Natürlich kann Westerwelle nicht Außenminister bleiben, es fehlt nur noch derjenige, der es ihm beibringt. Aber die Causa zeigt vor allem, wie sehr diese Gesellschaft zum Parteienstaat verkommen ist.
Ja, sie war nicht fein, die Treibjagd der verschwiemelten Jungtürken in der FDP. Aber eine Treibjagd ist nichts stilvolles, in der Politik schon gar nicht. Und wer nicht hören will, muss fühlen. Westerwelle war berauscht, von der eigenen Bedeutung, vom Außenamt mit seinem diplomatischen Glanz, von der Unersetzlichkeit an der Spitze des kleinen Koalitionspartners. Doch auch (oder gerade) hier gilt die alte Volksweisheit: der Friedhof ist voll von unersetzlichen Leuten.
Westerwelles Festhalten an seinem Ministeramt zeigt etwas wesentlich Fundamentaleres: dieser Staat ist in einer kaum glaubhaften Weise zum Parteienstaat verkommen. Diese Herrschaften glauben doch ernsthaft, es sei uns allen wichtiger, wer eine Partei führt als wer unser Außenminister ist! Für die Entwicklung der Bundesrepublik ist es aber von viel größerer Bedeutung, wer eine Ministerium führt und vor allem wie er dies tut. Und eben deshalb muss Westerwelle gehen. Er war dem Amt des Außenministers nie gewachsen, er spielte keine Rolle, nicht in der EU, als es darum ging, den Maastrichtvertrag in seinen Grundhaltung zu verteidigen, nicht in der Welt, wo er überwiegend nur wie Klein-Fritzchen staunend über die roten Teppiche lief und uns zuletzt eine riesige Blamage bescherte, als er sich gegen die westlichen Verbündeten entschied und in der Libyen-Abstimmung im Weltsicherheitsrat lieber gemeinsame Sache mit Russland und China machte.
Damit sie es schwarz auf weiß haben: es interessiert mich nur einmal in vier Jahren, wer Bundesvorsitzender einer Partei ist. Ich kann ihn ohnehin nicht bestimmen. Aber es interessiert mich jeden Tag, wer mein Außenminister ist und wie er oder sie dieses Amt ausführt.