suchen
17.05.2012
Einloggen | Registrieren
 
 
 
     Marc Schmidt
Zur Person und Archiv      Email an diesen Blogger schreiben

Ein Loblied auf die Aktie
Weitere Themen: Finanzkrisen, Wirtschaftspolitik

Die Deutschen und das liebe Geld sind gemeinhin für ihr spezielles Verhältnis bekannt. Umso erstaunlicher, dass die Aktie immer weniger Anhänger hat und in den Hintergrund bei der Geldanlage rückt.

Betrachtet man die gestern veröffentlichten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts hätte eigentlich ein Aufschrei durch die Medien und die Politik gehen müssen. Das Thema Altersvorsorge wird immer wieder in allen Varianten durchgekaut, aber wenn eines der sinnvollsten Bausteine immer seltener genommen wird, nimmt man das nur wenig wahr. Wie ernst die Lage für die Aktienkultur ist zeigt ein simpler Vergleich: Im Jahr 1999, also zu Beginn des Internetbooms, besaßen 8,23 Millionen Deutsche Aktien und Fonds. Im zweiten Halbjahr 2010 sind es noch 8,18 Millionen Deutsche. Man kann also von einem verlorenen Jahrzehnt für die Aktie sprechen, vor allem, wenn man den Höhepunkt im Jahr 2001 betrachtet. Damals waren stolze 12,85 Millionen Deutsche Besitzer von Aktien oder Fonds. Man sprach bereits von einer neuen deutschen Aktienkultur. Aber die scheint endgültig verloren zu sein - so sie überhaupt existiert hat. Selbst das Deutsche Aktieninstitut geht davon aus, dass die Zahl der Enttäuschten sehr groß ist und nur mit sehr viel Überzeugungsarbeit zurück an die Aktie geführt werden können.

 

In der Hoffnung, dass diesen Beitrag auch Nichtaktionäre lesen, will ich kurz die Aktie als Anlageform erklären. Bei der Aktie handelt es sich um ein verbrieftes Besitzrecht am Bruchteil eines Unternehmens. Damit ist die Aktie mit dem Genossenschaftsanteil an einer Genossenschaft, wie sie viele Volksbanken sind, vergleichbar. Als Aktionär kann man jedoch auf zwei Arten vom Geschäftsverlauf profitieren. Ähnlich wie bei einer Genossenschaft werden auch bei einer Aktiengesellschaft Gewinne in Form einer (jährlichen) Dividende ausgeschüttet. Die zweite und häufig lukrativere Form ist die Wertsteigerung der Aktie. Da die Aktie normalerweise an einer Börse gehandelt wird, verändert sich der Wert der Aktie im Spiel von Angebot und Nachfrage. Durch den Handel mit Aktien kann man also auch zwischen den Dividendenausschüttungen von der Aktienanlage profitieren. Darüber wie man die größten Gewinne einfährt, wurden schon sehr viele Bücher geschrieben und es gibt ebenso viele Theorien. Das wichtigste ist meiner Meinung nach, nie auf nur ein Pferd zu setzen und nach Möglichkeit große Verluste zu vermeiden. Der Rest ist Übung, Ausdauer und ein richtiges Händchen, um jetzt mal den Begriff Glück nicht zu nennen.

 

Doch zurück von den Grundlagen. Die Zahl über die rückläufige Aktionärsquote macht deutlich, wie wenig Ahnung die Deutschen insgesamt von Geldanlage haben. Das Sparbuch und Tagesgeld wird immer noch als sicheres Allheilmittel gesehen und das bei Zinsen unterhalb der Inflationsrate. Sicherheit geht vielen offenbar noch immer über Rendite. Alles in allem ist das Verhalten der Bürger einer der führenden Wirtschaftsnationen der Welt schon seltsam. Da beruft man sich auf die Soziale Marktwirtschaft und die Teilhabe der Menschen an der Wirtschaft. Man ist stolz auf die Erfolge der deutschen Konzerne und dennoch sind die meisten Unternehmensstars inzwischen in fremder Hand. Fremde Staatsfonds und „Heuschrecken“ aus Übersee verbreiten Angst und Schrecken und bei Übernahmeangeboten wie jüngst bei Hochtief ist der Aufschrei groß. Doch wenn keine deutschen Aktionäre mehr an Bord sind, braucht sich niemand zu wundern, dass die Bindungswirkung der Aktionäre aus dem Ausland gegen Null geht. Selbst Belegschaftsaktien finden nicht den Anklang. Da braucht dann auch kein Linker mehr mit der zwingend notwendigen Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivkapital kommen…die wollen offenbar schlicht nicht. Dabei wäre für den Standort Deutschland eine wirkliche Aktienkultur ein Segen. Denn jeder Aktionär lernt auch als Unternehmer zu denken und kann sich so in manche Handlungsweise besser hineinversetzen. Seitens der Politik ist da aber sicher nur wenig Engagement zu erwarten. Die tut sich selbst schwer und sorgt zudem mit gut gemeinten Aktionen wie der Einführung der Abgeltungsteuer eher für den gegenteiligen Effekt.

 

Doch müsste die Politik eigentlich froh sein, wenn sich die Menschen selbst um gewisse Angelegenheit kümmern. Dann wären auch Probleme wie bspw. mit der immer schwierigeren gesetzlichen Rente nicht mehr ganz so dramatisch. Aber Eigenverantwortung wird ja in Deutschland sowieso als überbewertet angesehen. Stattdessen streitet man sich herum, wie man Finanzberatung besser ausgestaltet. Manchmal ist die Antwort sehr leicht: Wüssten die Leute was ihnen wirklich so von „Profis“ angeboten wird und würden sie die Chancen und Risiken kennen, würde die Zahl der Falschberatungen sehr schnell zurückgehen. Doch Begriffe wie Aktien, Rendite und gar der Zusammenhang mit dem Risiko sind in der deutschen (Schul-)Bildung nicht vorgesehen. Dabei versteht man die Finanzwelt mit wenigen Grundlagen im Hinterkopf zumindest in Ansätzen: Man bekommt nichts geschenkt und wenn doch, verdient das Gegenüber daran. Kein Gewinn ohne Risiko.

Das schöne ist, dass man schon allein durch beobachten, was andere tun oder nicht tun, sehr viel lernen kann. Und dann klappt es auch recht rasch mit der Aktienanlage. Man muss sich einfach mal trauen, die Geldanlage selbst in die Hand zu nehmen. Idealerweise fängt man mit einem gespielten Depot an. Wobei man nicht unterschätzen sollte, dass die echte Anlage psychologisch immer nochmal etwas anderes ist. Aber so wie man ein Auto kauft oder einen neuen Computer, kann man auch an die Geldanlage heran gehen. Dort versteht ja auch nicht jeder alles bis ins kleinste Detail. Und dennoch würde niemand sagen: „Uiii, ich versteh den neuen Einspritzmotor nicht, da lauf ich doch lieber weiter zu Fuß und kauf mir kein Auto.“ Von daher kann man nur raten: Informieren, ausprobieren und Spaß an der Geldanlage haben - denn der kommt garantiert, spätestens mit den ersten selbstverdienten Gewinnen!

 



Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


Kommentare (4)




 
  Kommentare (4)

Marc Schmidt, 28.01.2011 11:59
@nachfrager
Kapitalgestützte Altersvorsorge heißt ja nicht, dass man das Geld gierigen Bänkern in den Rachen wirft. Stattdessen bedeutet sie, dass man zu Erwerbszeiten Kapital anspart, das sich verzinst und von dem man im Alter leben kann. Wenn die Deutschen ihr Geld nicht zu Sparkasse getragen hätten, die wiederum es an die Landesbanken weitergeleitet hätten und die damit nicht die Immobilienblase in den USA finanziert hätten, wäre uns viel erspart worden. Wenn deutsche Aktiengesellschaften mehr deutsche Aktionäre hätten, würde es uns vielleicht noch besser gehen, weil alle plötzlich merken, dass sie nicht für den Lohnzettel, sondern auch für das Depot arbeiten. Aber das scheint zu viel Abstraktionsvermögen zu verlangen.


Marc Schmidt, 28.01.2011 11:55
@Elmar Oberdörffer
Mit Ihrer Einstellung zählen Sie leider zu einer absoluten Minderheit in Deutschland. Aber wenn jeder Aktionär nur einen Nicht-Aktionär von der Aktie überzeugt, wäre schon viel gewonnen. Wobei auch das vielleicht schon wieder zu rational wäre...


Elmar Oberdörffer, 26.01.2011 19:23
Aktien sind die beste Geldanlage, setzen aber voraus, daß man mit Verstand vorgeht und sich ständig (also mindestens einmal pro Woche) um sein Depot kümmert. Es gibt auch seriöse Börsenbriefe, die einem dabei helfen können, nicht die natürlich, die einem garantiert 100% Gewinn pro Jahr oder noch mehr versprechen. Ich habe jedenfalls meine Ersparnisse fast ganz in Aktien angelegt, seit 2 Jahren auch zu einem beträchtlichen Teil in Gold, aber das soll mich vor einem Zusammenbruch des Euro retten. Mir steht jedenfalls erheblich mehr Geld zum Leben zu Verfügung, als hätte ich, wie meine Lebensversicherung mir vorgeschlagen hat, das Geld in eine lebenslange Rente eingezahlt. Die Ablehnung der Aktie als Kapitalanlagre durch die Mehrzahl der Deutschen ist jedenfalls rational nicht begründbar. Aber irrational verhalten sich die Deutschen ja auch auf anderen Feldern: z.B. bei der Ablehnung der Kernenergie, der Förderung von Wind-, Solar- und Bioenergie, dem Vermeiden von Eigenverantwortung und dem Vertrauen auf den Staat. Kein Wunder, daß alles den Bach runter geht.

nachfrager, 26.01.2011 17:23
Ich versteh das nicht alles, aber könnte die Behauptung richtig sein, dass Aktien Sinnbild des dekadenten spätrömischen Reiches seien, da sie zu anstrengungslosen Wohlstand aufrufen würden?

Und hat die kapitalgestützte Altersvorsorge in den USA nicht gezeigt, was passiert, wenn man geld- und eigen-Interessierten Bankern oder Finanzberatern sein gut verdientes Geld anvertraut?

Ist es nicht vielleicht so, dass der Begriff Freiheit in diesem Zusammenhang nur eine leere Floskel ist, da die persönliche Freiheit der Anleger den "sozialistischen Interessen" der Finanzbanker geopfert werden?



Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 



Spruch des Tages
Zu erkennen, daß man sich geirrt hat, ist ja nur das Eingeständnis, daß man heute schlauer ist als gestern.
- Johann Kaspar Lavater

ANZEIGE

Galerien

Europolis: Tagung zur Reform der europäischen Währungsordnung Europolis: Tagung zur Reform der europäischen Währungsordnung

Stuttgart: Anti-ESM-Demonstration des Aktionsbündnis Direkte Demokratie Stuttgart: Anti-ESM-Demonstration des Aktionsbündnis Direkte Demokratie

Südkongreß "ESM-Vertrag - der Weg in die Schulden- und Inflationsunion? Entdemokratisierung Europas?" Südkongreß \"ESM-Vertrag - der Weg in die Schulden- und Inflationsunion? Entdemokratisierung Europas?\"


Interviews

Dr. med. Rainer Böhm Betreuungsgeld ist sinnvoll und notwendig
Dr. med. Rainer Böhm
Kinder- und Jugendarzt

Alexander Ulfig »Gleichstellungspolitik führt zu Ungerechtigkeiten«
Alexander Ulfig
http://qualifikation-statt-quote.de/

Hedwig Beverfoerde, Birgit Kelle JA zum Betreuungsgeld!
Hedwig Beverfoerde, Birgit Kelle
Initiative Familienschutz, Frau2000plus

Bernhard Seitz Anti-ESM-Demo in Stuttgart
Bernhard Seitz
Aktionsbündnis Direkte Demokratie

Hubert Aiwanger Freie Wähler hoffen auf Erfolg in Schleswig-Holstein
Hubert Aiwanger
Bundesvorsitzender Freie Wähler

Mehr Interviews


Video

Zivile Koalition: Stoppt ESM-Vertrag - Stoppt Schulden- und Inflationsunion Zivile Koalition: Stoppt ESM-Vertrag - Stoppt Schulden- und Inflationsunion

EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von

Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de

Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag

Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen" Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen"


Umfrage

Würden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?

Foto: Lupo / pixelio.de




Ergebnis

Meist gelesen
    Anti-ESM-Demo in Stuttgart

    Südkongreß: Zivile Koalition mobilisiert, Freie Wähler punkten, CSU fehlt

    Die »Ketchup-Inflation« kommt!

    Freie Wähler hoffen auf Erfolg in Schleswig-Holstein

    Interview: JA zum Betreuungsgeld!

Empfohlene Blogs

author Jürgen Liminski
Vom Pudding zum Präsidenten - Die Metamorphose des Francois Hollande

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Die Deutschen haben die Wahlen verloren

author Birgit Kelle
Kinder statt Klappstühle

author Beatrix von Storch
Der sog. Fiskalpakt - oder wie man einen ganzen Kontinent verschaukelt

author Beatrix von Storch
Der finale ESM-Vertrag - Ende von Demokratie und Parlamentsvorbehalt


Reportage

Die eigenartige Zurückhaltung des Westens Die eigenartige Zurückhaltung des Westens

Mit der Brechzange in die Familien Mit der Brechzange in die Familien

Wer errechnet eigentlich die Inflation? Wer errechnet eigentlich die Inflation?

Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen." Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen."

Neuer Verband setzt sich für kinderreiche Familien ein Neuer Verband setzt sich für kinderreiche Familien ein

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Familienschutz startet Online-Initiative "JA zum Betreuungsgeld" Familienschutz startet Online-Initiative "JA zum Betreuungsgeld"

Und jetzt die Inflationsunion! Und jetzt die Inflationsunion!

FDP und ESM - Ein Beitrag von Prof. Vaubel FDP und ESM - Ein Beitrag von Prof. Vaubel


Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Finanzkrisen
Brandanschlag in Potsdam
Griechen leeren ihre Konten
Hass auf Deutsche trifft Holländer
Nahost-Konflikt
Die Sorge um Syrien nimmt zu
Doch keine Neuwahlen in Israel
Pakistan testet erfolgreich Rakete
DDR-Unrecht
Vaatz prangert Heuchelei an
Stasi-Unterlagen: 20 Jahre - 2,8 Millionen Akten-Einsichten
"Von oben" verordneter EU-Unionsstaat birgt totalitäre Tendenzen
Allgemein
Berliner Piraten- Chef tritt zurück
Brandanschlag in Potsdam
Katholikentag in Mannheim
Bildung
Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP
Interview: JA zum Betreuungsgeld!
Gröhe ruft FDP zur Ordnung
Reformen
Minister setzen »Basel III« um
Dr. Rainer Böhm: Betreuungsgeld ist sinnvoll und notwendig
Sozialisten attackieren Merkel
Wirtschaftspolitik
US-Banken droht mehr Regulierung
Neue Umlage für Windstrom?
Merkollande sind sich einig
Familie
Offener Brief an die Betreuungsgeld-Skeptiker der FDP
Merkel plant Kompromiß zum Betreuungsgeld
Dr. Rainer Böhm: Betreuungsgeld ist sinnvoll und notwendig
Autoindustrie
Opel-Krise schwelt weiter
Neuer Schock für Opel
IG Metall ruft zum Warnstreik auf
Wahlen
Neue Umlage für Windstrom?
Führungskrise in Linkspartei
Merkollande sind sich einig
1945-49/Verfassungsbruch1990
Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
Justiz
Brandanschlag in Potsdam
Hass auf Deutsche trifft Holländer
Buback-Mord 1977 bleibt unaufgeklärt

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008