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     Horst Hennert
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Sind unsere Jungen noch zu retten?
Weitere Themen: Bildung, Familie

Inzwischen gibt es fast schon eine eigene Pädagogik-Gattung: Bücher, die sich mit den benachteiligten Jungen in unserem Bildungswesen beschäftigen. Jedes Buch ist eine Auflistung der sich immer weiter verschlechternden Bildungslage der Jungen, wie ein Aufschrei, endlich etwas zur Verbesserung der schulischen und menschlichen Situation der männlichen Jugendlichen zu tun, aber ein Aufschrei, der ungehört verhallt.

Keine Chance gegen die Feminismus-Ideologie

Arne Hoffmann, Jahrgang 1969, Medienwissenschaftler und Journalist, wirbt am Ende seines neuesten Buches mit einem 10-Punkte-Sofort-Programm zur „Rettung unserer Söhne“. Warum er eine solche Rettungstat für dringend geboten ansieht, legt er zuvor ausführlich anhand der inzwischen allgemein bekannten Fakten, aber auch vieler Beispiele dar, die alle eines gemeinsam haben, nämlich die Bevorzugung der Mädchen in allen Bereichen, aufgrund des übergroßen Einflusses des Feminismus in den letzten Jahrzehnten.

Die eindeutigen Verlierer im „Geschlechterkrieg“ sind die Jungen und die Männer. Nicht nur, weil kein männliches Wesen in die Frauenbibliothek der Universität Mainz hineingelassen wird, vor allem weil die Darstellung des Mannes in den Medien als „Macho“ oder gewalttätig an der Tagesordnung ist, während den Frauen das Recht und die Pflicht zugestanden wird, sich gegen die sie unterdrückenden Männer zu wehren. Buchtitel wie „Irren ist männlich“, „Das faule Geschlecht“, „Trau niemals einem Mann“, „Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“ etc. schreiben dieses Männerbild fest, während die Frauen aufgefordert werden, sich gegen die Männer durchzusetzen: „Wie erziehe ich meinen Mann?“, „Macchiavelli für Frauen“, „Die Rache der Frauen“, „Ein bisschen Männerhass steht jeder Frau“ etc.

Die gesamte Bildung ist weiblich

Dieses verheerende Männerbild wird auf die Jungen -die künftigen Männer- übertragen, so Hoffmann, und so bekommen die Jungen es bereits im Kindergarten, dann in der Schule usw. zu spüren, dass sie dumm sind und einmal zu den „Loosern“ gehören werden.

Daher beschäftigt sich der Hauptteil des Buches mit einer Auflistung der „gewollten Jungenvernachlässigung“, die der Autor an vielen Beispielen aus der Bildung, den Medien, der Politik und ihrer einseitigen finanziellen Mädchen-Förderung veranschaulicht. Hier sollen die Überschriften zu einzelnen Kapiteln genügen: „Die neuen Prügelknaben“, „Es liegt nicht an den Genen“, „Warum Jungen nicht mehr lesen“, „Wie Politiker vor unseren Jungen Mauern hochziehen“, „Dumme Jungen, schlaue Mädchen: Das Versagen der Medien“.

In einem weiteren Kapitel legt der Autor dann die zu erwartenden Folgen der Jungenkrise dar, die er als hochbrisant einstuft, weswegen er zu schnellem Handeln auffordert.

Das Zehn-Punkte-Sofort-Programm

So bezeichnet Hoffmann seinen Maßnahmen-Katalog zur sofortigen und dringenden Förderung der Jungen, um einer immer größer werdenden Katastrophe entgegen zu wirken.

Die ersten beiden Forderungen beziehen sich auf die Bildung der Jungen und liegen auf der Hand: „Unsere Kindergärten und Schulen müssen jungengerechter werden“ und „Verlage, Medien und Bibliotheken müssen Jungen als Zielgruppe wieder entdecken“. Das allgemeine Klima betreffen die nächsten beiden Aspekte: „Unsere Medien sollten realistischere Bilder von Männlichkeit entwickeln“ und „Wir müssen in eine Forschung investieren, die sich auch den Bedürfnissen von Jungen und Männern widmet“. Bei dem 5. Punkt „Wehrpflicht gehört abgeschafft“ kann man sicher geteilter Meinung sein. Übereinstimmung wird man eher wieder bei den nächsten Forderungen erzielen: der wenigstens ausgeglichenen finanziellen Förderung von Jungenarbeit, auch ihrer präventiven und gesundheitlichen Maßnahmen.

Die Forderung nach „mehr Männer in erzieherische Berufe“ wird sich kurzfristig nur schwer erfüllen lassen. Mit dem 10. Punkt „Wir benötigen eine ganzheitliche Geschlechterpolitik für Männer und Frauen“ wendet sich der Autor gegen die aus dem Feminismus geborene Ausrichtung des „Gender Mainstreaming“, das einer Gleichbehandlung der Geschlechter im Wege steht.

Das vorgestellte Programm kann aber nur dann, wenigstens in Teilen, verwirklicht werden, wenn im allgemeinen Bewusstsein sich die Erkenntnis durchsetzt, dass eine Änderung in der Bildungspolitik gegen den feministisch dominierten Mainstream unbedingt erforderlich ist. So beschließt der Autor auch sein lesenswertes Buch mit den nicht besonders optimistisch stimmenden Worten: „Ohne den dringend notwendigen Druck von unten werden sich die Dinge auf so fatale Weise weiterentwickeln wie bisher.“

 

Arne Hoffmann, Rettet unsere Söhne, Piper Verlag, München 2009 > Hier kann das Buch bestellt werden (versandkostenfrei): Buchhandlung Falk

 

www.erziehungstrends.de



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