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     Matthias Schumacher
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Zu Osama dem Tyrannen schlich...
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Ist gut, wer Bösen Böses tut? Was ist gut?

 

Als Friedrich Schiller in seiner „Bürgschaft“ Möros, „den Dolch im Gewande“, zu Dionys dem Tyrannen schleichen ließ, schien es gut, denn er wollte „die Stadt vom Tyrannen befreien!“ Tat Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 Gutes als er sich mit einem Sprengsatz in der Aktentasche auf den Weg zur Wolfsschanze machte, um die Welt von Hitler zu erlösen? 

„Auge für Auge, Zahn für Zahn“, das ginge nicht, meinen manche. Ob sie nicht vielmehr meinen, das schicke sich nicht, sei dahingestellt. Aber Kritik ist berechtigt, denn man kann durchaus sagen: So wie es sich darstellt und dargestellt wird, war Osamas letzter großer Auftritt, um ein Gerhard-Schröder-Wort zu gebrauchen „suboptimal“. (Auf Schröder müssen wir weiter unten an entscheidender Stelle abermals zu sprechen kommen.) 

Was wäre optimal gewesen? „Natürlich ein Prozess“, ruft der zivilisierte Mensch - und Beifall ist ihm gewiss. 

Werfen wir einen Blick ins Gericht: Wir sähen Osama bin Laden ungeläutert, große Reden der Verachtung schwingend. In Kürze brächten es Ausschnitte von der Verhandlung an die Spitze der meistgeklickten Videos im Internet. Die einen sähen sie aus Verachtung, andere aus Verehrung. 

Hätte Osama auch nur eine Gelegenheit ausgelassen, die Rechtsstaatlichkeit, all unsere Werte und Prinzipien mit Füßen zu treten und zu verlachen? Womöglich hätte er zur Fortführung des Dschihads und zu mehr Terror aufgerufen. Das ist schnell in die Kamera gesagt, so schnell kann keiner den Stecker ziehen. 

Vorausgesetzt, der Prozess wäre öffentlich gewesen. Was ist heute früher oder später nicht öffentlich? Wie wahrscheinlich ist es nach den Erfahrungen mit Wikileaks & Co, dass derlei nicht nach außen dringen würde - im Namen der Transparenz? Also der Gerichtssaal als Podium und Bühne für einen vermeintlichen Massenmörder. Vermeintlich? 

In Art. 11 Abs. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen heißt es: 

Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem alle für seine Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewährleistet waren, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist. 

Art. 6 Abs. 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention besagt:

Jede Person, die einer Straftat angeklagt ist, gilt bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig. 

Erst mit der unanfechtbaren Verurteilung hätte die Rechtsstaatlichkeit Osama bin Laden endgültig besiegt. Niemand kann wissen, wie lange ein Prozess gedauert und ob am Ende eine Verurteilung gestanden hätte. Angeklagte sind Menschen, die krank und verhandlungsunfähig werden können, sterblich sind. In jedem Fall müsste man von mehreren Jahren ausgehen, bis die Mühlen der Justiz den letzten Mahlvorgang abgeschlossen hätten. Wer heute Racheakte nach bin Ladens Tötung nicht ausschließen will, der kann auch keine Geiselnahmen im Falle eines fairen und gerechten Prozesses ausschließen. Erinnern wir die Entführung der „Landshut“ im Oktober 1977, mit der die inhaftierten Mitglieder der RAF freigepresst werden sollten. Szenarien. Horrorszenarien. 

Vielleicht ist dies exakt das Risiko, das man schlichtweg eingehen muss, wenn man auf der Seite der Rechtsstaatlichkeit steht, die Rolle des lupenreinen und keinesfalls die des schwarzen Ritters anstrebt. Ist es möglich, dass viele von uns in diesen Stunden zwischen jener greifbaren objektiven Rechtsstaatlichkeit und der gefühlten subjektiven Gerechtigkeit schwanken? Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit sind nicht zwingend ein und dieselbe Sache. Wir wissen, was gut und richtig ist, aber wir ertappen uns immer wieder dabei, anders zu denken - und (seien wir ehrlich) gelegentlich zu handeln. Und nun jubelt unser Bauch und der Kopf knurrt dazu.

„Ich freue mich, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten.“ Darf eine deutsche Bundeskanzlerin das sagen? Ausgerechnet eine deutsche Kanzlerin. Man bedenke unsere Geschichte! Gerade wir Deutschen müssen besser, weiser, gerechter sein als der beste weiseste Gerechte. Was hat Angele Merkel da geritten? Unglücklich formuliert, kalkuliert oder einfach nur menschlich? 

Reden wir mal wieder darüber, wer uns regieren soll. Aufrichtige Politiker, die sagen, was sie denken? (Wird ja immer wieder laut gefordert.) Oder solche, die uns brav mit Politikersprech und Political Correctness beliefern? (Wird immer wieder kritisiert). Menschen, Übermenschen, Maschinen? Da sagt eine Regierungschefin einmal klar heraus, was viele denken, und bekommt eins drübergezogen. Schon seltsam, besonders angesichts der Person Osama bin Laden. Da ist Politik für die Dauer eines Wimpernschlages ausnahmsweise ganz nah am Volk, das doch mündig ist und miteinscheiden will und soll, aber diese Volksnähe stößt manchem übel auf. Denn es sei das falsche Volke, dem Merkel da nach dem Munde rede. 

Nahaufnahme! Betrachten wir Angela Merkel während ihres Statements noch einmal genauer und zoomen, zoomen, ganz, ganz nah heran. Wir müssen gar nicht bis in den Quantenbereich vordringen, um einen kleinen Gerd Schröder auf ihrer Linken Schulter zu erkennen. In seiner Rechten eine Flasche Bier, in seiner Linken ein Banner mit der Aufschrift „uneingeschränkte Solidarität“. Wie ein Geist. Ein bisschen Geisterfahrt ist immer dabei - im Leben. Bin Ladens Sterben, wie es auch immer ausgesehen haben mag, ist jedenfalls nicht der Crash der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

 



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Kommentare (4)




 
  Kommentare (4)

Rudi Gems, 09.05.2011 10:30
Bin Laden, hat der Erde den Krieg erklärt. Er war geblendet von einer Religion, die wie fast alle Religionen, die Menschen unfrei macht, Hass produziert und zur Unmenschlichkeit und Barbarei neigt und aufruft.

Herr Bin Laden, hat die Befehle zu Taten gegeben, in einem einseitig erklärten Krieg, wo hauptsächlich völlig unschuldige, unbewaffnete und unbeteiligte Menschen, auf die brutalste Art, getötet, verletzt und beschädigt wurden.

Die USA, und später auch die NATO, haben diese Kriegserklärung angenommen, und stehen seit ca. 10 Jahren, mit dieser Gruppierung, al Kaida, in der bewaffneten Auseinandersetzung.

Nun gab es für die USA, die Möglichkeit, den Anführer und Kriegserklärer, persönlich zu vernichten. Jeder Stratege, würde sich an den Kopf fassen, wenn Krieger, von solch einer Möglichkeit, nicht Gebrauch machen würden. Eine solche Maßnahme, hatte immer in der Historie, entscheidende Vorteile für die Angegriffenen, wenn ihnen das Kunststück gelang, den obersten Kriegsführer ausschalten zu können. In keinem Krieg, können es sich Angegriffene leisten, bei jedem Kampfgeschehen, darauf zu achten, das es fair zugeht. Insbesondere können sie keine Rücksicht darauf nehmen, ob der Gegner grundsätzlich eine unmittelbare Option hatte, sich mittels einer Waffe, wehren zu können. Sowas würde jeden Krieg, ad Absurdum, führen. Zumal der Angreifer, sich einen Dreck, um solche Animositäten schert. Soweit die Sicht aus dem Krieg.

Nun kommt die rechtsstaatliche Seite. Herr Bin Laden, sollte von einer Spezialeinheit, (SEK) unter Kriegsbedingungen, festgenommen werden. Der Mann, war als unberechenbar, bekannt. Er hatte die "Festnahme", wahrgenommen, bevor die Soldaten, in das Zimmer eindrangen. In dem Zimmer bot sich für die SEK, kein Bild der Kampfaufgabe, das hieße, das Herr Bin Laden, dort mit erhobenen Armen, sich stellen wollte, sondern, die Frau von Herrn Bin Laden, griff das SEK an. Herr B.L. blieb nicht still stehen, sondern bewegte sich. Dies musste das SEK, als Widerstandsversuch, werten. Darauf eröffnete das SEK, so wie es im Krieg üblich ist, das Feuer. Es war sowohl der Tatbestand, des Notstandes, als auch der Notwehr erfüllt, wie gesagt, unter Kriegsbedingungen.

Diese vielen Spekulationen, "was wäre, wenn Bin Laden verhaftet worden wäre?", möchte ich mich kaum anschließen. Natürlich, hätte es Folgen gegeben, die an Unappetitlichkeit, kaum zu überbieten wären, wenn man ihn der ordentlichen Gerichtsbarkeit übergeben hätte. Aber, bitte? Wo soll sich denn der Rechtsstaat, bewähren, wenn er sich außer Stande sieht, einen solchen Fall, zumutbar durchzuziehen? Hätte sich Herr B.L. mit erhobenen Händen, ergeben und festnehmen lassen, hätte er vor ein ordentliches Gericht gestellt werden müssen. Das muss der freiheitliche Rechtsstaat, aushalten.

Wenn jetzt, im Schwange der Erleichterung, Politikern Worte aus dem Munde fallen, dann sollte man hier nicht beckmesserischer sein, als zu sich selber. Bitte, Hand aufs Herz? Wem von den Lesern, ist im Anschwall einer Erregung, noch kein Wort aus dem Mund gerutscht, was er anschließend so nicht mehr wiederholen würde? Natürlich, ist der Tod eines Menschen, niemals ein Grund der Freude. Erleichterung, kann es aber schon bedeuten. Man sollte es verschweigen. Nur bitte? wer bei Frau Merkel, etwas finden will, der sollte sich an Sachen ranmachen, wo es sich lohnt. Sich auf Schwächen eines Menschen, todzutrampeln, hat jedenfalls noch nie, zu brauchbaren Ergebnissen geführt.

Grüße, Rudi Gems


Susanne, 05.05.2011 21:02
Für mich ist die Frage einfach:
Soll eine zivilisierte Welt zuschauen, wie eine Symbolfigur und ein Drahtzieher des Terrors unbehelligt sein Unwesen treibt und womöglich noch viele weitere Menschen umbringen lässt? Den Rest kann man sich schenken. Und wer meint, er hätte es geschafft, Obama aus seiner Festung dort herauszuholen, ohne dass jemand ein Haar gekrümmt wird, der sollte sich beim nächsten Kommandoeinsatz als Freiwilliger oder Freiwillige melden. Viel Erfolg dabei.


bemme, 05.05.2011 08:42
irgendwie braucht man das doch gar nicht abwägen oder zu relativieren, es ist doch ganz klar: die Aktion war wichtig und richtig, obgleich dies null mit Rechtsstaatlichkeit zu tun hat.

Es sind dann eben zwei Fakten. Diese zu vermischen, um dann etwas zu erklären, ist total überflüssig.

Warum muss die US Regierung sagen, dass Bin Laden unbewaffnet war? Wozu? Und wurde nicht auch gesagt, dass SEALS niemals Infos weitergeben? Woher wissen also die Informaanten dies? Von der US-Regierung? Können die echt so bescheuert sein?

die Antwort ist leider einfach, es ist Überheblichkeit, Oberflächlichkeit und nicht zu vergessen Selbstüberschätzung

Ich will wirklich nicht den Morali spielen, aber man muss nur in sich selbst hineinhorchen, um den drängelnden Hochmut zu erkennen


Klimax, 04.05.2011 14:26
Das sind untilitaristische Überlegungen, die auf die Ausgangsfrage: Was ist gut? keine Antwort geben und dies auch gar nicht können. Da hätte man fragen müssen, was am nützlichsten ist. So sieht man auch besser, daß es in solchen Situationen nicht um Moral oder Rechtstaatlichkeit geht, sondern um Interessenpolitik.


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