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Rudi Gems, 11.08.2011 05:46
@ snorre

Zitat: die Lehrer arbeiten letztlich nur in den Strukturen, die die Politik bereitstellt.

Das ist richtig und falsch zugleich. Natürlich arbeiten Lehrer, in solchen Strukturen. Aber, als Hochschulabgänger, darf ich mir keine Strukturen aufzwängen lassen. Hier ist Diskussionsbedarf anzumelden. Hier müssen Reformen durchgesetzt werden. Und, hier muss ich auch mal einen Vorwurf, an die Frauen machen.

Warum ist es durchaus möglich, das Frauen zusammenhalten, wenn es darum geht, den Männern das Leben schwer zu machen? Warum, ist es aber nicht möglich, als Lehrer, zusammenzuhalten, wenn es um das Wohl der Schüler geht? Auch in dem Buch, kann man schon auf den ersten Seiten lesen, wie "Kollegen" fertig gemacht werden, wenn sie kleinste Reformen durchsetzen wollen. Sich hinter Strukturen zu verstecken, kann auch Opportunismus und Feigheit sein.

Ich kann mich hier nur wiederholen. Mit kleinsten Änderungen, könnte man Wesentliches in den Schulen reformieren. Wenn man nur mal davon abkäme, Hausaufgaben aufzugeben, Tests durchzuführen, Kindern Schule zu vermiesen, Kinder zu mobben und Kinder in Religion und Politik, zu indoktrinieren, könnte man über 80% der Probleme lösen, und das, zum Nulltarif.

Grüße, Rudi Gems


snørre, 07.08.2011 10:19
die Lehrer arbeiten letztlich nur in den Strukturen, die die Politik bereitstellt.

wenn man sich die Ausbildung vieler Lehrer betrachtet, so fehlt häufig die praktische Ausrichtung. Bei uns an der Uni kommen Lehramtsstudenten Gymnasiallehramt fast gar nicht in Kontakt mit Kindern. Dafür studieren sie dann lauter Dinge, die sie später nie anwenden werden, das fängt an bei Alt/Mittelhochdeutsch und endet sonstwo. Es macht schon Sinn, dass man mehr Pädagogik einfließen lässt. Bei den anderen sollte man evtl. das Fachliche erweitern. Hier fehlt immer die Mitte, es gibt hier immer nur Extreme.

das ist wie mit den verschiedenene Schulen in DE -- alle sind immer festgelegt auf verschiedene Profile, Niveaustufen, Ausrichtungen - alles aufgesplittet und nie Platz für den ganzen Menschen! Dadurch ist immer alles vom Zufall abhängig.

in anderen ländern gibts es immer ein Vollangebot an jeder Schule! Praktisch-technisches immer gleichwertig neben dem anderen! Da kann man in der Oberstufe immer wählen, was einen interessiert, egal ob Mathe oder Childcare, egal ob Tischlern und Technik inkl. Automechanik oder Chemie, Tanz...

sowas gibt es in DE nicht.

anderswo kann man alles an einer Schule haben - da kann man Alte Sprachen lernen und gleichzeitig Tischlern oder Autos reparieren oder Psychologie.

das kostet natürlich auch Geld - aber dafür kann man ruhig mal Geld ausgeben. Immerhin gehen die Schülerzahlen auch in Westdeutschland bald um bis zu 20-30% zurück, je nach Gegend.


Rudi Gems, 15.07.2011 17:28
@ Kerstin S.

Das ist eben die alte Streitfrage. "Inwieweit, kann ich Menschen verantworlich machen, die den Zwängen eines Systems ausgesetzt sind?"

Ich finde schon das man ihnen einen Vorwurf machen kann, wenigstens dafür, das sie sich für das System entschieden haben. Daneben bleibt aber auch die Frage, wo sie sich in der Bandbreite (die jedes System hat) des Systems, aufhalten? Auch in einem System, kann man sowohl "mit den Wölfen heulen" als auch als "Kritiker" auftreten.

Diese 6 Punkte, die ich dort aufgeschrieben habe, sind so eindeutig als erheblichen Mangel, fast aller Schulen, erkannt worden, das es schon fast müßig ist, darüber weiter zu streiten.

Lehrer, machen fast alle, vom ersten Tag in der Schule an, die Kinder kaputt. Sie brauchen sich daher, gar nicht zu wundern, wenn ihnen später einmal, herbe Kritik um die Ohren fliegt. Ihnen aber auch später, die eigene Saat, als reifere Menschen, ebenfalls um die Ohren fliegt.

Meinen Sie, Frau Kerstin S., es wäre Zufall, das in den Hauptschulen, soviel Stress herrscht? Meinen Sie, es wäre Zufall, wenn Schüler erkennen, was man mit ihnen im Laufe des Schullebens angerichtet hat, und sie nun versuchen, sich auf ihre unbeholfene Art, zu wehren?

Wenn später, Lehrer, missratene Menschen, von anderen Kollegen übernehmen müssen, die sie so missraten haben lassen, ist das dann nicht auch ein Stück Gerechtigkeit? Wen soll ich dann mehr bedauern, die Lehrer, oder die Schüler?

Wenn es für Lehrer eng wird, weil es immer mehr Menschen gibt, die sich ihre Machenschaften nicht mehr gefallen lassen wollen, wo liegt da die Ungerechtigkeit? auch, wenn man im Einzelfall, Unrecht tut, oder wenigstens überzieht? Wo ist denn der Einsatz, der Lehrerin, von der Sie geschrieben haben, Frau Kerstin S.? für eine Veränderung des Systems? für einer Veränderung, in ihrer Schule? Hat denn die Lehrerin, die Problematik, überhaupt schon erkannt und verstanden? Das wäre doch mal ganz interessant gewesen?

Grüße, Rudi Gems


Kerstin S., 14.07.2011 14:15
„Dabei wäre die Sache doch so einfach“, schreiben Sie, Herr Gems, und genau diese Beurteilung, der nicht nur Sie anhängen, trägt gehörig bei zur weitverbreiteten Schul- und Lehrerschelte. Wäre dem nämlich wirklich so, gäbe es keine Probleme mehr. Das sagt mir mein gesunder Menschenverstand, den Sie in einem ihrer Kommentare von den Lehrern fordern.
Sie haben Recht, wenn Sie sagen, dass jeder – egal ob Kind oder Erwachsener – besser lernt und arbeitet, wenn er dies mit Freude tut. Gestehen Sie diese Tatsache aber auch den Lehrern zu? Wenn ja, dann ist Mäßigung in unserem Urteil manchmal angebracht, auch wenn wir glauben, auf Grund unserer eigenen Schulzeit so etwas wie Fachleute zu sein, die genau wissen, wie vieles besser gemacht werden könnte.
Haben wir aus unserer Kindheit nicht alle einen gewissen Tunnelblick mitgenommen, der geprägt ist von den eigenen Erfahrungen? Je leidvoller sie waren, desto enger ist er möglicherweise
Zwei Jahre lang war ich Elternratsvorsitzende in der Klasse meiner Tochter. Was ich da auf Elternabenden an Misstrauen und Mäkelei der Lehrerin gegenüber erlebt habe, spottet jeder Beschreibung. Dabei waren die meisten Eltern zufrieden, aber ein paar wenige konnten nicht aufhören, das Klima aufzuheizen und zu vergiften. Da wurden Unterstellungen durch Vorurteil laut, Kritikpunkte an den Haaren herbeigezogen oder irgendwelche aufgeschnappten Erziehungsweisheiten der Lehrerin an den Kopf geworfen. Ich habe mich immer nur gewundert, mit welcher Selbstbeherrschung sie das ertrug.
Meine Versuche, vermittelnd einzugreifen und die Wogen zu glätten, hatten nur bescheidenen Erfolg, denn hinterm Rücken wurde fleißig weitergetuschelt und -gegiftet. Hier geschah auch Mobbing, Herr Gems, das Ihrer Meinung nach zu selten bemerkt und zu Recht von Ihnen verurteilt wird. Aber auch dann, wenn es sich bei den Opfern um andere handelt als die, die Sie im Auge haben?
Das Ende vom Lied war, dass ich mein Amt mit den entsprechenden Worten aufgab. So hatte ich mir das Ganze nicht vorgestellt.
So unschön diese Erfahrungen waren, so sehr möchte ich sie trotzdem nicht missen, denn sie haben meinen Blick erweitert. Ich schlucke nicht mehr so leicht Horrorgeschichten über böse bzw. schlechte Lehrer. Natürlich können sie hin und wieder stimmen, genauso wie die Geschichten über schlimme Eltern und schlimme Schüler.


Rudi Gems, 13.07.2011 14:43
Dabei wäre die Sache doch so einfach. man brauchte doch nur einige wenige Dinge in den Grundschulen zu ändern, (Was übrigens jeder Schulleiter in der Hand hat)und schon ließen sich 80% der Probleme lösen.

1. Hausaufgaben

Ich kenne kein Kind, das gerne Hausaufgaben macht, und nicht mit "Hausaufgaben", Stressfaktoren verbindet. Dadurch werden Hausaufgaben völlig nutzlos. Kinder können nur dann lernen, wenn sie Spaß haben. (Erwachsene übrigens auch) Hausaufgaben sind ersatzlos zu streichen.

2. Rechtschreibung

Kinder sind ja gerade in der Schule, um Rechtschreibung zu lernen. Daher ist es völlig unsinnig, sowas vom 1. Schuljahr an zu fordern. Rechtschreibung, stellt sich mit der Übung ein, wenn man viel schreibt. Aber genau dieses "viele Schreiben", wird mit "einer "Rechtschreibung" vom ersten Schultag an", genau verhindert.

3. Diktate in der Muttersprache

Wer sich diesen Unsinn ausgedacht hat, sollte posthum, verurteilt werden. Diese vielen Milliarden Möglichkeiten, die deutsche Texte hergeben, kann man auf keinen Fall damit üben, das man Kinder auf bestimmte Texte "dressiert". Rechtschreibung, ist eine Begabungsfrage. Der eine kann Hämorieden, nach dem ersten Mal richtig schreiben, der andere, (so wie ich) lernt es nie. Hat aber sonst, keinerlei Bedeutung. Üben, viel Schreiben, heißt hier das Zauberwort.

4. Tests

Bei Tests und für Tests arbeiten, bewirkt genau das Gegenteil, von sinnvollem Unterricht. Man bekommt einen Hass, auf alles Testen, weil man sich immer ungerecht behandelt fühlt. "Mit viel Freude, viele interessante Dinge aufzunehmen", ist hier die Zauberformel, womit man Schüler bei der Stange halten kann. Mit Tests, vermiest man den Schülern, die Schule, und macht sie im Extremfall, sogar krank.

5. Religion

Kritischer Religionsunterricht, ist in jedem Falle zu begrüßen, und hat dieselbe Wirkung, wie Untericht in Historie. Das Hauptaugenmerk, sollte man bei Religionen, auf die Gemeinsamkeiten legen. Das verbindet. Streitfragen zwischen Religionen, gehören nicht in die Grundschule. Daher verbietet es sich auch, wenn einseitig, einer Religion, in der Art gefrönt wird, das man es schon als bigott empfinden muss.

6.

Alle Arten von Mobbing

Es ist schon traurig, das man Menschen, die auf einer Hochschule ausgebildet worden sind, und im Beamtenstatus stehen, erklären muss, das man Kinder nicht mobbt. Nicht nur die Ethik, die Nächstenliebe, die Gerechtigkeit, der Rechtsstaat und die Moral, müssten Lehrern doch eigentlich deutlich machen, das man Kinder, nicht so derart misshandeln darf, wie es in den Grundschulen üblich ist. Da wird dann herabgewürdigt, gegeneinader ausgespielt, beleidigt, benachteiligt, verächtlich gemacht, überfordert, verunsichert und z.T. sogar subtile Gewalt angewendet, das man sich fragt, wo solche Lehrer eigentlich her kommen. Es ist mehr als traurig, das man sowas, überhaut anmahnen und erwähnen muss.

Grüße, Rudi Gems


S. Boehl, 12.07.2011 22:02
Der Briefwechsel zwischen Herrn Gerns und Frau Prasuhn war hochinteressant. Besonders beeindruckend war, mit welcher Offenheit und welchem Verständnis hier eine Lehrerin auf Vorwürfe reagiert, die wahrlich nicht von Pappe sind.
Dennoch zurück zu Frau Czernys Buch. Ob wieder eine Reform endlich die Erlösung bringt, scheint doch sehr fraglich. Dazu gab es bisher schon zu lange immer neue, gut begründete Reformen. Und jedes Mal wurde zu viel versprochen.
Irgendetwas scheint faul an der Schule, dem nur noch keiner so richtig auf die Spuren gekommen ist. Ein Fehler im System? Wahrscheinlich nicht. Dazu wurde an ihm schon zu oft erfolglos herumgedoktert. Außerdem zeigt der Pisa-Test, dass die Siegerländer unterschiedliche Schulsysteme haben. Korea hat z.B. ein ganz anderes als Finnland. Das macht deutlich, dass Systeme nur wenig Bedeutung haben.


Rudi Gems, 12.07.2011 14:43
Sie sind rehabilitiert! Frau Prasuhn! Ich nehme Sie auf, in den Kreis der Mitkämpfer, für eine bessere Schule.

Ja, das haben Sie richtig beobachtet. Ich habe sehr schlechte Erfahrungen mit Schule machen müssen, und ich habe erlebt, wie es in einer Schule wichtiger war, zur Religion zuzugehören, als vernünftige Dinge zu lernen. Ich habe es erlebt, das nur die größten Duckmäuser, die oft auch noch ein wenig dümmlich waren, schulische Karrieren machen konnten, die für mich unerreichbar waren. Ich habe es erlebt, wie Lehrer, Kriterien der "Auswahl" angewendet haben, wie z.B. Rechtschreibung, die einen heute, nur noch milde lächeln lassen können, oder aber die Wutadern anschwellen lassen können.

Ja, ich muss Ihnen leider Recht geben Frau Prasuhn. Die Hochschulausbildung der Lehrer, ist "unter aller Sau". Trotzdem, werde ich niemals Zugeständnisse machen, bezüglich meines Anspruches, das Hochschulen, Absolventen erzeugen sollen, die Wissenschaftler- und Akademikerqualitäten haben. Das es in der Realität nicht so ist, scheinen wir Beide, Frau Prasuhn, mehr als deutlich zu wissen.

Trotzdem, soll ich mich damit zufrieden geben? Meine Waffe, ist u.A., hier dieses Forum. Und da, bin ich noch auf Wohlwollen angewiesen, was mir hier auch nicht immer entgegengebracht wird. Mehr habe ich nicht. Ja, ich werde zeitlebens, für eine bessere Schule kämpfen. An allen für mich erreichbaren Stellen. Es geht um unsere Kinder. Und da, gibt es für mich keine Kompromisse mit der Dummheit, die leider, und da sind wir Drei, in der Erkenntnis, nicht alleine, in einem Umfang, in den Schulen, sich breitgemacht hat, das es eigentlich schon vom Staatsanwalt aufgegriffen werden müsste.

Grüße, Rudi Gems


Ursula Prasuhn, 12.07.2011 02:21
Ihr Kommentar zu meinen Zeilen hat mich ziemlich betroffen gemacht, Herr Gerns, auch wenn Sie das kaum glauben mögen, weil ich doch Ihrer Meinung nach einem Berufsstand angehöre, der kaltherzig und charakterlos ist.
Zunächst war ich über Ihre Beschimpfungen und Unterstellungen bezüglich meiner Person empört, dann aber wurde ich nachdenklich und allmählich glaube ich, Sie ein Stück weit verstehen zu können.
Ich hoffe, dass ich Ihnen nicht zu nahe trete, wenn ich sage, dass ich zunehmend den Eindruck gewann – auch durch das Nachlesen Ihrer beiden vorherigen Kommentare – dass hier nicht ein aggressiver Rundumschläger am Werk ist, sondern ein Mensch, der aus leidvoller Erfahrung wichtige Dinge anspricht, auch wenn er dabei zu hitzig vorgeht und übers Ziel hinaus schießt. Ihr primäres Anliegen scheint mir, Kinder vor ähnlich schlimmen Erfahrungen mit Lehrern zu bewahren, wie Sie selbst sie vielleicht oder einer Ihrer Angehörigen machen mussten. Und solche Erlebnisse nehme ich ernst. Nicht umsonst ist das von Ihnen empfohlene Lehrerhasserbuch entstanden, das großen Anklang fand und findet. Ich gebe Ihnen also weitgehend Recht. Es gab und gibt Lehrer, die bei den ihnen anvertrauten Kindern traumatische Spuren hinterlassen haben. Und das tut mir unendlich leid. Ich weigere mich jedoch, Ihnen zuzustimmen, wenn Sie alle Lehrer über einen Kamm scheren und nicht nur für eine Bildungsmisere verantwortlich machen, sondern vermutlich auch für auffällig viele psychisch gestörten Kinder.
Mich beschäftigt auch noch die Frage, warum Sie eine so hohe Meinung von einem Hochschulstudium haben. Ich kann Ihnen versichern, dass ich aus ihm fast nichts gelernt habe, was ich später im Berufsleben brauchte. Auch unsere Junglehrer kommen heute ziemlich unvorbereitet in die Schule und lernen erst richtig in der Praxis. Ich ernte meist Missbilligung, wenn ich sage, es sei besser eine Lehre für unseren Beruf einzuführen und das Studium abzuschaffen. Zumindest im Grundschulbereich scheinen mir höhere Fachkenntnisse wie z. B. in Mathematik überflüssig, dafür aber der Umgang mit Kindern umso wichtiger. Und die lernt man nicht in der Theorie, sondern in der Praxis. Professoren malen schöne Utopien und untermauern sie gern mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Was sollen sie auch anderes tun, um ihren Lehrstuhl zu rechtfertigen? Aber jeder glaubt an diese Weisheiten der Wissenschaft. Auch ich tu das - ausgenommen in der Pädagogik. Von diesem Bereich der Wissenschaft fühle ich mich eher im Stich gelassen und hinters Licht geführt. Aber das merkt man erst in der Praxis.
Lieber Herr Gerns, ich sollte jetzt besser Schluss machen, denn mein letzter viel zu langer Kommentar wurde „brutal“ abgeschnitten – und das wahrscheinlich zu Recht. Wie gesagt, waren mir Ihre Worte wichtig, auch wenn ich erst mal verdauen musste, was Sie mir alles an den Kopf warfen.
Meine Überzeugung lautet dennoch: Weder Frau Czerny noch Sie haben Recht in den Schuldzuweisungen. Darum werden Dispute dieser Art wenig nützen. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle, als dass einfache Lösungen weiterhelfen. „System wechseln!“ fordert der eine, „Lehrern einheizen!“ der andere. Schön wäre es, wenn’s so einfach ginge.
Zum endgültigen Abschluss möchte ich Ihnen ein Buch empfehlen. Der Autor John Taylor Gatto ist ein amerikanischer Lehrer, der mehrfach als Lehrer des Jahres ausgezeichnet wurde. Es heißt: „Verdummt noch mal!“ und ist im Genius Verlag erschienen. Er bezeichnet die Schule als schrecklichen Ort und fordert im Gegensatz zu uns in Deutschland weniger Schule statt mehr. Dieses Buch hat mir in meinen Erkenntnissen enorm weitergeholfen.

Mit freundlichem Gruß
Ursula Prasuhn


Rudi Gems, 11.07.2011 11:10
Vielen Dank Frau Prasuhn! das Sie uns eine so schöne Kostprobe geliefert haben. Sie passen genau in das Klischee, was ich schon seit Jahrzehnten von Lehrern habe.

Sie haben gar nichts an die Wirtschaft zu verteilen! Sie haben als Lehrer, die Aufgabe, eine Dienstleistung an Kinder zu bringen. Sie haben dafür zu sorgen, das die Kinder, in möglichst kurzer Zeit, möglichst viel lernen, und Sie haben dafür zu sorgen, das die Begeisterung, die fast jedes Kind der Schule, wenigstens am Anfang, entgegenbringt, nicht unnötig abreißt.

Natürlich gibt es unterschiedliche Begabungen und Interessen, bei Menschen. Das berechtigt aber Lehrer zu gar nichts. Sie haben sich gefälligst auf solche Kinder einzustellen, und sie begabungsgerecht optimal zu fördern. Das wäre ihre Aufgabe, als Hochschulabsolvent im Lehrerberuf.

Die ganze Testerei, die Kinder, bis zu traumatischen Erkrankungen führen können, sind an Schwachsinn, überhaupt nicht mehr zu überbieten. Hier auch nur noch ein Fünkchen von Verständnis aufzubringen, zeugt von Minderqualifikation.

Nur ein Vorschlag? Warum geht man nicht vom ersten Schultag hin, und "spielt" mit den Kindern, weiterhin "Schule", so wie es fast alle, in den letzten Wochen vor Schulbeginn auch gemacht haben? Man brauchte die Kinder nur aufzufordern, alles zu Papier zu bringen, was sie schon können. Dieses "Papier", sammelt man dann, nach Schulschluss ein, und versucht es, als hochschulmäßig ausgebildeter Lehrer, zu bewerten. Dann braucht man sich nur noch Hilfestellungen, für alle diese Kinder zu überlegen, und der nächste Schultag, kann weiter gehen. Mit diesen "Papieren" könnte man Kindern explizit helfen, "wohlwollende Bewertungen" erstellen und das Interesse der Kinder am "kochen" halten.

Über Ihre Art, wie Sie Fr. Prasuhn, Schule gestalten, möchte ich mich hier nicht weiter auslassen. Die Kostprobe hat genügt. Ich möchte ja, das DFW, meinen Kommentar, noch veröffentlichen kann.

Grüße, Rudi Gems


Ursula Prasuhn, 11.07.2011 00:00
"Macht es Sinn, in diesem Chor von Kritikern einen anderen Ton anzuschlagen?", habe ich mich gefragt und nach einigem Hin und Her "ja, doch" gesagt.
Was mich von Frau Czerny unterscheidet, ist vieles, vor allem aber die Tatsache, dass ich seit etwa 40 Jahren Grundschulen von innen kenne, also reichlich Gelegenheit hatte, im Vergleich zu ihr ein Vielfaches an Erfahrung zu sammeln. In einem Punkt stimme ich ihr allerdings zu: In unseren Schulen wird zuviel getestet. Ich bin zwar kein Zensurengegner, ob aber so oft ge- bzw. bewertet werden muss, wage ich zu bezweifeln, weil dies einfach das Lernklima belastet.
Ansonsten kann ich vieles von dem, was Frau Czerny behauptet, beim besten Willen nicht nachvollziehen.
Was mich z.B. befremdet, ist die Behauptung, in unserem Schulsystem teile man Kinder auf Grund von IQ-Tests in Gruppen ein. Das ist - mit Verlaub gesagt - absoluter Unsinn. Nur selten und nur mit Einwilligung der Eltern findet ein IQ-Test als absolute Ausnahme statt. Die Quote der Kinder, die in ihrer Schulzeit niemals einen solchen Test gesehen haben, liegt also bei nahezu 100%. Frau Czerny erweckt hingegen den Eindruck eines Massentests.
Ich wage zu behaupten, dass wesentlich mehr Kinder auf Initiative der Eltern einen IQ-Test in irgendwelchen Beratungsstellen oder Arztpraxen machen, weil man glaubt oder hofft, das eigene Kind sei hochbegabt, verhalte sich deswegen schwierig oder brauche besonderes Lernfutter.
Wenn nun aber - wie in den letzten Jahren geschehen - das Thema Hochbegabung von Experten der Wissenschaft als bedeutsam eingestuft wurde und immer wieder durch die Medien geisterte - dann frage ich mich, warum es auf der anderen Seite nicht auch eine Minderbegabung geben soll. Eins ist ohne das andere unlogisch. Hier liegt ein weiterer Kritikpunkt an Frau Czernys Thesen. Sie behauptet: Es gibt keine dummen Kinder, aber eine Leistungsbewertung, die uns das glauben macht. Dann gibt es also auch keine klugen Kinder, sondern nur eine Leistungsbewertung, die uns auch dies nur glauben macht. Ich frage mich, ob Frau Czerny generell Unterschiede in der Begabung bestreitet oder ob sie es nur vorzieht die eine Seite anzuerkennen - die unproblematische und allseits beliebte?
Dass sich ein positives Lernumfeld auch positiv auf die Intelligenz eines Kindes auswirkt, ist eine Binsenweisheit, bei der Frau Czerny nicht auf wissenschaftliche Erkenntnis verweisen muss. Das scheint sie prinzipiell gern zu tun. Diese Strategie ist ja auch nicht schlecht, um jeden Widerspruch im Keim zu ersticken. Man untermauere seine Thesen nur mit wissenschaftlicher Erkenntnis und schon verstummen die kritischen Geister.
Man kann sich wissenschaftliche Erkenntnisse aber auch aus den Fingern saugen. Wer kennt sich schon so gut aus, um das zu merken?
Ich wage es mal bei der bekannten und beliebten These, dass schwache Schueler von starken und starke von schwachen profitieren. Der erste Teil der Behauptung scheint zu stimmen, der zweite aber nicht. Meines Wissens nach gibt es keine belastbaren Erkenntnisse, die besagen, dass starke Schueler auch von schwachen profitieren. Das Gegenteil scheint eher der Fall. Leider.
Finnland, das in diesem Zusammenhang immer wieder gern als Vorbild herhalten muss, hat ausgerechnet durch das lange gemeinsame Lernen ein Problem. Im Schnitt sind die Leistungen der Kinder zwar relativ gut, doch es gibt kaum Spitzenleistungen. Im Vergleich zu anderen Staaten hat Finnland eine sehr geringe Quote an herausragenden Lernergebnissen, was die Lehrer dort auch offen bedauern. Jedenfalls schilderte dies eine Journalistin im "Presseclub" der ARD, die mehrere Schulen besucht hatte, um sich ein eigenes Bild vom finnischen Schulsystem zu machen.
"Spitzen"nachwuchs braucht jedoch jede Volkswirtschaft, darum gibt es auch im finnischen Schulsystem schwerwiegende Schattenseiten, die Sorgen bereiten.

Ich sollte mich jetzt besser bremsen, obwohl mir noch vieles auf der Zunge liegt.
Vielleicht eins noch: Nichts brauchen unsere Schulen weniger als weitere Reformen. In der Vergangenheit wurde nicht zu wenig, sond...




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