ganz sicher!


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