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23.02.2012
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     Birgit Kelle
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Gleichstellung im rechtsfreien Raum
Weitere Themen: Justiz, Familie

Die kleine Stadt Goslar hat sich vergangene Woche in einer Sondersitzung des Stadtrates seiner Gleichstellungsbeauftragten entledigt. Hatte sie gegen Gesetze verstoßen? Nein. Hat sie sich eines Dienstvergehens schuldig gemacht? Nein. Hat man sie dienstlich abgemahnt? Auch nicht. Nein, Frau Monika Ebeling, hauptamtliche Kindergartenleiterin und Gleichstellungsbeauftragte hat in den Augen des Stadtrates etwas viel Schlimmeres gemacht: Sie hat ihre Aufgabe ernst genommen und sich im Sinne des Gesetzes als Gleichstellungsbeauftragte für beide Geschlechter im Rahmen ihrer Tätigkeit eingesetzt. Also für Frauen und Männer. Das geht nun wirklich nicht!

 

Es heißt ja eigentlich Gleichstellungsbeauftragte und nicht Frauenbeauftragte. So hatte sie gedacht und so wird auch der naive Leser fragen, wo denn der Sinn darin liegt, dass die ehemaligen Frauenbeauftragten im Land jetzt Gleichstellungsbeauftragte heißen, wenn sie dann doch nur für Frauen zuständig sind? Alles nur Augenwischerei? In Goslar hat man an ihr jedenfalls ein feministisches Exempel statuiert.

Schaut man die gesetzlichen Vorgaben an, so steht Frau Ebeling auf der richtigen Seite. Seltsam nur, dass die Fraktion der Linke in Goslar, die Grünen, die FDP und auch die SPD, bei denen Frau Ebeling Mitglied ist, dies offenbar versäumt haben nachzuschlagen, bevor sie im Stadtrat gegen sie stimmten. Oder es ist ihnen auch einfach egal. Gilt doch in Goslar noch das ungeschriebene Gesetz, das Gleichstellungsarbeit einfach nur Frauenarbeit bedeutet. Und auch das andere ungeschriebenes Gesetz, wonach nur Frauen benachteiligt sind und Männer nie Opfer, sondern immer nur Täter sind.

 

Gesetzlich ist die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten ein weites Feld mit vielen blumigen und allgemeinen, aber keinen konkreten Vorgaben. Dazu kommen verschiedene rechtliche Instanzen, die alle in den Bereich eingreifen. Im Fall Goslar die Niedersächsische Gemeindeordnung, das Bundesgleichstellungsgesetz, der Amsterdamer Vertrag der EU aus dem Jahr 1999 und auch das Familienministerium unter Kristina Schröder, sozusagen als oberste Gleichstellungshüterin der Bundesrepublik. Was jedenfalls alle eint ist das Prinzip des Gender Mainstreaming, dem man sich verschrieben hat und das laut Amsterdamer Vertrag alle Mitgliedsstaaten der EU bindet. Demnach soll es „die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Frauen und Männern und die Auswirkungen auf beide Geschlechter berücksichtigen“. Wie und wo und in welchem Ausmaß, wird nirgendwo konkretisiert. Im Gegenteil „Ich war in meiner Arbeit vertraglich und explizit nicht weisungsgebunden“ sagt Frau Ebeling. Sprich: Sie sollte sich ihr Aufgabenfeld und ihre Tätigkeit nach persönlicher Einschätzung des Bedarfs frei wählen. Das hat sie getan. Doch allein schon der Hinweis auf ein Väternotruf-Telefon auf ihrer Homepage oder auch die Organisation eines Väter-Picknicks für Väter in Elternzeit – ja genau, die Väter, die man gerade im Familienministerium immer gerne lobend erwähnt– war den feministischen Kräften vor Ort bereits zuviel Männerarbeit.

 

Es bleibt zu hoffen, dass der Fall endlich die Verantwortlichen in der Politik wach rüttelt und erkennen lässt, dass Handlungsbedarf besteht bei der Definition dieses Arbeitsfeldes. Laut Auskunft der Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbüros (!) und Gleichstellungsbeauftragten (BAG) gibt es genau 821 hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte bundesweit. Dazu kommen ehrenamtlich Tätige, Beauftrage in Schulen, in Vereinen, in Institutionen, in Unternehmen. Die genaue Zahl kann niemand sagen. In Niedersachsen etwa muss jede Gemeinde so eine Stelle einrichten je nach Größe haupt- oder ehrenamtlich, in Nordrhein-Westfalen jede Gemeinde ab 10.000 Einwohnern eine hauptamtliche Stelle – unabhängig davon, ob überhaupt Bedarf besteht, sondern einfach aus Prinzip. Umso wichtiger endlich klar zu definieren, was diese öffentlichen Stellen, die wir alle über unsere Steuern finanzieren, leisten oder bewirken sollen. Es gibt keine Zielvorgaben, kein Tätigkeitsfeld und keine Leistungskontrolle. Und für Quotenfreunde zum Schluss noch der Hinweis: Unter den 821 Beauftragten gibt es nur zwei Männer.



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Kommentare (11)




 
  Kommentare (11)

Klaus Kolbe, 05.06.2011 22:19
@ Carolus, 01.06.2011 15:31
Die verantwortlichen Politiker abwählen ist gut – nur, durch wen sollen sie ersetzt werden?
Man muß nur richtig lesen, was Frau Kelle geschrieben hat:
»Was jedenfalls alle eint ist das Prinzip des Gender Mainstreaming, dem man sich verschrieben hat und das laut Amsterdamer Vertrag alle Mitgliedsstaaten der EU bindet. Demnach soll es „die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Frauen und Männern und die Auswirkungen auf beide Geschlechter berücksichtigen“.«
Wie hier richtig zu lesen steht: A l l e (sogen. etablierten Parteien) eint das Prinzip des Gender Mainstreaming – lt. Amsterdamer Vertrag bindet dieses alle Mitgliedstaaten der EU.
Im Umkehrschluß könnte man dann nur noch Parteien wählen, die diesen zentralistischen Brüsseler EUrokratismus ablehnen. Die, die sich für ein Europa der Vaterländer (souveräne Nationalstaaten, wie es Charles de Gaulle vorschwebte) einsetzen. Das wären dann die rechtsdemokratischen Parteien, diejenigen, die hier in Deutschland von der Teilhabe der demokratischen Regierungsgewalt mit allen (auch unsauberen) Mitteln ferngehalten werden.


Günter, 02.06.2011 13:59
Gestern war ein interessanter und ebenso kritischer Artikel in der Süddeutschen Zeitung über die Absetzung von Frau Ebeling als Gleichstellungsbeauftrage. Man hat sie abgesetzt, aber geredet hat man mit Frau Ebeling scheinbar zuvor nie über die Unstimmigkeiten.

Carolus, 01.06.2011 15:31
Danke für den Artikel!
Hier zeigen sich wieder die Auswüchse der Genderseuche, die hier nichts anderes als getarnter Feminismus ist.

Aufmerken, Bürger, und die verantwortlichen Politiker abwählen!


Rudi Gems, 01.06.2011 07:03
Es gärt schon lange im radikalfeministischen Lager. Nicht erst seit Eva Herman, wird vielen klar, was abläuft. Natürlich hatte die feministische Bewegung, ihre Berechtigung. Leider hat sie sich von Anfang an, in Ziele verrannt, die nicht gut gehen konnten, und die ihr nun bitter aufstoßen. Der Fall „Kachelmann“, hat ihnen nochmal gezeigt, das es auch Wind aus der anderen Richtung gibt und geben kann. Es wird nicht der letzte Wind gewesen sein. Wollen wir im Interesse aller Beteiligten, hoffen, das Feministinnen wirklich so feinfühlig sind, wie sie immer behaupten, und rechtzeitig die Kurve bekommen, bevor sich der Wind, zu einem Sturm, oder gar zu einem Orkan, entwickelt.

Ich kann heute einem jungen Mann, nur noch empfehlen, sich mit anderen Männern zusammenzutun, und eine Gemeinschaft zu bilden, die die Frauen, „Beginen“ nennen. Als Einzelkämpfer, habt ihr heute keine Chance mehr (hatte man noch nie!). Die Frauen haben mitlererweile, die Gesellschaft so stark unterwandert, und im Griff, das Männern, nur noch der Platz an der Wand bleibt, um sich zu verteidigen.

Ich weis zwar, das man einen frisch verliebten jungen Mann, von gar nichts überzeugen kann, aber ich kann ihm empfehlen, sich meine Worte, in einigen Jahren, nochmal durch zu lesen? Auch im Alter, kann man sich noch mit mehreren Männern zusammentun und eine Wohngemeinschaft gründen.

Es ist schon traurig, das es solche Opfer bedarf, wie Frau Ebeling, um Menschen zu zeigen, wie dumm sie sind. Aber, ohne Opfer, scheint es wohl nicht möglich zu sein.

Grüße, Rudi Gems

P.S.

Frau Fritz?

Haben Sie sich schonmal überlegt, sich professionelle Hilfe einzuholen?


Klaus Kolbe, 30.05.2011 16:54
Liebe Frau Kelle, Sie schreiben in Ihrem Artikel so treffend:

»Was jedenfalls alle eint ist das Prinzip des Gender Mainstreaming, dem man sich verschrieben hat und das laut Amsterdamer Vertrag alle Mitgliedsstaaten der EU bindet. Demnach soll es „die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Frauen und Männern und die Auswirkungen auf beide Geschlechter berücksichtigen“.«

Wohin dieser Ausfluß führt, haben wir in Deutschland ja schon erlebt. Nun scheint diese Eiterbeule Gender Mainstreaming auch auf das Nicht-EU-Mitglied Schweiz überzugreifen:
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/eva-herman/unterricht-in-der-schweiz-sexspiele-in-kindergarten-und-schule.html


Klaus Kolbe, 28.05.2011 19:12
Auch diese geistige Verwirrung (Feminismus, gepaart mit Gender-Ideologie, beides aus dem linkssozialistischen Lager kommend), mit der die westliche Welt, genauer gesagt, die westlichen Demokratien heimgesucht wurden, wird in den Orkus der Geschichte eingehen – leider erst, nachdem sie nachweislich „verbrannte Erde“ hinterlassen hat. Je eher diese familienzersetzende Ideologie verschwindet, und zwar nachhaltig, desto besser für den Teil der Menschheit, der davon heimgesucht wurde. Wie sagt der Volksmund doch so treffend: „Wenn es dem Esel zu gut geht (westl. Wohlstandsgesellschaften), geht er aufs Eis.“ Nun, dann kann es doch letztlich nur noch darum gehen, den Esel möglichst schnell wieder vom Eis zu bekommen.

Legolas, 27.05.2011 10:52
Das System "Gleichstellung" entlarvt sich selbst. Nur verblendete, ignorante und mitlaufende Zeitgeister beider Geschlechter mauern gegen diese Erkenntnis.

Ebenherz, 27.05.2011 08:50
Ach komm Fritz. Versuch doch einfach auf Deinem eigenen Blog glücklich zu werden(viel Erfolg).

Dr. Bruno Köhler, 27.05.2011 06:32
Vielen Dank für diese klaren Worten. Genau darum geht es. Eine Gleichstellungsbeauftragte ist nicht weisungsgebunden. Dem Goslarer Stadtrat ist das offensichtlich egal. Wer nicht pariert, wird abberufen. Hier zeigt sich wieder deutlich, dass Gleichstellungsbeauftragte nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problem sind. Sie tragen dafür Sorge, dass es in Deutschland ein ausgeprägtes Missverhältnis von Mädchenförderung zu Jungenförderung zuungusten der Jungen gibt. Sie tragen dafür Sorge, dass Väter mit ihren Anliegen für ein gleichberechtigtes Umgangs- und Sorgerecht ignoriert werden.

Meier, 26.05.2011 22:44
Danke Frau Kelle, für diesen Artikel.



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