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Wolfgang Röhl
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Helgoland 21. Eine Insel schafft sich ab
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AllgemeinWaren Sie mal auf Helgoland? Wahrscheinlich nicht. Genau das ist das Problem von „Deutschlands einziger Hochseeinsel“ (Eigenwerbung), im Volksmund „Fuselfelsen“ genannt. Kamen in Spitzenjahren bis zu 850 000 Tagesgäste, welche die Alkohol- und Zigarettenläden leer kauften und alsbald wieder verschwanden, herrscht heute tote Hose. Nur noch 300 000 Besucher landen jährlich an. Die Einwohnerzahl hat sich in den letzten drei Jahrzehnten von 2500 auf unter 1300 halbiert. Die Insel stirbt aus.
Auch die alte, treue Klientel der länger bleibenden Gäste (Inselspott: „Witwenexpress“) hat größtenteils bereits den ewigen Urlaub angetreten. Hauptsächlich Allergiker und Ornithologen fühlen sich jetzt noch auf der pollenfreien, von Trottellummen umkreisten Insel wohl. Andere Dauergäste sind rar geworden. Mit Grund.
Helgoland wirkt auf den ersten Blick potthässlich. Und auf den dritten erst! Das Oberland mit seinen Antennentürmen, Radaranlagen und dem Tower der Bundesmarine: wie das Deck eines Flugzeugträgers. Der metallisch glänzende Wasserturm der Biologischen Anstalt am Südhafen: wie eine UFO-Attrappe aus einem Low budget-Film.
Der Klotz aus Buntsandstein, eine Laune der Erdgeschichte, wird von spinnenfingerigen Kaimauern und bröckelnden Schutzmolen verunstaltet. An vielen Stellen liegt noch Kriegsgeröll herum. Hitlers “Seefestung” wurde in den letzten Kriegstagen von alliierten Bomberverbänden platt gemacht. Zwei Jahre später versuchten die Engländer sie in die Luft zu jagen, wovon die Eingesessenen bis heute mit perversem Stolz prahlen: “6700 Tonnen Sprengstoff! Die größte nichtnukleare Explosion aller Zeiten! Noch in Zürich schlugen die seismographischen Geräte aus!” Teile der Insel zerbarsten damals.
Die Touristen-Quartiere sind zum großen Teil ebenso überteuert wie heruntergekommen. Was auch an der Tatsache liegt, dass die Inselhäuser seit ihrem Bau Anfang der 1950-er Jahre unter Ensembleschutz stehen und durch diesen Irrsinn zu Tode geschützt werden. Der Autor Achim Szymanski lässt in seinem Kultkrimi „Helgoland oder 1000 Jahre ohne Hose“ einen nach Helgoland gekommenen Polizisten staunen: „Ich wusste nicht, dass so wenig Zivilisation überhaupt erlaubt ist.“
Helgoland, Deutschlands Schicksalsfelsen. Im 19. Jahrhundert Nobelkurort der Briten, 1890 gegen deutsche Gebietsansprüche in Sansibar eingetauscht, in beiden Weltkriegen Seefestung des Reiches, im Frieden Butterfahrtenziel. Immer zwischen Suff, Größenwahn und Pleite. Von Bomben und Granaten verwüstet. Auferstanden aus Ruinen. Hoffmann von Fallersleben textete hier 1844 das “Lied der Deutschen” (drei Strophen). Heine war da, Hitler, Ehrhard, Ute Lemper.
Was Helgoländer gar nicht schätzen: Wenn einer daherkommt - womöglich auch noch einer vom Festland - und sie auffordert, gegen ihre hauptsächlich selbstverschuldete Misere etwas zu unternehmen. Unternehmertum, das ist ihr Ding nun gar nicht. Pfründe und Monopole, wie das des zollfreien Warenverkaufs, oder wie das Privileg der Börtebootfahrer aufs Übersetzen der Butterdampferpassagiere („ausbooten“), so was schätzen sie. Sie hocken auch gerne in der Kneipe, tratschen über die Seitensprünge ihrer Mitinsulaner (jedwedes Fremdgehen macht ruckartig die Runde) und ziehen sich süßen Eiergrog rein. Ein Schluckspecht soll mal 14 Gläser vertilgt haben, das entspricht 56 Schnäpsen.
Nur nix tun, nix bewegen! Jeder Innovations-Ansatz sorgt sofort für Zoff. Ein Großprojekt auswärtiger Investoren scheiterte schon Anfang der Achtziger am Widerstand einheimischer Pfründehalter. Es gab fiese Intrigen, eingeschlagene Fensterscheiben, sogar Morddrohungen. Jeder Versuch, Helgoland touristisch zu reanimieren, stößt auf entschiedenen Widerstand.
Jetzt scheiterte, und zwar ganz basisdemokratisch, der Plan eines hamburgischen, von der Insel stammenden Bauunternehmers, die beiden Inselteile (1720 wurde Helgoland durch eine Sturmflut zerrissen) mittels Sandaufschüttungen wiederzuvereinigen, dadurch reichlich Neuland zu schaffen und dieses touristisch zu nutzen. Tourismus ist das einzige, womit sich neben Duty free-Shopping auf Helgoland Geld generieren lässt. Aber Geld ist den wackeren Halundern, wie sich die mit einem ausgeprägten Hang zum Volkstümelnden gesegneten Insulaner nennen, ziemlich schnurz. Jedenfalls dann, wenn sie dafür ackern müssten. 55 Prozent stimmten beim „Bürgerentscheid Landgewinnung“ gegen ein zukunftsfähiges Helgoland.
Die Gegner behaupten, das Projekt sei viel zu teuer. Auch würden die Sandaufschüttungen Sturmfluten nicht standhalten. Gern als Munition verwendet werden ferner die üblichen Bedenken der Kegelrobbenschützer. Wer aber die Helgoländer ein bisschen kennt, weiß, dass sie vor allem die jahrelangen Inkommoditäten fürchten, welche heftige Baumaßnahmen mit sich brächten. Den bräsigen alten Lebenstrott zu konservieren, das ist von jeher Key auf Helgoland. „Die Wirtschaft lacht über uns“, sagt der Bürgermeister, der für die Langgewinnung war. Derweil macht einer nach dem anderen von denen, die noch was vom Leben erwarten, dass er Land gewinnt. Und zwar Richtung Festland.
Der Rest macht es sich gemütlich. Ach wie schön ist Helgoland! Wenn abends der Eiergrog im Glas schäumt und der Shanty-Chor singt: Wir fahren durchs Weltmeer/und ham wir kein Geld mehr/wir bleiben doch munter und frisch.
So geht es in die Zukunft, beide voll voraus. Helgoland 21. Hoch im Norden, doch Stuttgart so nah.
ursprünglich erschienen auf "achgut.com"
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Kommentare (11)
jaja, 16.07.2011 10:46
Ich sage nur,ich hat jemand keine Ahnung von NIX und sowas nennt sich Jounalist?Helgoland ist das schönste was es gibts,nirgends sind Leute so nett wie auf Helgoland,ich werde später dort wohnen und solche Leute wie Sie runterschmeißen!
Wolfgang, 16.07.2011 10:17
"Dieser Artikel wirkt auf den ersten Blick potthässlich. Und auf den dritten erst!"
Also mal ehrlich, ich frage mich, ob der Autor überhaupt einmal auf Helgoland war...
Gargelkark, 06.07.2011 23:54
Was ist das Problem von Helgoland? In meinen Augen haben die Gäste viel zu wenig Zeit sich die Insel anzuschauen, mittags kommt man an und nach 3,5 bis 4 Stunden geht es wieder zurück, dazu nur Nepp und anderen Schiet. Familien bleibt nur die Düne, für 2 Stunden und über 100 Euro. Hier muß man was ändern.
Die Anreise über die Schiffe muß früher erfolgen, die Rückreise später, damit bis zu 7 Stunden Inselaufenthalt möglich sind. Alternativ sollte man an "Kreuzfahrttradition" anknüpfen und wieder Liegestühle für die Gäste auf den Schiffen anbieten, längere Fahrt aber erhohlsam statt Viehdampfer.
Auf der Hauptinsel sollte für Kinderunterbringung mit Bezug zum Meer gesorgt sein. Alte Traditionen sollten wiederbelebt werden. Neubauten sollten im traditionellen Stile (Backstein?) erfolgen.
Die Helgoländer sollten mehr auf Qualität in Restaurants achten, und es unterlassen, daß neben einem Restaurant ein Arzt mit "Innenaufnahmen" für eine Darmspiegelung wirbt (selbst gesehen).
H.M. King Marduk I., 06.07.2011 17:53
Ein supergeiler Report über Helgoland, was da Herr Wolfgang Röhl zutreffend auf die Plattform gebracht hat, er hat die Realität dokumentiert, und man muss wissend sein - der Singer ist kein Bürgermeister von Helgoland geworden, der Singer mit seinen drei GmbH Firmen im Hintergrund, wo er bei einer ca. 200.000,-- Euro p.A. bilanziert, und die Firmen heute noch vorstehend sind, da erkennt man ganz genau - welche Mafiosigrösse Singer ist, Bürgermeister Singer sein will – wo er nicht wurde, und mit Botter zusammen omertahafte Abhandlungen – samt Schmiergelder Inkasso forcieren wollen - geht nicht, beide kriminelle Größen. Nun Singer wissend, das er nicht Bürgermeister geworden ist, dem auch das Inselvolk wie Pinneberg, Kiel wissend - auch Arne Weber mit dazu, und der Inseljodler Rickmers. Nun weiteres liest man unter wwww.state-union.us unter dem Link "Helgoland and Düne" Nun was die Tante Felicitas Weck über ihren Balkon hinweg, mal wieder in ihrem Delirium in die Welt tönt, samt der Brüning Klaus hinzu, sie sind doch Choleriker sowie das gesamte Inselvolk allsamt wissend. Helgoland ist seit 15.12.2004 mardukanisch geworden, Staatsgebiet des State Kingdom of Marduk, das ist das was die Welt mit längst wissend ist, und kein Irrtum ist. Dem Arne Weber ist längst bekannt, erst vor kurzem dokumentiert, er kann gar nicht ohne Zustimmung H.M. King Marduk I. die Verbindung Insel mit der Düne erstellen, weder bebauen, weder dazu Investoren gibt - solange H.M. King Marduk I. nicht sein OK gibt - im Fall des OK braucht man nicht die Inselbewohner befragen - weder um Genehmigung bitten, man hat den Inselbewohner längst angeboten, mögen sie drüben auf dem Festland ihre Zukunft zu suchen, mögen sie ggf. rüber schwimmen. Nun was Herr Röhl dokumentierte, deckt sich mit dem Report was man unter www.state-union.us dokumentierte. Beste Grüße H.M. King Marduk I.
Renate, 05.07.2011 21:43
Mich wundert schon, dass niemand hinterfragt, wer die Landgewinnung so konsequent vorantreiben wollte. Herr Weber mag ein ehrenwerter Unternehmer sein, er wäre es auch, der mit seinem nicht auf die Insel passenden ****Hotel dengrößten Reibach zu erwarten hätte... wir lieben die angeblich verstaubte Gastronomie, die genütlichen Zimmer und vor allem die einzigartig ruhige Düne... wer daran rüttelt hat das Bedürfniss gestresster global Player nicht erkannt. Hier liegt die Zukunft Helglands.
micweh, 05.07.2011 15:41
Die Insel hat den falschen Bürgermeiter gewählt. Der jetzige ist absolut untauglich, schon im job versagt.
Klaus Brpning, 05.07.2011 13:23
Oha, wer wohl diesen Artikel bestellt hat? Hamburger Akzente?
Torsten Ermel, 04.07.2011 19:26
Immerhin haben die Helgoländer den Fortschritt schon im Keim erstickt, im Gegensatz zu den Schwaben, die erst abgewartet haben, bis hunderte Millionen versenkt sind.
Auf die Wahlberechtigten bezogen, gab es übrigens 44 % Nein-Stimmen (583/1312), damit wurde das Quorum von einem Drittel, das die Schwaben für unzumutbar halten, weit übertroffen.
Felicitas Weck, 04.07.2011 15:57
Da schreibt jemand, der den Fuß höchstens mal - wenn überhaupt - für 3 Stunden auf die Insel gesetzt hat, Zigaretten und Schnaps einkaufen war und weg. Nur jemand, der oder die sich für Helgoland mehr Zeit nimmt, als es der kurze Landgang erlaubt, wird merken, dass es hier so viel zu sehen und zu erleben gibt, dass mensch immer wieder kommen muss. Das beweisen übrigens auch die steigenden Übernachtungszahlen, die der Autor anscheinend auch nicht zur Kenntnis genommen hat.
anti-fallschirmjäger, 04.07.2011 13:55
die leute auf helgoland können ja wohl "frei" entscheiden, wie sie leben wollen. Oder soll etwa der "liberale" Sozialismus eingeführt werden?
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