Männer sterben im Durchschnitt früher als Frauen. Das ist schon so, seitdem man es überhaupt statistisch erfaßt. Doch was ist die Ursache? Sind es die Gene? Das soziale Umfeld? Ein Demograph nähert sich in einer „Klosterstudie“ der Antwort.
Wenn man der unterschiedlich hohen Lebenserwartung von Männern und Frauen auf den Grund gehen will, liegt es nahe, Orte zu suchen, an dem die Verhaltens- und Umweltbedingungen für beide Geschlechter am besten als vergleichbar angesehen werden können. Solche Orte sind die Klöster.
Der Demograph Marc Luy erhebt seit über zehn Jahren demographische Daten von Nonnen und Mönchen überwiegend in bayerischen Klöstern und wertet sie unter verschiedenen demographischen Fragestellungen aus, indem er sie mit den Daten der Allgemeinbevölkerung in Beziehung setzt. Die Idee ist einfach und einleuchtend, die Ergebnisse sind verblüffend.
Tatsächlich leben die Mönche länger als ihre männlichen Kollegen in der Gesamtbevölkerung – allerdings immer noch kürzer als Nonnen, deren Lebenserwartung wiederum fast identisch ist mit der Lebenserwartung der Frauen in der Allgemeinbevölkerung. Dies zeigt, daß es tatsächlich eine offenbar biologisch bedingte leichte Übersterblichkeit von Männern gibt, daß diese aber bei weitem nicht die Durchschnittswerte der Allgemeinbevölkerung haben müßte.
Während in der Allgemeinbevölkerung Frauen die Männer um durchschnittlich 6 Jahre überleben, sind es im Kloster nur 2-3 Jahre. Vor der Freigabe des Rauchens in Männerklöstern nach dem Zweiten Weltkrieg war es sogar nur ein Jahr, das Nonnen im Durchschnitt länger lebten als Mönche.
Umweltbedingten Einflüssen ist bei der Übersterblichkeit von Männern also ein hoher Einfluß zuzuerkennen. Vor allem Hektik und Streß des Arbeitslebens sorgen in Verbindung mit ungesunder Lebens- und Ernährungsweise für das vorzeitige Ableben vieler Männer. Bei den Mönchen sorgt hingegen der regelmäßige Tagesrhythmus für weitgehende Abwesenheit von Streß, worin Marc Luy und übrigens auch die Betroffenen selbst eine wesentliche Ursache für ihre Langlebigkeit sehen.
http://www.klosterstudie.de/
Eine gedruckte Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse:
Marc Luy: Warum Mönche länger leben, in: Gruner, Paul-Hermann; Kuhla, Eckhard (Hrsg.): Befreiungsbewegung für Männer. Auf dem Weg zur Geschlechterdemokratie. Essays und Analysen. Erschienen im März 2009 S. 259-277.