Wem das Papst-Wort von der „Ent-Weltlichung“ Schmerzen bereitet, dem sei hier mit zwei Beobachtungen vom Wochenende in Freiburg und einer daraus resultierenden Ableitung eine Hilfe angeboten.
Veranstaltungen mit dem Papst bedeuten immer eines: man ist viel früher am Ort des Geschehens als der eigentliche Beginn nahelegt. So geschehen in Freiburg am Samstagabend bei der Vigil und am Sonntagmorgen zur heiligen Messe. Und so kommt der geneigte Pilger in den Genuss von „Vorprogrammen“. Und hier beginnt die Studie: am Samstagabend wummernde Rockmusik, die selbst für jugendliche Ohren eine Herausforderung war, ein hampelndes Moderatorenteam, dass sich bei den versammelten Jugendlichen durch alberne „Ja-Nein“-Spielchen mit roten und grünen Ballon-Stäbchen anbiederte („wer findet, dass Homosexualität Sünde ist?“, „wird der SC Freiburg Deutscher Meister?“) und zum Abschluss eine vornehm „Zauberer“ genannte Gauklertruppe, die die Altarbühne zur Manege für ihre Jonglierkünste besetzte.
Sonntag früher Morgen auf dem Flugplatz von Freiburg: eine ruhige Gelassenheit bei den da schon mehr als 70.000 Pilgern, eingestimmt durch die Laudes, durch Gesänge und Gebete. Und sonst: Stille, Warten auf den Papst, Warten auf die Eucharistiefeier.
Es ist vielleicht banal angesichts der großartigen Freiburger Rede des Papstes: aber Kirche ist dann lebendig, wenn sie sich nicht anbiedert, wenn sie sich nicht aufplustert, wenn sie sich nicht gemein macht. Und das darf man dann auch „Ent-Weltlichung“ nennen. Und wenn die deutschen Bischöfe sich nun fragen, wo sie denn beginnen sollen mit der Arbeit nach diesem grandiosen Papstbesuch: wie wäre es denn beim Verantwortlichen für das „Vorprogramm“ der Vigil in Freiburg?