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02.03.2012
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     Dr. Christoph Sprich
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Weltweiter Wettbewerb um Investitionen - der Freiheit eine Gasse
Weitere Themen: Allgemein, Reformen, Wirtschaftspolitik

Ausländische Direktinvestitionen sind Ausdruck und Treiber der Globalisierung. Zunehmend fließt Kapital an den Industrieländern vorbei in die Entwicklungs- und Schwellenländer. Im Wettbewerb um den Produktionsfaktor Kapital ist die Politik besonders gefordert. Der Standort Deutschland muß attraktiver werden, Protektionismus muß verhindert werden.

 

Drei Faktoren sind es, die die Globalisierung  unaufhaltsam vorantreiben.  Drei Triebkräfte, durch die die Menschen näher zusammenrücken, durch die der Globus täglich kleiner  wird. Erstens durch den zunehmende Welthandel. Er ist Ausdruck einer steigenden Arbeitsteilung. Durch sie wird die Arbeit des Menschen immer produktiver. Zweitens durch die  rasant zunehmende weltweite Kommunikation. Sie sorgt für  eine immer perfektere wirtschaftilche Koordination  weltweit verteilter Akteure. Auch das verbessert die Ergebnisse der wirtschaftlichen Tätigkeit erheblich. Und drittens durch die wachsenden grenzüberschreitenden Investitionen (FDI). Durch sie kommt die zunehmende weltweite Vernetzung von Produktions- und Eigentümerstrukturen zum Ausdruck. Kapital kommt auf dem Globus zunehmend dort zum Einsatz, wo es am ehesten benötigt wird, wo es die höchsten Renditen einbringt.

Die aktuellen Entwicklungen bei den grenzüberschreitenden Direktinvestitionen sind Gegenstand des World Investment Report 2011, den die United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) im Juni vorgestellt hat. Der Bericht zeigt die rasch wachsenden Bedeutung von FDI für die Weltwirtschaft . So hat sich etwa seit dem Jahr 2000 der weltweite Bestand an grenzüberschreitenden Direktinvesitionen um den Faktor 10 erhöht!
 
Noch immer ziehen die Industrieländer die meisten Investitionen an. Noch! Denn die Entwicklungs- und Schwellenländer  werden zunehmend attraktiver für Kapital. Im Jahr 1990 enfielen 75% des weltweiten FDI-Bestands (20 Bil. US-$) auf Industrieländer, 2010 waren es nur noch 65%. Auffallend ist besonders die explosionsartige Zunahme der Beliebtheit des Investitionsstandorts China. Im Reich der Mitte ist der Bestand an ausländischem Kapital seit 1990 um den Faktor 27 gewachsen. Auch gewinnt chinesisches Kapital rapide an Einfluß in der Weltwirtschaft. So sind die chinesischen Investitionen in anderen Länder seit 1990 um den Faktor 66 (!) gewachsen. Trotz aller Bedenken gegenüber dem damit einhergehenden politischen Einfluß wird dieses Kapital zunehmend mitentscheiden, in welchen Regionen der Welt Wachstum und Wohlstand wachsen werden. Deutschland konnte in der längerfristigen Entwicklung mit den anderen Industrieländern  gerade so mithalten und weist heute 9 mal mehr FDI aus als 1990.
 
Seit der Finanzkrise sind die weltweiten Investitionsströme stark eingebrochen. 2010 lagen die  grenzüberschreitenden Neuinvestitionen (1,2 Bi. US-$) trotz eines geringen Anstiegs im Verhältnis zu 2009 noch immer um 37% unter dem Spitzenwert im Jahr 2007. Die Investitionsströme nach Deutschland lagen 2010 sogar um 42% unter dem Vorkrisenniveau. Während dessen zeigten sich die  Investitionen  in die Entwicklungs- und Schwellenländer im Verlauf der Krise unbeeindruckt und weisen sogar ein leicht höheren Wert auf als 2007.
 
Die FDI-Zahlen belegen die wachsende Bedeutung grenzüberschreitender Wirtschaftens. Kapital ist mobil, macht nicht an Grenzen halt. Investitionen entziehen sich dabei in mancherlei Hinsicht dem politischen Denken. Politischer Rhetorik perlt von ihm ab, es reagiert nicht auf sozialistische Heilsversprechen, dafür um so mehr auf harte Fakten. Im Gegensatz zum demokratischen System ist hier jeder Tag Wahltag. Dabei kann die Politik die Investitionsströme nicht unbeachtet lassen. Da Kapital  seit jeher ein wesentlicher Faktor für die Schaffung von Arbeitsplätzen ist, kommt es für die Politik zunehmend auf die Gestaltung attraktiver Rahmenbedingungen an. 

Die Wettbewerbsfähigkeit eines Wirtschaftsstandorts zeigt sich  unerbittlich  an der Bewegung der Kapitalströme.  Aus Sicht der Investoren  kommt es dabei einerseits  auf die Rendite  an, die mit  der Investition in ein fremdes Land verbunden wird. Hier spielen  etwa  Steuerbelastung, politische und wirtschaftliche Stabilität,  Infrastruktur,  Demografie und andere Faktoren eine Rolle. Andere Faktoren sind ist die Rechtssicherheit und Kapitalverkehrsfreiheit.  Der Investor fragt sich nach regulatorischen Hürden und ob er sein Kapital zurückbekommen wird.
 
In all diesen Bereichen  ist die Politik in den nächsten Jahren in besonderer Weise gefordert. Es geht darum, den Standort Deutschland auch für zukünftige Generationen attraktiv zu erhalten. Das geht nicht ohne internationales Kapital, und das wandert seit Jahren zunehmen lieber in andere Länder. Die Attraktivität wird dabei nicht gesteigert durch neuerliche Debatten über höhere Steuersätze. Investitionen müssen sich für den Investor lohnen, aber jedes Prozent Steuerbelastung senkt die Rendite um eben dieses Prozent. Auch wird man Investoren nicht begeistern können durch Ausfallbürgschaften für andere Länder. Denn sie wecken Zweifel an der wirtschaftlichen Stabilität und Nachhaltigkeit des Standorts Deutschland. Auch die übereilte Energiewende ist kein Pluspunkt für ausländisches Kapital, denn durch sie wird die Standortnutzung verteuert und die Versorgungssicherheit gesenkt. Auch mit einer schrumpfenden Bevölkerung wird man kaum Investorenwerbung betreiben können. Mit ihr verbunden sind Fachkräftemangel, gesellschaftliche Unsicherheit und ein dahinschmelzender Absatzmarkt.
 
Außerdem gilt es auf internationaler Ebene, dem zunemenden Protektionismus im Kapitalverkehr  zu begegnen, der  auch von der UNCTAD diagnostiziert wird. Zwar sind seit der Krise weltweit weniger regulative Maßnahmen eingeführt worden als zunächst befürchtet wurde. Dennoch versuchen Länder zunehmend, den Zufluß ausländischer Investitionen  politisch  zu steuern  und zu unterbinden. Etwa aufgrund von Überlegungen zur nationalen Sicherheit oder aus populistischen Motiven. Manche dieser Bedenken sind verständlich, etwa gegenüber dem wachsenden Einfluß Chinas in der Welt. Durch eine Abschottung könnte allerdings eine Marktbeschränkungsspirale in Gang kommen. Für den weltweiten Wohlstand,  für die Freiheit und für das Außenwirtschaftsland Deutschland wäre das eine denkbar schlechte Entwicklung.



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