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     Kurt J. Heinz
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Geht ein Kongreß auf Distanz zur Freiheit?
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Die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) ist unter Druck gesetzt worden.

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) und die hessischen Grünen haben gefordert, sich von Vorträgen zu distanzieren, die Ende Mai auf dem 6. Internationalen Kongreß in Marburg zur Identitätsentwicklung des Menschen gehalten werden sollen.

Der APS wurde unterschwellig vorgeworfen, einen "Homophobie"-Kongreß abzuhalten. Der Vorwurf wurde damit begründet, dass mit Markus Hoffman von der Organisation "Wuestenstrom" und Christl Vonholdt vom "Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft" zwei Vortragende auftreten würden, die sich schon in der Vergangenheit als homophob erwiesen hätten.

Vor dem Hintergrund solcher Vorwürfe stellt sich die Frage, welche Ziele die APS verfolgt. Dazu erklärt die APS: "Die Akademie hat den Zweck, Begegnungen zwischen Psychotherapie und christlicher Seelsorge in Wissenschaft und Praxis zu fördern. Die Akademie verfolgt ihre Zwecke über die Vorbereitung und Durchführung von wissenschaftlichen Seminaren, Tagungen und Kongressen, für die sie die fachliche Verantwortung trägt. Diese haben Themen aus dem Bereich Psychotherapie und Seelsorge zum Inhalt und dienen als Diskussionsforen und Weiterbildungsangebote. Die Veranstaltungen der Akademie stehen allen Interessierten offen."

Aus diesen Zielen kann nicht abgeleitet werden, dass die APS in irgendeiner Form inakzeptable Ziele verfolgt, im Gegenteil: Die Begegnung von Wissenschaftlern, Therapeuten und Seelsorgern in Foren, wie sie von der APS angeboten wird, ist eine dringende Notwendigkeit, denn hinter den Informationsangeboten und Diskussionsforen stehen Menschen in ihren Nöten, die von Medizinern, Therapeuten und Seelsorgern Antworten und Hilfen erwarten. Wenn es allerdings nach den hessischen Grünen und dem LSVD geht, soll der APS die Möglichkeit genommen werden, ihre Diskussionsforen und Weiterbildungsangebote so zu gestalten, wie dies die APS und Kongreßteilnehmer für richtig halten. Es wurde sogar die Erwartung ausgesprochen, sich vom gesamten Kongreß zu distanzieren, wenn nicht die unerwünschten Seminarvorträge von Markus Hoffmann und Christl Vonholdt abgesetzt werden. Und schließlich hat sich sogar der SPD-Landespolitiker Thomas Spiess mit einer Kleinen Anfrage an die hessische Landesregierung selbst vor den Karren derjenigen gespannt, die die "Reinheit" einer Homosexuellen-Kultur durch die kritische Auseinandersetzung mit den Problemen, die homosexuelle Orientierungen für Mitmenschen aufwirft, gefährdet sehen.

Die Lesart von Homosexualität ist nach der Lehre der politischen Schwulenbewegung eindeutig: Homosexualität sei nicht veränderbar, sie sei keiner Therapie zugänglich, sie sei keiner Therapie bedürftig, sie werfe keine Probleme auf. Was nicht sein darf, das nicht sein kann. Das ist die "reine" Lehre der Schwulenbewegung. Dass es Wissenschaftler und Therapeuten gibt, die aus ihrem Erkenntnis- und Erfahrungsfeld zu anderen Schlüssen kommen, interessiert nicht. Dies wird bestenfalls ignoriert, in der Regel aber entschieden bekämpft. Von "Homophobie" und von "Umpolungsangeboten" ist die Rede. Erklärter Widerstand gegen alles und jeden, der sich diesem Dikat nicht beugen will, ist die Folge.

Wie sich die APS am Ende entscheiden wird, ist zur Zeit noch unklar. Die APS hat die Forderungen der Grünen und der politischen Schwulenbewegung bisher nicht mit der letzten Entschiedenheit zurückgewiesen. Eine Ausladung der beiden Referenten wurde jedoch ebenso wenig ausgesprochen.

Was wird die Akademie also tun?

Wird sie dem Druck der Grünen und der Schwulenlobby nachgeben oder wird sie sich gegen deren Anspruch verwahren, ihr Kongreßprogramm von Parteien und Lobbyistenverbänden bestimmen zu wollen? Interessant dürfte vor allem die Begründung werden, mit der die APS ihre Entscheidung vertreten wird. Ist der APS nur ein Fehler unterlaufen und es wurden Vorträge in das Programm aufgenommen, die zu Recht als „homophob“ bezeichnet werden dürfen? Dies wäre an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Ein solche Begründung könnte anderseits als reine Opportunitätsentscheidung gewertet werden, um die Gegnerschaft loszuwerden und den Kongreß in Ruhe - ohne die beiden Referenten - abhalten zu können. Dies ginge dann freilich auf Kosten der Vortragenden, der Kongreßteilnehmer und ihrer Freiheit, sich frei von politischem Druck dem zuzuwenden, was ihre Aufgabe ist, nämlich dem fachlichen Informationsaustausch und Dialog im Interesse der Menschen, die Rat und Hilfe suchen.

Oder hat die APS ihr Kongreßprogramm mit Bedacht zusammengestellt und bringt nun auch den Mut auf, gegen den erklärten Widerstand von Grünen und Lobbyisten der Schwulenbewegung einen Kongreß abzuhalten, dem nicht der Makel anhaftet, sich bei der Auswahl des Informationsangebotes für die Kongreßteilnehmer einem ideologischen Diktat zu unterwerfen? Dies wäre ein Zeichen der Souveränität und Courage, in einer freiheitlichen Demokratie das zu tun, was Recht und Pflicht von verantwortungsbewußten Fachleuten ist, die dem Menschen zu dienen haben, nämlich sich vorurteilsfrei mit Fragen der Therapie und Seelsorge auseinanderzusetzen und dabei auch Antworten diskutieren zu dürfen, die den Grünen und der Schwulenbewegung ein Dorn im Auge sind.

Voltaire sagte einst: "Ich missbillige, was du sagst, aber bis in den Tod werde ich dein Recht verteidigen es zu sagen." Muß man diese Maxime den Grünen, der Schwulenbewegung oder gar der APS in Erinnerung rufen? Gilt sie nicht gerade in ganz besonderer Weise für den wissenschaftlichen Diskurs, zu dem sich die Teilnehmer eine Kongresses in Marburg verabredet haben?



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