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     Jürgen Liminski
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Älter und ärmer
Weitere Themen: Justiz

Die Volkszählung macht Schlagzeilen. Älter aber nicht reicher, heißt es über die Zahlen – aus China. Das ist richtig. Die massenhafte Vergreisung auf Grund der erzwungenen Ein-Kind-Politik führt notwendigerweise zu einer Minderung des Wohlstands und der wirtschaftlichen Entwicklung. 

Da sind sich die Kommentatoren einig und nicken im Geiste gefällig, denn die Angst vor einem wirtschaftlich starken China geht um. Das Nicken müsste sich mit Blick auf die Zahlen in Deutschland in ein nachdenkliches Kopfschütteln wandeln. Auch in Deutschland fehlen Kinder, gibt es eine Art freiwillige Ein-Kind-Politik und eine Alterung der Gesellschaft, die ebenfalls zu neuen Formen der Armut führt. Aber niemand hebt den Zeigefinger oder schreit gar auf. Eine seltsame Wahrnehmung der Realitäten. 

Natürlich erinnern von Zeit zu Zeit manche verwegene Autoren an die Folgen des „demographischen Wandels“ (das ist die politisch korrekte Umschreibung der Vergreisung aufgrund der fehlenden Kinder). Aber beflissen fügen sie hinzu, dass dies auch eine große Chance sei, man müsse nur die wenigeren Kinder besser ausbilden um die Produktion zu halten und schon blühe der Wohlstand weiter.

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Aus diesem ökonomistischen Zweckdenken entstehen dann Ideologien wie die Krippenideologie, die Betreuungsideologie oder die Illusion vom deutschen Wirtschaftslöwen mit der Silbermähne. Dass der gelungenen Bildung immer auch eine gelungene Bindung vorausgeht und diese von der Beziehung zur Mutter (vor allem in den ersten Jahren) und dem Vater abhängt, wird verdrängt. Man braucht die jungen, gut ausgebildeten Mütter im Wirtschaftsprozess, schon heute fehlen ja massenhaft Fachkräfte. Den jungen Paaren wird eingeredet, ihr Kind hätte es in der Krippe am besten, die Mütter bräuchten für ihr eigenes Wohlbefinden den sozialen Kontakt an der Arbeitsstelle dringender als den Kontakt zum Kind. 

Auch die OECD-Studie ist voll mit solch ideologischem Ballast. Für Deutschland wird eine umfassendere Betreuung angemahnt, also mehr Krippen und Ganztagsschulen. Aber gerade Deutschland hat bewiesen, dass eine flächendeckende staatliche Betreuung nicht zu mehr Geburten führt, siehe Ostdeutschland. Auch die angeblich hohen Summen, die Vater Staat in die Familien investiert, schrumpfen bei näherem Hinsehen zu kläglichen Beträgen. Denn die Eltern tragen zu den Summen den größten Anteil bei. Deutschland gehört in der Tat zu den Ländern, die einer Objektförderung das Wort reden. Man investiert in Strukturen (Krippen, Planstellen, Gebäude, etc.) und nicht in Personen. Das tun andere Länder wie Frankreich oder Dänemark. Diese Subjektförderung (man gibt den Eltern das Geld in die Hand) ermöglicht mehr Freiheit, mehr Eigenverantwortung, mehr Zuwendung zum Kind. Da macht Familie Freude. Das ist neben der höheren Geburtenrate auch ein gutes Geschäft für den Staat. Er muss nicht so viel in Reparaturanstalten investieren, zu denen manche Schulen mutieren. Mittlerweile ist jedes fünfte Kind bei seiner Einschulung therapiebedürftig und das hängt in der Regel mit den frühen Orten emotionaler Erfahrungen zusammen. Die emotionale Verarmung ist das eigentliche Folge-Elend des „demographischen Wandels“, Stichworte wären Einsamkeit, Trennungsängste, innere Resignation. Eben älter und ärmer. Das wäre mal eine Studie der OECD wert. 



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Kommentare (7)




 
  Kommentare (7)

Rheinländer, 04.05.2011 22:24
China lebt und ernährt sich von der Arbeit der fleissigen Menschen, die geboren wurden; nicht von der Arbeit der Menschen, die nicht geboren wurden.

Gehe ich Recht in der Annahme, dass Sie das Gemüse, das Sie verzehren, nicht im eigenen Garten gezogen haben?


Freigeist, 04.05.2011 18:45
Mao hatte rund 30 Jahr lang das Zwangsgebären auf seine Fahnen geschrieben. Dann hat er erkannt, wie dumm dies war. Können Sie uns sagen, wie sich China hätte ernähren sollen, wäre das Bevölkerungswachstum weiter so gestiegen?

Rheinländer, 04.05.2011 12:58
@Hans von Atzingen
Was Sie schreiben, ist ja nicht falsch. Es ist aber auch nicht vollständig.

Folgendes müssen Sie eben auch bedenken: In Deutschland wird Arbeit heute sehr hoch mit Steuern und Abgaben belastet, v.a. auch indirekt (z.B. Mehrwertsteuer 19%!). Dadurch werden die Gesamtkosten der Arbeit aber so hoch, dass eben viele Arbeitsplätze nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Zu den hohen Lasten auf Arbeit haben die demographisch bedingten Kosten der Alterung unserer Gesellschaft einen deutlichen Beitrag geleistet (Rentenversicherungsbeiträge, Zuschüsse aus Steuern in Höhe von 80 Mrd EUR pro Jahr in die Rente etc.´)!

Sie können sich die Auswirkungen an einem kleinen Gedankenexperiment klar machen:
Stellen Sie sich doch einmal vor, wir würden die Renten und entsprechend den Rentenversicherungsbeitrag verdoppeln. Es ist doch klar, dass wir im Ergebnis noch mehr Arbeitslosigkeit hätten, weil a) viele Produkte, die von deutschen Arbeitnehmern hergestellt werden, in Zukunft aus dem billigeren Ausland importiert werden würden oder b) die nun zu teuren Arbeitnehmer durch Maschinen ersetzt werden würden.

Es bringt eben nichts, einfach nur eine Erhöhung der Löhne zu fordern, wenn sie keine wettbewerbsfähigen neuen Arbeitsplätze haben.


Hans von Atzigen, 03.05.2011 16:15
Sehr geehrter Reinländer.
Wie recht Sie doch haben 20-30 Jahre Rentner sind ein sehr erheblicher Kostenfaktor da haben Sie zweifelsfrei recht.
Dabei sollten Sie aber auch folgendes Einbeziehen.
30-40 Jahre Hartz 4 und danach noch 20-30 Jahre Rente sind ein noch viel größerer Kostenfaktor.
Tja und noch etwas wenn kein zu grosses Arbeitskräfteangebot in vorm von übermassigem Nachwuchs zur Verfügung steht kann man sich zudem auch noch die unsinnigen Kosten der oft erzwungenen Frühverrentung Sparen.
Die Produktive Nutzung der Arbeitskraft der Menschen ist ein Muss zur Erhaltung des Allgemeinwohlsstandes.
Harz 4 ler und Billigstlöhner sind nun das Müsste eigentlich einfach verständlich sein äußerst schlechte Sozialsystem-Beitragszahler.
Wenn man der Sache gerecht werden will muss man eben nicht bloß Milchmädchenrechnungen sonder Gesamtrechnungen Auflgleisen.
Tja dann gibt es eine etwas andere Schlussbilanz.
Mit freundlichen Grüssen


Dunken Sadovic, 03.05.2011 10:57
Die OECD-Studie bescheinigt Deutschland "theroretisch" eine gute Familienförderung. Wundersamerweise wirkt sich das aber nicht auf die Geburtenrate aus. Der Sprecher des Frauenministeriums hatte am 26.4.2011 in der Tagesschau dieses Statement gegeben, aber den logischen Faden nicht weitergesponnen. Deshalb mache ich das mal: Solange es solch ein väter- und kinderfeindliches Familienrecht in diesem Land gibt, wird sich nichts ändern. Eher wird sich dieser Zustand noch verschärfen.

Allen sollte allerdings auch klar sein, dass perspektivisch keine ausreichende Arbeit für alle da sein wird. Auch darauf muss man mit verschiedenen Modellen reagieren. Aus meiner Sicht ein unlösbares Problem, denn Kapitalismus und Ökologie passen ja auch nicht zusammen. Denkt nur mal an die Energiesparlampen ........


Rheinländer, 03.05.2011 08:45
@Hans von Atzingen
Der deutsche Durchschnittsrentner hat nach Eintritt in die Rente 20-30 Jahre vor sich, in denen er dem "effizienten Produktionsprozess" fernbleibt. Ist dies kein Kostenfaktor?
Fakt ist, dass unsere überalterte Bevölkerung EBEN NICHT problemlos zu versorgen ist, nicht von einer zahlenmäßig nun bald schrumpfenden Erwerbsbevölkerung, und auch nicht in einer kapitalintensiven Volkswirtschaft.
Ich darf z.B. daran erinnern, dass zur Zeit jedes Jahr ca. 80 Mrd Euro aus dem Bundeshaushalt als Zuschuss in die gesetzlichen Rentenversicherungen eingezahlt werden. Mindestens ein Viertel der Rentenauszahlungen werden NICHT aus Beiträgen finanziert.
Und in dieser Betrachtung sind die Pensionen unserer Beamten noch nicht einmal berücksichtigt.
Das ist kein Mythos sondern die traurige Wirklichkeit!
Man könnte auch sagen, dass unser Staat Schulden aufnimmt, um Renten zu zahlen. Ist das gerecht gegenüber unseren Kindern?


Hans von Atzigen, 02.05.2011 20:52
Älter und ärmer???
Ob die Gesellschaftspolitischen Komponenten im obigen Artikel zutreffen ist eine eher Weltbild-Psychologische Frage.
Hohe Reproduktionsraten sind unübersehbar ein Quell von Elend und Armut. Das sind verquere Ökonomiebilder aus der Zeit der Sklavenhalterstaaten mit einer sehr kleinen reichen Oberschicht in einem Meer von Elend.
Ökonomisch Wirtschaftlich ist dies ein Unsinn den Wohlstand für den einzelnen ergibt sich unwiderlegbar nicht aus der Gesamtsumme der Einzelmenschen sondern aus dem Bruto Produktionsvolumen des Einzelmenschen.
Im Zeitalter der Hocheffizienten Technisierten Produktion ist eine ,,überalterte,,Bevölkerung problemlos zu versorgen.
Alles eine Frage der Gesellschaftlich wirtschaftlichen Organisation.
Der große Kostenfaktor sind nicht die Alten sondern jene Menschen die ein leben lang einem Effizienten Produktionsprozess fernbleiben müssen.
Verelendete und Arme sind ein Schandfleck für eine Gesellschaft und dazu auch noch ein Wirtschaftlicher Unkostenfaktor.
Die Mythologisierung der Armut,so sie denn nicht bewusst und freiwillig gewählt ist, ist eine perverse Unmenschlichkeit.



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